Heute ist der 21.05.2026, und in Leoben gibt es einiges zu berichten. Juliane Cichy, die steirische Suchtkoordinatorin und Mitglied im Gesundheitsfonds Steiermark, hat kürzlich die aktuelle Sucht-Situation in der Steiermark unter die Lupe genommen. Ihre Ausführungen sind alarmierend und zeigen, wie sich das Suchtverhalten in unserer Gesellschaft verändert hat. Während der Konsum von Alkohol und Zigaretten im Vorjahr rückläufig war, verzeichneten Internetkonsum und Kokain einen dramatischen Anstieg. Ein Trend, der uns alle betrifft und nachdenklich macht.
Besonders auffällig ist der dramatische Anstieg bei der Internetsucht. Diese Entwicklung betrifft alle Altersgruppen und ist ein echtes Problem. Beispielsweise sind 30% der Schülerinnen und Schüler nach Mitternacht noch am Handy. Das führt nicht nur zu Konzentrationsstörungen, sondern auch zu Übermüdung. Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2024 gab es 8.724 Klientinnen und Klienten in steirischen Suchthilfeeinrichtungen – ein Anstieg von 560 im Vergleich zum Vorjahr. Männer stellen dabei mit 56% die Mehrheit der Klienten.
Regionale Unterschiede und Herausforderungen
Im Bezirk Leoben wurden 344 Klienten in Beratungsstellen registriert, was 8 weniger als im Jahr 2023 sind. Im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag sind es 414 Klienten, hier gab es sogar einen Rückgang um 22. Ein wenig positive Hoffnung gibt es allerdings in der östlichen Obersteiermark, wo sich die Situation für Suchtkranke verbessert hat.
Die Beratungsschwerpunkte für 2024 zeigen interessante Entwicklungen: 2.443 Klienten benötigen Hilfe bei Alkoholproblemen, während die Zahl der Personen, die wegen Sucht nach illegalen Substanzen Unterstützung suchen, auf 1.852 gestiegen ist – eine Zunahme von 208 gegenüber dem Vorjahr. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg des Kokainkonsums, dessen hoher Reinheitsgrad erhebliche gesundheitliche Risiken birgt. Auch Essstörungen nehmen zu, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen. Die Beratungen stiegen von 274 im Jahr 2020 auf 774 im Jahr 2024. Stress im Alltag und bei der Arbeit sind häufige Auslöser für Suchtverhalten.
Finanzielle Einschnitte und deren Folgen
Die Einsparungen in der Suchtprävention und im Sozialbereich werden als hinderlich angesehen. Diese Einschnitte führen zu längeren Wartezeiten in Suchthilfeeinrichtungen, was die Situation für Betroffene zusätzlich erschwert. Die Nachfrage nach Gruppenangeboten wächst, während Einzelgespräche weiterhin notwendig bleiben. Cichy arbeitet eng mit anderen Bundesländern sowie dem Gesundheitsministerium und Suchtberatungsstellen zusammen, um diese Herausforderungen zu bewältigen.
Die Situation in der Steiermark ist Teil eines größeren, internationalen Phänomens. Laut einer repräsentativen Studie im Auftrag der DAK-Gesundheit im Jahr 2024 erfüllen 4,7% der 10- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland die Kriterien einer Social-Media-Störung. Das zeigt, dass wir hierzulande nicht allein sind. In den Niederlanden liegt die Prävalenz sogar bei bis zu 11,6%. Internationale Studien belegen, dass die pathologische Nutzung von sozialen Netzwerken häufiger Mädchen und junge Frauen betrifft. Die DAK-Studie hat zudem ergeben, dass 6,0% der Jungen und 3,2% der Mädchen betroffen sind – das sind alarmierende Zahlen, die uns zum Nachdenken anregen sollten.
Die Suchtproblematik in der Steiermark ist komplex und erfordert ein gemeinsames Handeln aller Beteiligten. Es bleibt zu hoffen, dass durch gezielte Maßnahmen und eine verstärkte Zusammenarbeit Lösungen gefunden werden, die sowohl kurzfristige als auch langfristige Erfolge bringen.