Bier schlägt Wein knapp: Judith Mehofer gewinnt das Duell im Café Capra
Im Café Capra in St. Valentin ging es am 25. Oktober 2026 um eine Frage, die auf den ersten Schluck einfacher klingt, als sie ist: Bier oder Wein zum Essen? Gastgeberin Helena Jordan, Inhaberin und Weinsommelière des Hauses, trat gemeinsam mit ihrem Team gegen die Biersommelière Judith Mehofer an.
Zu einem von Küchenchef Christoph Brandstätter zubereiteten Fünf-Gänge-Menü musste das Publikum bei jedem Gang entscheiden, welches Getränk die jeweilige Speise besser begleitet. Nicht, was persönlich besser schmeckt, war gefragt, sondern was am Teller die stimmigere Verbindung ergibt. Die Gäste fungierten als Jury – und taten sich damit hörbar schwer.
Die Entscheidung fiel erst im letzten Gang
Nach Helenas Sieg 2024 und Judiths Comeback 2025 sollte heuer die endgültige Entscheidung fallen. Beide Sommelièren erklärten zu jedem Gang ihre Auswahl und warum Bier oder Wein als Begleitung geeignet sei. Lange blieb das Ergebnis offen, erst in der letzten Runde fiel die Entscheidung knapp aus.
Am Ende hatte Judith Mehofer mit dem Bier zwei Punkte Vorsprung. Ihr Sieg war damit besiegelt. Helena Jordan nahm es sportlich und kündigte bereits eine Revanche für 2027 an. Die verkosteten Weine und Biere gibt es im Café Capra übrigens auch flaschenweise zu kaufen.
Jordan setzt sich generell dafür ein, Bier öfter als Speisenbegleiter einzusetzen. In Restaurants habe Bier weiterhin ein Imageproblem, sagt sie, obwohl es beim Pairing oft besser passen könne als Wein. Bier bringe Eigenschaften mit, die Wein nicht hat: Bitterkeit sowie Hopfen- und Röstaromen.
Wenn Bier zum Dessert kommt
Gerade bei Desserts greift Jordan gern zum Bier. Zu Mousse au Chocolat empfiehlt sie etwa einen gereiften Samichlaus von Schloss Eggenberg. Der von ihr verwendete Jahrgang 2020 weist dezente Kohlensäure sowie Kakao-, Haselnuss- und Toffee-Aromen auf und erinnert an Portwein. Bei Blindverkostungen werde das Getränk deshalb teilweise gar nicht als Bier erkannt.
Auch für herzhafte Gänge hat Jordan klare Favoriten: Zum Kalbsbries mit Curry und Zwiebeln empfiehlt sie das Carinthia IPA von Loncium. Zum Rochenflügel mit Pilzen, Butter und Salbei passt für sie das Lug Blonde Sauvage der Brasserie des Voirons. Die Kombination aus Wachtel, Topinambur, Nüssen und Datteln begleitet sie mit dem Schwarze Schaf Stout von Gusswerk.
Das Stout wirke für sich allein eher schlank, sagt Jordan, füge sich aber gut in die Wachtel-Kombination ein. Bier solle trotzdem nicht erzwungen werden. Entscheidend sei die Offenheit des Gastes. Im Café Capra schenkt Jordan Bier teilweise glasweise aus und erklärt die Auswahl erst danach – ein kleiner Überraschungsmoment im Glas.
Ausbildung mit Hürden
Kritisch sieht Jordan, dass die Ausbildung zum Biersommelier privatisiert ist. Sie fordert einen leichter zugänglichen und unabhängigeren Ausbildungsort, ähnlich der klassischen Sommelier-Ausbildung. Auch Berufstätige sollten sich mit geringerem Aufwand weiterbilden können.
Ein möglicher Blick über die Grenze führt zu Doemens. Dort gibt es drei Wege zur Ausbildung zum Biersommelier: den Klassik- oder Split-Kurs, einen Online-Kurs mit Bierbotschafter- und Upgrade-Kurs sowie die Kombination aus Bierarista-, Bierbotschafter- und Upgrade-Kurs.
Der Klassik-Kurs dauert zwei Wochen und findet in Präsenz statt. Beim Split-Kurs wird der Präsenzunterricht auf zweimal eine Woche aufgeteilt. Der Online-Weg beginnt mit dem einzeln buchbaren Online-Basismodul Bier. Darauf können der dreitägige Aufbaukurs „Doemens Bierbotschafter“ und ein fünftägiger Upgrade-Kurs mit Zertifikat folgen. Alle Module lassen sich modular und mehrwertsteuerfrei buchen.
Die Bierarista-Ausbildung ist ein Präsenzkurs über Partner. Der „Doemens Bierbotschafter“ ist als dreitägiger Aufbaukurs angelegt, der Upgrade-Kurs als fünftägiger Zertifikatskurs. Darüber hinaus bietet „The Institute of Masters of Beer“ ein professionelles Fortbildungsprogramm für Biersommeliers. Es baut auf den Kenntnissen des Biersommeliers auf und ermöglicht eine Weiterbildung in Spezialgebieten.
Im Café Capra bleibt unterdessen die praktische Prüfung am Tisch in Erinnerung: fünf Gänge, viele Gläser und eine Jury, die bis zuletzt rechnen musste.
