In Innsbruck-Land fand kürzlich eine bedeutende Konferenz der Landesgesundheitsreferentinnen und -referenten statt, die unter dem Tiroler Vorsitz organisiert wurde. Es war ein wichtiges Treffen, bei dem brennende Themen wie Finanzierungsfragen und die Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung auf der Agenda standen. Vor allem wurde darüber diskutiert, wie man die Versorgung ausbauen, die Ausbildung verbessern und die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben kann.
Ein zentrales Anliegen war die Kostenverteilung für inländische Gastpatientinnen und -patienten. Jährlich behandelt Tirol über 12.600 stationäre Fälle aus anderen Bundesländern, insbesondere in hochspezialisierten Bereichen. Doch die Realität sieht düster aus: Die pauschale Abgeltung reicht nicht aus, um die tatsächlichen Kosten zu decken, was Tirol ein Minus von rund 133 Millionen Euro beschert. Landesrätin Cornelia Hagele brachte es auf den Punkt und forderte eine faire Abgeltung für die Spitalsversorgung. Zudem gab es scharfe Kritik an der Entscheidung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), die Kostenübernahme für Sekundärtransporte zwischen Krankenanstalten zu streichen. Die Länder sehen darin eine einseitige Kostenverschiebung, die nicht hingenommen werden kann. Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl betonte die Notwendigkeit einer fairen Gesamtlösung.
Ein Fokus auf Primärversorgung und Digitalisierung
Ein weiterer wichtiger Punkt war die Stärkung der Primärversorgung als erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem. Die Gesundheitsberatung 1450 soll besser eingebunden werden, um den Menschen den Zugang zu erleichtern. Außerdem wird der Ausbau digitaler Lösungen wie der e-Card, dem e-Rezept, der ELGA und telemedizinischen Angeboten vorangetrieben. Im Jahr 2023 wurde in Tirol die fächerübergreifende Gesundheitsversorgung weiter ausgebaut. Unter anderem steht die geplante Eröffnung des ersten Primärversorgungszentrums in Innsbruck im April 2024 an, das ein breites Angebot an Gesundheitsdienstleistungen bereitstellen wird.
Die Landes-Zielsteuerungskommission, die Vertreter des Landes Tirol, Sozialversicherungsträger und den Bund vereint, arbeitet an der Finanzierung innovativer Gesundheitsprojekte. Ein Beispiel dafür ist das integrierte Versorgungsprogramm HerzMobil Tirol, das flächendeckende telemedizinische Versorgung für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz bietet. Aber nicht nur die körperliche, auch die psychische Gesundheitsversorgung wird verstärkt. Ein Pilotprojekt für Home Treatment in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zeigt, dass hier Bedarf besteht.
Die Zukunft im digitalen Gesundheitswesen
Österreich entwickelt derzeit die „eHealth-Strategie Österreich“, die auf eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch digitale Technologien abzielt. Diese Strategie wird am 10. Juli 2024 präsentiert und beinhaltet zahlreiche innovative Ansätze wie digitale Gesundheitsapps, Online-Terminbuchungen und Videokonsultationen, die bis 2030 flächendeckend verfügbar sein sollen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Einführung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGa), die ab 2025 im Rahmen eines Pilotprojekts zur Verfügung stehen werden.
Die Gesundheitsapps, die speziell für Menschen mit chronischen Erkrankungen entwickelt werden, sollen den Ärzten helfen, den Gesundheitszustand ihrer Patienten besser zu überwachen. Datenschutz und medizinische Qualitätsstandards stehen dabei an oberster Stelle. Den Kassenärzten wird es ab 2025 vorgeschrieben, Diagnosecodierungen vorzunehmen. Die elektronische Gesundheitsakte ELGA wird ebenfalls ausgebaut, um den Zugriff auf Gesundheitsdaten zu verbessern, und die Gesundheitshotline 1450 soll zur ersten Anlaufstelle für Gesundheitsbeschwerden ausgebaut werden. All diese Maßnahmen zeigen, wie ernst es Bund, Ländern und Sozialversicherung mit der Digitalisierung des Gesundheitssystems ist.
Tirol übernimmt dabei eine Vorreiterrolle, insbesondere bei der telemedizinischen Versorgung. Die Integration von verschiedenen Fachdisziplinen und Gesundheitsberufen wird durch Projekte wie „Integrierte Versorgung Demenz“ gefördert. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Gesundheitsversorgung in Tirol und ganz Österreich weiterentwickeln wird.
