In einem kleinen Dorf in Tieschen, Südoststeiermark, hat ein Landwirt für Aufsehen gesorgt. Dieser hat eine stattliche Wiese von 3600 Quadratmetern kurzerhand in einen Acker umgebrochen. Ein gewagter Schritt, der ihm nun eine Anzeige und eine Strafe von etwa 500 Euro eingebracht hat. Das Besondere an dieser Geschichte? Die Fläche liegt im europaweit geschützten Natura 2000-Gebiet, wo solche Umbrüche grundsätzlich verboten sind. Der Landwirt war sich dessen jedoch nicht bewusst, da die Wiese lediglich im Grundbuch vermerkt war und er plante, die Fläche als Acker zu verkaufen, um einen höheren Preis zu erzielen.

„Ich bin nicht der Einzige, der mit der Idee spielt, eine Wiese umzubrechen“, äußerte der Landwirt. Und tatsächlich häufen sich in der Region ähnliche Fälle. Derzeit sind bei der Bezirkshauptmannschaft Südoststeiermark fünf bis zehn Verfahren anhängig. Alois Maier, interimistischer Leiter der Bezirkshauptmannschaft, hat bereits bemerkt, dass viele Landwirte nicht über den Schutzstatus ihrer Wiesen informiert sind. Um dies zu überprüfen, kann das GIS-Steiermark konsultiert werden, wo Informationen über den Status der Flächen bereitgestellt werden.

Die Folgen für die Landwirtschaft

Doch die Strafe ist für viele Landwirte nicht das Hauptproblem. Viel gravierender ist die Verpflichtung zur Wiederherstellung der Blumenwiese, die eine nicht unerhebliche Herausforderung darstellt. Die Landwirtschaftskammer Südoststeiermark hat das Problem erkannt und weist darauf hin, dass viele Landwirte sich vor einem Umbruch nicht ausreichend informieren. Daher wird ein Projekt zur sinnvollen Nutzung von Naturschutzwiesen in Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement und dem Naturschutz vorbereitet. Im Rahmen dieser Initiative wird eine Pelletierungsanlage in Halbenrain eingerichtet, die Mähgut von Naturschutzwiesen in Heupellets umwandelt, die dann als Futtermittel oder Einstreu genutzt werden können.

Das Natura 2000-Vertragsnaturschutzprogramm, das auf freiwilliger Teilnahme basiert, bietet Landwirten die Möglichkeit, für den Erhalt ihrer Wiesen finanzielle Abgeltungen zu erhalten. Die Prämien liegen zwischen 218 und 800 Euro pro Hektar und sind an verschiedene Faktoren wie den naturschutzfachlichen Wert der Fläche und Bewirtschaftungsauflagen gebunden. Die Antragsteller müssen verschiedene Unterlagen einreichen und sich an Fristen halten, um die Prämien zu erhalten. Dies könnte eine Lösung für Landwirte sein, die sich gegen den Druck des Marktes wehren müssen und gleichzeitig einen Beitrag zum Naturschutz leisten möchten.

Der Landwirt aus Tieschen steht jedoch exemplarisch für ein größeres Problem in der Region. Die Unkenntnis über die Schutzbestimmungen führt nicht nur zu rechtlichen Konsequenzen, sondern gefährdet auch den Erhalt kostbarer Naturflächen. Die Diskussion um den Schutz von Wiesen und die Aufklärung der Landwirte wird in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen, denn die Natur hat ihren Preis – und der ist nicht nur monetär zu messen.

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