In der kleinen Gemeinde Ilztal, mitten in Österreich, wird etwas ganz Besonderes getan. Hier lebt und arbeitet Sandra Gammel, die sich seit acht Jahren auf die Ausbildung von Assistenzhunden spezialisiert hat. Derzeit hat sie ein quirliges Rudel von zwölf Hunden um sich versammelt, darunter ihre eigene Schäferhündin Peach, die als Blindenführhund ausgebildet wird. Marley, ein vier Monate alter Rüde, zeigt bereits große Fortschritte, wenn er den Befehl „Sitz!“ befolgt und dafür ein Leckerli bekommt. Es ist eine Freude zu sehen, wie diese Hunde mit viel Geduld und Liebe auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet werden.
Die Ausbildung der Hunde ist kein Zuckerschlecken. Im Schnitt dauert es 24 Monate, bis sie bereit sind, ihre neuen Besitzer zu unterstützen. Gammel und ihre Kollegin Claudia Pregartner legen den Grundstein, indem sie den Hunden nicht nur Grundgehorsam beibringen, sondern auch Verhaltensweisen im Alltag, etwa in Cafés. Ein wichtiger Schritt ist die Gesundheitsuntersuchung, die die Hunde mit zwölf Monaten bestehen müssen – nur die Hälfte schafft es tatsächlich bis zum Ende der Ausbildung. Diejenigen, die nicht bestehen, werden als Haustiere verkauft, während die erfolgreichen Kandidaten für etwa 40.000 Euro als Blindenführhunde oder rund 30.000 Euro als Signalhunde auf den Markt kommen.
Die Anforderungen an Assistenzhunde
Für die Ausbildung müssen die Hunde eine Vielzahl von Tests durchlaufen, die ihre Intelligenz, ihren Gehorsam und ihre Ruhe prüfen. Nach der Spezialausbildung wird eine umfassende Qualitätsbeurteilung durchgeführt, die bis zu 1,5 Stunden in Anspruch nehmen kann. Künftige Besitzer dürfen die Hunde während der Ausbildung kennenlernen, was oft über gemeinsame Aktivitäten geschieht. Es ist eine Art Beziehungspflege, die sowohl den Hunden als auch den Menschen zugutekommt. Die Wartezeit bis zur Kennenlernphase beträgt etwa ein Jahr, und bis zur Übergabe vergehen meist zwei Jahre. Einmal im neuen Zuhause, bleibt Gammel mit den Besitzern in Kontakt und bietet regelmäßig Schulungen an, um sicherzustellen, dass alles gut funktioniert.
Assistenzhunde sind wahre Lebensretter. Sie unterstützen Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen im Alltag und haben sogar besondere Rechte: Sie dürfen in Bereiche, wo Hunde normalerweise nicht erlaubt sind. Zu den verschiedenen Arten von Assistenzhunden gehören nicht nur Blindenführhunde, die sehbehinderten Menschen helfen, Hindernisse zu erkennen, sondern auch Signalhunde, die gehörlose Menschen auf wichtige Geräusche aufmerksam machen. Servicehunde unterstützen bei körperlichen oder psychischen Einschränkungen und medizinische Assistenzhunde reagieren auf spezielle gesundheitliche Anforderungen.
Die Ausbildung kann durchaus bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen und ist mit hohen Kosten verbunden. Die Krankenkassen übernehmen diese in der Regel nicht, außer bei Blindenführhunden. Darüber hinaus sind weitere Ausgaben für Futter, Versicherungen und andere Dinge zu berücksichtigen. In Deutschland regelt das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) den Anspruch auf einen Assistenzhund, was in Österreich nicht ganz so klar definiert ist. Hier ist es wichtig, dass die neuen Besitzer eine ärztliche Bescheinigung über ihre Behinderung und den Bedarf an einem Assistenzhund vorlegen können.
Insgesamt ist die Arbeit von Sandra Gammel und ihrem Team von unschätzbarem Wert, nicht nur für die Hunde, sondern auch für die Menschen, die durch diese vierbeinigen Helfer ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen können. Die Begegnungen und die Erlebnisse, die hier stattfinden, sind voller Hoffnung und Freude. Manchmal fragt man sich, wer hier eigentlich mehr lernt: die Hunde oder die Menschen. Vielleicht ist es einfach eine wunderbare Symbiose.