Red Cat bietet 39 Euro je Aktie für Steyr Motors – Übernahme bleibt unter Vorbehalt
In Steyr wird es ernst, aber noch ist nichts unter Dach und Fach: Red Cat Holdings hat am 19. Oktober 2026 ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche ausstehenden Aktien der Steyr Motors AG angekündigt. Geboten werden 39,00 Euro je Aktie in bar. Das Angebot soll über eine vollständig im Besitz von Red Cat befindliche Tochtergesellschaft abgewickelt werden.
Am Mittwoch vereinbarten Red Cat, Steyr Motors und die SMOT Acquisition GmbH die Rahmenbedingungen. Die Vereinbarung enthält laut Steyr verbindliche Zusagen zum österreichischen Standort und zu den Beschäftigten. Der Abschluss steht allerdings noch unter regulatorischen Genehmigungen und einer Mindestannahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie. Die Übernahme ist damit weiterhin an Bedingungen geknüpft – und keineswegs bereits abgeschlossen.
Standort Österreich soll bleiben
Steyr Motors entwickelt und produziert spezialisierte Hochleistungsmotoren für militärische Fahrzeuge und Boote sowie Hilfsaggregate für Kampfpanzer und Lokomotiven. Das Unternehmen mit Sitz in Steyr ist auf maßgeschneiderte Motoren mit hoher Leistungsdichte und Haltbarkeit spezialisiert.
Red Cat begründet den Vorstoß mit einer strategischen Investition in Steyr Motors und österreichische Produktionskapazitäten. Nach einem erfolgreichen Abschluss sollen Hauptsitz, Fertigung sowie Forschung und Entwicklung in Österreich erhalten bleiben. Auch bestehende Kundenbeziehungen und das kundenunabhängige Motorengeschäft sollen fortgeführt werden. Zusätzlich will Red Cat in die Fähigkeiten und die Rolle von Steyr Motors im Markt für autonome maritime Systeme investieren.
Die Idee dahinter: Steyr Motors’ Schiffsmotorentechnologie und Fertigungskompetenz sollen mit Red Cats Verteidigungskunden und dem wachsenden Portfolio autonomer maritimer Systeme verbunden werden. Red-Cat-Chef Jeff Thompson erklärte, Österreich solle für die Zukunft des Geschäfts zentral bleiben. Zusätzliche Ressourcen, Kundenzugang und langfristige Nachfrage sollten Mitarbeiter, Betrieb und Expansion unterstützen.
Steyr-Motors-CEO Julian Cassutti bezeichnete Red Cat als strategischen Partner für die nächste Unternehmensphase. Gemeinsame Wachstumschancen ergäben sich aus der Engineering-Kompetenz von Steyr Motors und dem internationalen Marktzugang von Red Cat. Cassutti unterstützt das Angebot und kündigte an, seine eigenen Aktien anzudienen. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Wirtz äußerte sich grundsätzlich positiv: Nach Prüfung der rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen sehe der Aufsichtsrat erhebliches strategisches Potenzial.
Fristen, Aufschläge und einige Fragezeichen
Die B&C Holding Österreich GmbH, ein Ankeraktionär, hat sich unwiderruflich verpflichtet, ihre Beteiligung von rund 15 Prozent des Aktienkapitals anzudienen. Der Angebotspreis entspricht laut Red Cat einem Aufschlag von 55,8 Prozent auf das 52-Wochen-Tief, 28,9 Prozent auf den Schlusskurs vom 16. Oktober 2026 und 27,3 Prozent auf den volumengewichteten 30-Tage-Durchschnittskurs.
Frühere unverbindliche Gespräche zwischen Red Cat und Steyr Motors waren im Juli 2026 beendet worden. Danach wurden sie wieder aufgenommen und mündeten nun in ein vollständig finanziertes Barangebot. Die Angebotsunterlage soll auf einer speziellen Transaktionswebsite auf Deutsch sowie als unverbindliche englische Übersetzung veröffentlicht werden.
