In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit mehr denn je im Vordergrund steht, zeigt die Montanuniversität Leoben, wie man auch im Wintersport neue Wege geht. Hier wird mit dem Projekt „WINTRUST“ an innovativen Methoden für das Recycling von Wintersportausrüstung geforscht. Es ist keine kleine Angelegenheit, schließlich wurden in den letzten fünf Jahren in Österreich etwa 1,8 Millionen Paar Ski und Skischuhe verkauft. Doch was geschieht mit diesen Produkten, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen? Oft landen sie im Sperrmüll und wertvolle Rohstoffe gehen verloren. Ein echtes Dilemma, oder?

„WINTRUST“ zielt darauf ab, diesen Kreislauf zu schließen. David Zidar, der wissenschaftliche Leiter am Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung, und Michaela Plank, Projektleiterin und Absolventin der Kunststofftechnik, arbeiten eng zusammen, um Wintersportartikel systematisch zu recyclen. In einer Modellregion, dem Pinzgau-Pongau, wird bereits mit Sportartikelhändlern, Gemeinden und dem Abfallwirtschaftsverband zusammengearbeitet, um Lösungen zu finden. Das Ziel? Hunderte bis Tausende Tonnen Material wiederverwerten und so den ökologischen Fußabdruck reduzieren. Ein nobler Plan, der auch den Green Deal der EU unterstützt.

Ein komplexes Recyclingproblem

Die Herausforderung ist groß. Skischuhe, -bindungen und Helme bestehen aus verschiedenen Komponenten, während Skier aus einem unlösbaren Verbund von Materialien gefertigt sind. Weltweit werden etwa 3,7 Millionen Paar Ski pro Saison verkauft, in Österreich sind es zwischen 350.000 und 400.000 Paar. Das Projekt WINTRUST bringt insgesamt 30 Firmen, Institutionen und Forschungseinrichtungen zusammen, die sich dieser Herausforderung stellen. Nach der Sammlung müssen die Materialien in Gruppen wie Skier, Stöcke und Schuhe getrennt werden, denn eine gemeinsame Verarbeitung wäre schlichtweg unmöglich.

Aber das ist noch nicht alles. Die Demontage erfolgt durch die GW St. Pölten, die die händisch zerlegbaren Teile auseinanderbaut. Die Materialien gelangen anschließend an das Transfercenter für Kunststofftechnik (TCKT) in Wels zur weiteren Trennung. Hier wird es wirklich spannend: Drei Lehrstühle der Montanuniversität bringen ihr Know-how ein, um innovative Ansätze zu finden. Chemische Methoden zur Lösung von Klebeverbindungen werden erforscht, und es kommen sogar Laserstoßwellen und Mikrowellen zum Einsatz, um die Materialien bestmöglich zu trennen.

Nächste Schritte und internationale Vernetzung

Das Projekt hat große Ambitionen. In den nächsten drei Jahren soll ein solides Fundament für das Recycling von Wintersportartikeln gelegt werden. Eine Lebenszyklusanalyse wird durchgeführt, um die Umweltwirkungen und Energiebilanzen zu analysieren. Das ist nicht nur wichtig für das Projekt selbst, sondern könnte auch Vorbild für andere Branchen sein. Tatsächlich wird das Thema Recycling im Sportartikelbereich auch auf der IFAT Munich 2024 thematisiert, wo im Rahmen der „Cross-Industry Sessions“ Erfolge und Erkenntnisse präsentiert werden. Hier wird der Recyclingprozess von Skischuhen besonders beleuchtet, was zeigt, wie wichtig das Thema mittlerweile geworden ist.

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Insgesamt ist die Forschung an der Montanuniversität Leoben ein Schritt in die richtige Richtung, um Wintersportartikel nicht nur als Wegwerfprodukte zu betrachten, sondern ihnen ein zweites Leben zu ermöglichen. Vielleicht wird der Schnee bald nicht mehr nur für die Abfahrt genutzt, sondern auch für ein nachhaltiges Recycling – das wäre doch einfach nur genial!