Wenn der Boden hart wird und der Regen ausbleibt, schaut mancher Garten plötzlich ziemlich ratlos aus. Genau dort setzt die Veranstaltung „Grün trotz Dürre – Dein Zukunftsgarten: Let it blüh!“ an: Am 5. November 2026 geht es ab 19 Uhr im Pfarrsaal in Pfarrkirchen bei Bad Hall um Gärten, Landwirtschaft und die Frage, wie Grün auch in trockenen Zeiten eine Chance hat.

Organisiert wird der Abend von den Grünen im Bezirk Steyr-Land. Im Mittelpunkt stehen die Bedeutung von Pflanzen für die Wasserspeicherung, die nachhaltige Nutzung vorhandener Wasserressourcen und eine naturnahe Gartengestaltung, die mit Trockenperioden umgehen kann. Auch Artenvielfalt und Biodiversität kommen zur Sprache. Eingeladen sind Menschen, die ihren Garten klimafit machen, Wasser bewusster einsetzen, mehr Vielfalt fördern oder sich für zukunftsfähige Lösungen in der Landwirtschaft interessieren.

Erfahrungen vom Acker und aus dem Naturgarten

Johann Schauer, Biolandwirt und Biodiversitätsbotschafter, berichtet aus der Landwirtschaft. Andreas Kerbler, Gärtner, Naturgartenplaner und Pflanzenproduzent, spricht über zukunftsorientierte und naturnahe Gartengestaltung. Zwei Blickwinkel also – einer mit Erde unter den Fingern, einer mit dem Plan für den Garten, der auch dann nicht gleich schlappmacht, wenn wochenlang kaum etwas vom Himmel kommt.

Wie wichtig solche Ansätze sind, zeigt der Blick auf die Landwirtschaft. Der Klimawandel kann Erträge und Qualität mindern und die Ertragssicherheit verringern. Hitze- und Trockenstress, neue oder häufiger auftretende Schadorganismen, mehr Extremereignisse und Konflikte um die Wassernutzung gehören zu den zentralen Herausforderungen.

Züchtung für trockene und heiße Jahre

Parallel zur praktischen Frage, wie ein Garten Wasser besser hält, wird in Österreich an passenden Pflanzen gearbeitet. Das Projekt KLIMAFIT entwickelt klimafitte Sorten, vor allem mit höherer Toleranz gegenüber Trockenheit und Hitze. Die Sorten sollen an den Klimawandel und regionale Bedingungen angepasst sein und Ertrag sowie Qualität auch unter extremen Wetterbedingungen sichern.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Gefördert wird KLIMAFIT vom BMLUK gemeinsam mit den Bundesländern. Beteiligt sind Saatgut Austria und die AGES. Dafür stehen jährlich 1,25 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Ländern bereit.

In KLIMAFIT 1 wurden von 2017 bis 2020 insgesamt 467 Zuchtlinien aus verschiedenen Kulturartengruppen für die Sortenzulassung geprüft. Außerdem entstand ein Genpool für künftige klimafitte Züchtungen. Die entwickelten Pflanzen benötigen weniger Wasser, trocknen langsamer aus und reifen früher – sie können Dürrephasen dadurch besser entgehen.

KLIMAFIT 2 lief von 2021 bis 2023. Dabei wurden hitze- und trockenheitstolerante Genotypen evaluiert sowie genomisch beziehungsweise markergestützt vorausgewählt. Parallel gab es Sortenversuche mit ausgewählten Zuchtlinien, um Umweltverhalten und Produktqualität zu untersuchen. Mehr als 404 Zuchtlinien wurden für die Sortenzulassung geprüft. Berücksichtigt wurde ein breites Spektrum an Kulturarten, damit Sortenvielfalt und die Spezialisierung der österreichischen Landwirtschaft erhalten bleiben.

Seit Anfang 2024 läuft KLIMAFIT 3 als Nachfolgeprojekt. Hauptziel bleibt die Steigerung der Hitze- und Trockentoleranz heimischer Kulturarten. Zusätzlich sollen Krankheitstoleranzen gegenüber Schaderregern verbessert und dadurch Pflanzenschutzmittel eingespart werden. Geplant sind mehr klimafitte Biosorten, bessere Qualität und Inhaltsstoffzusammensetzung pflanzlicher Produkte sowie eine Erweiterung des heimischen Kulturartenspektrums.

Die Züchtung von Eiweißpflanzen wird im Rahmen der österreichischen Eiweißstrategie fortgesetzt, besonders bei Sojabohnen und Ackerbohnen. Verbesserungen werden auch für künftig stärker nachgefragte heimische Kulturen wie Dinkel, Hirse und Linsen angestrebt. Das Projekt soll Ziele des österreichischen Regierungsprogramms, des europäischen Green Deals und der Farm-to-Fork-Strategie unterstützen. Zugleich sollen die Vielfalt heimischer Kulturarten für vielfältige Fruchtfolgen und Biodiversität erhalten und die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln gesichert werden.

Mehr Wasserbedarf trotz längerer Vegetationszeit

Höhere Temperaturen verlängern zwar die Vegetationsperioden. Bei ausreichender Wasserversorgung kann dadurch das Ertragspotenzial steigen – gleichzeitig wächst aber auch der Wasserbedarf. Gerade im heute schon niederschlagsarmen Osten Österreichs ist die eingeschränkte Wasserversorgung im Ackerbau ein Problem. Trockenheit und Hitze werden dort das durchschnittliche Ertragspotenzial langfristig verringern, während das Anbaupotenzial wärmeliebender Pflanzen wie Mais und Hirse zunimmt.

Auch die Böden geraten unter Druck: Temperaturanstieg und Temperaturextreme, Frost-Tau-Wechsel, Starkniederschläge und längere Austrocknung können ihnen zusetzen. Erosion und Humusabbau sind mögliche Folgen; ebenso eine sinkende Bodenfruchtbarkeit sowie eine geringere Wasser- und Nährstoffspeicherkapazität. Grünland in Regionen mit höchstens 600 Millimetern Jahresniederschlag kann vom Klimawandel stark betroffen sein.

Im Obst-, Gemüse- und Weinbau wird zwar eine mögliche Ausweitung der Anbaugebiete erwartet. Entscheidend bleiben aber geeignete Sorten, die Investitionskosten – etwa für Bewässerung – und Risiken durch Spätfrost, Sturm und Hagel. In der Tierhaltung dürften mehr Hitzetage den Hitzestress verstärken. Ställe und Lüftungsanlagen müssen höheren Anforderungen genügen, außerdem ist die Ausbreitung neuer subtropischer und tropischer Tierkrankheiten möglich. Direkte und indirekte Kosten der Tierhaltung werden dadurch steigen.

Selbst die Fischzucht ist stark gefährdet: Erwartet werden höhere Bewirtschaftungskosten und Ertragseinbußen, während Bestände kälteliebender Fischarten zurückgehen können. Im Pfarrsaal in Pfarrkirchen bei Bad Hall wird es am 5. November 2026 dennoch erst einmal um die kleineren, greifbaren Schritte gehen – um Pflanzen, die Wasser im Boden halten, Gärten, in denen es wieder summt, und um die Frage, was sich daheim tatsächlich verändern lässt.