Trockenheit setzt Landwirtschaft im Murtal stark zu
Die Landwirtschaft im Murtal steht momentan unter einem gewaltigen Druck. Karl Grantner, Landwirt in Möbersdorf, beobachtet mit einem mulmigen Gefühl auf seinem ausgedörrten Feld die kümmerlichen Maisstauden. Normalerweise ragen die Pflanzen zwei bis drei Meter in die Höhe, doch in diesem Jahr erreichen sie oft nur etwa 1,60 Meter. Die Trockenheit, die sich wie ein Schatten über die Region legt, hat massive Ernteausfälle zur Folge, besonders bei Grünland, Mais, Erdäpfeln und Braugerste. Grantner, der auch Obmann des Saatbauvereins Murboden ist, berichtet von einem atypischen Verlauf der Saison: Ein starker Frost im März wurde gefolgt von einer langen Hitzeperiode und unzureichendem Regen. Das Ergebnis? Bei der Gerste kam es zu Zwiewuchs, was die Qualität erheblich beeinträchtigt hat. Normalerweise können die Landwirte 98% ihrer Ernte als Braugerste vermarkten – heuer sind es nur noch rund 50%. Und der Erlös? Er ist etwa halb so hoch wie üblich.
Besonders dramatisch ist die Lage bei den Erdäpfeln. Auf sandigen Böden drohen Totalausfälle, und etwa ein Drittel der Flächen ist betroffen. Grantner selbst rechnet mit einem Ertragsrückgang von 30% auf seinem Betrieb. Aber das ist noch nicht alles – auch der Mais leidet unter Frostschäden und Wassermangel, was zu einem weiteren Rückgang führt. Im Grünland, das für die Futterversorgung der Viehbetriebe entscheidend ist, fehlen etwa 40% des üblichen Ertrags. Einige Bauern überlegen bereits, kostspielige Beregnungsanlagen anzuschaffen, während Grantner die Züchtung robuster Sorten als langfristige Lösung sieht. Doch die Entwicklung neuer Sorten kann bis zu zehn Jahre dauern.
Langfristige Herausforderungen
Der Landwirt äußert zudem Besorgnis über die Häufung extremer Wetterereignisse und den dramatischen Rückgang der Niederschläge – um 85% im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr! Die Winter werden schneeärmer, was die Erholung der Böden zusätzlich beeinträchtigt. Diese Trockenheit wird als langfristiges Problem für viele Betriebe im Murtal und darüber hinaus angesehen. Um dem entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Anpassungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und Wasserwirtschaft. Langfristige und kurzfristige Maßnahmen sind entscheidend. Dazu zählt auch eine angepasste Landbewirtschaftung, die langfristigen Schutz gegen Extremereignisse bietet. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat ein Dürre-Wissensportal (DWP) ins Leben gerufen, das einen Überblick über Dürre-Informationssysteme bietet.
Das Thema Trockenheit ist nicht nur in Österreich ein heißes Eisen. Auch in Deutschland spüren Landwirte die Auswirkungen der Klimakrise. Extreme Wetterereignisse, die seit 2018 zunehmen, verringern sowohl die Qualität als auch die Quantität der Ernteprodukte. Rund 2 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind von Schäden betroffen, und die Notwendigkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen wird immer drängender. Hier müssen langfristige Strategien mit kurzfristigen Maßnahmen kombiniert werden, um die Nahrungsmittelproduktion zu sichern.
Praktische Lösungen und Strategien
Die Experten empfehlen eine Vielzahl von Anpassungsmaßnahmen, um die Resilienz der Landwirtschaft zu steigern. Dazu zählen unter anderem Mulchsaat, Pflugverzicht und die Diversifizierung der angebauten Sorten und Kulturarten. Effiziente Bewässerungssysteme und die Verwendung von Brauchwasser zur Bewässerung sind wichtig, wobei hygienische Anforderungen berücksichtigt werden müssen. Auch Maßnahmen zur Renaturierung und Wasserrückhalt in der Fläche stehen auf der Agenda. Die Herausforderungen sind also vielfältig, doch die Lösungen liegen auf der Hand – wenn auch nicht ohne Aufwand und Zeit.
Im Murtal ist die Situation angespannt. Die Landwirte müssen kreativ werden, um mit den extremen Wetterbedingungen umzugehen. Grantner sieht die Züchtung robusterer Sorten als einen Lichtblick, während die anderen Landwirte sich um ihre Erträge und die Zukunft ihrer Betriebe sorgen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird – die Witterung hat das Sagen. Doch eines ist klar: Die Herausforderungen der Trockenheit erfordern gemeinsames Handeln und innovative Ansätze. Vielleicht ist der Dürresommer 2026 ein Weckruf für die gesamte Region.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Landwirtschaft im Murtal, können Sie den Artikel von der Kleine Zeitung lesen.
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