In der heutigen Zeit, wo die Welt sich mit den Nachwirkungen von COVID-19 auseinandersetzt, wird das Thema Long COVID immer relevanter. Besonders in Deutschland hat der Krankenstand Rekordhöhen erreicht und das zeigt uns, dass viele Menschen mit Langzeitfolgen kämpfen. Eine aktuelle Studie zu Long COVID bei Kindern hat ergeben, dass 1-3% der Kinder nach einer SARS-CoV-2-Infektion daran erkranken. Über 80% der Menschen, die an Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) leiden, sind Frauen. Das sind erschreckende Zahlen! ME/CFS ist seit 1969 von der WHO als organisch-neurologische Erkrankung eingestuft und das sollte uns zu denken geben. Besonders, weil über 60% der Betroffenen arbeitsunfähig sind. Der Kern des Problems? Extreme Erschöpfung und Belastungsintoleranz (PEM) – das sind Symptome, die den Alltag stark beeinträchtigen.

Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion oft zu kurz kommt, ist die Rolle des Epstein-Barr-Virus (EBV), das bei vielen Betroffenen für anhaltende Entzündungen verantwortlich sein kann. In Deutschland sind etwa 650.000 Menschen von ME/CFS betroffen und das ist kein kleines Problem. Zudem gibt es eine hohe Prävalenz von Fibromyalgie, die 3-4% der Bevölkerung betrifft, vor allem Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Kliniken reagieren auf diese Herausforderungen, indem sie Informationstage zu Fibromyalgie und interdisziplinärer multimodaler Schmerztherapie (IMST) veranstalten.

Therapieansätze und Unterstützung

Die Suche nach effektiven Behandlungsmethoden ist in vollem Gange. Osteopathie wird zunehmend als ergänzende Behandlungsoption anerkannt, insbesondere bei Endometriose. Das ist ein erfreulicher Schritt, denn die Vielfalt der Symptome erfordert unterschiedliche Therapieansätze. Gesetzliche Krankenkassen bieten zudem finanzielle Zuschüsse für zertifizierte Präventionskurse an – eine gute Nachricht für viele, die sich Unterstützung wünschen. Die variierenden Zuschüsse reichen von bis zu 300 Euro bei der Techniker Krankenkasse bis hin zu 150 Euro bei der DAK. Die geförderten Programme, die Yoga, Pilates, Meditation und Rückenschule umfassen, könnten vielen helfen, sich besser zu fühlen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Die „Longevity“-Bewegung hat auch in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Ein integriertes Vorgehen zur Behandlung chronischer Erschöpfung und postviraler Syndrome wird immer mehr gefordert. Das ist wichtig, denn Long COVID umfasst eine Vielzahl von Symptomen und erfordert oft maßgeschneiderte Therapieansätze. Das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) hat empfohlen, von aktivierenden Therapien für ME/CFS abzusehen, was zeigt, wie sensibel dieses Thema behandelt werden muss. Leider wird ME/CFS häufig fälschlicherweise als psychosomatische Erkrankung betrachtet, obwohl es sich um ein komplexes neuroimmunologisches Krankheitsbild handelt.

Forschung und politische Initiativen

Seit März 2020 hat Long COVID durch Medien und Patientenorganisationen viel Aufmerksamkeit erhalten, während die medizinische Fachwelt anfangs zögerlich reagierte. Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS und Long COVID Deutschland haben sich aktiv dafür eingesetzt, dass diese Krankheitsbilder im Koalitionsvertrag der Bundesregierung berücksichtigt werden. In Deutschland gibt es nur eine Ambulanz für erwachsene ME/CFS-Patienten (Charité Fatigue Centrum) und eine für Kinder und Jugendliche (MRI Chronische Fatigue Centrum). Ein deutschlandweites Netzwerk an Kompetenzzentren für Long COVID und ME/CFS erfordert jedoch umfangreiche politische Maßnahmen, um eine angemessene Versorgung und Forschung zu ermöglichen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. hat eine S1-Leitlinie zu Post COVID/Long COVID erstellt, die jährlich aktualisiert wird. Das zeigt, dass hier ein ernsthaftes Engagement vorliegt, um die Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Klar ist: Es besteht ein großer Nachholbedarf in der Versorgung und Aufklärung über ME/CFS. Die Expertise von Betroffenen muss in Forschung und Versorgung einfließen, um korrekte Diagnosen und Behandlungen zu gewährleisten.

Wir stehen an einem Wendepunkt, der uns die Möglichkeit gibt, das Bewusstsein für diese ernsthaften Erkrankungen zu schärfen und die Lebensqualität vieler Menschen zu verbessern. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Forschung und die politischen Maßnahmen in den kommenden Jahren entwickeln werden, um den Betroffenen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie dringend benötigen.