Die Annahmefrist soll kurz nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage beginnen und voraussichtlich am 18. Dezember 2026 um 17:00 Uhr MEZ enden. Aktionäre sollten ihre Depotbanken wegen möglicher früherer bankinterner Fristen kontaktieren; die Abwicklung der Andienung kann mehrere Tage dauern. Vorgesehen sind außerdem behördliche Genehmigungen in Österreich, Italien, Australien und dem Vereinigten Königreich sowie weitere Bedingungen aus der Angebotsunterlage.
Red Cat weist ausdrücklich darauf hin, dass weder der Abschluss noch der geplante Zeitplan garantiert sind. Die Mitteilung selbst ist kein verbindliches Kaufangebot; ein solches würde ausschließlich auf Grundlage der später veröffentlichten Angebotsunterlage erfolgen. Weitere Informationen sollen nach deren Veröffentlichung unter ir.redcatholdings.com bereitgestellt werden. Evercore berät Red Cat finanziell, Freshfields rechtlich.
Neue Boote, neue Marke – und ein niedrigeres Kursziel
Parallel zum Steyr-Vorhaben baut Red Cat sein Geschäft mit unbemannten Systemen aus. Am Donnerstag stellte das Unternehmen sein Blue-Ops-Portfolio unbemannter Wasserfahrzeuge vor. Die Modelle B-18 und B-39 sind laut Unternehmen bestellbar, die Produktion der B-39 wurde in kleiner Stückzahl gestartet. Bereits am 12. Oktober hatte Red Cat seine unbemannten Fluggeräte unter der Marke „Red Cat Aerial“ gebündelt. Dazu kam das für lange Einsatzzeiten ausgelegte System TRICHON.
Red Cat arbeitet damit gleichzeitig an neuen Flug- und Wasserfahrzeugen, einer einheitlichen Marke und der möglichen Übernahme von Steyr Motors. Das Unternehmen ist ein US-Anbieter von Drohnen- und Robotiklösungen für Verteidigung und nationale Sicherheit – darunter unbemannte Luftfahrzeuge, autonome Überwasserfahrzeuge, drahtlose Energieübertragung und Schwarmsoftware.
An der Börse kam die Kombination der Initiativen allerdings nicht als Freifahrtschein an. Piper Sandler senkte das Kursziel für die Red-Cat-Aktie von 9 auf 6 US-Dollar. Die Einstufung blieb bei „Neutral“. Die Bestellbarkeit der Produkte und der Produktionsstart der B-39 sind laut dem zugrunde liegenden Bericht keine gemeldeten Aufträge und kein Nachweis für den Geschäftserfolg. Trotz der angekündigten Schritte nahm Piper Sandler daher keine positivere Anlageeinstufung vor.
Für die geplante Transaktion gelten zudem die üblichen rechtlichen Leitplanken des österreichischen Übernahmerechts. Als Bieter, Mitglied eines Verwaltungsorgans des Bieters, gemeinsam mit dem Bieter vorgehender Rechtsträger oder Mitglied eines solchen Verwaltungsorgans handelt ordnungswidrig, wer gegen § 4 Z 3, zweiter Halbsatz, § 5 Abs. 1, Abs. 2 und Abs. 3 – jeweils in Verbindung mit Abs. 4 erster Satz –, § 7, § 11, § 16 Abs. 1, Abs. 3, Abs. 5 und Abs. 7, § 19 Abs. 2, § 21 Abs. 1 und Abs. 2, § 22 Abs. 1 und Abs. 4, § 22a, § 23 Abs. 3, § 30 Abs. 5 oder § 30b verstößt.
Red Cat betont schließlich, dass zukunftsbezogene Aussagen mit Risiken und Unsicherheiten verbunden sind und auf den aktuellen Erwartungen und Annahmen des Unternehmens beruhen. Der Ball liegt nun bei den Genehmigungsbehörden, den Aktionären – und bei einer Angebotsunterlage, die erst noch veröffentlicht werden muss.
