Am vergangenen Wochenende erlebte Innsbruck ein bewegendes Zeitzeuginnengespräch mit der niederländischen Holocaust-Überlebenden Rozette Kats. Rund 100 Zuhörer fanden sich im historischen Festsaal des Innsbrucker Landhauses ein, um der berührenden Geschichte von Kats zu lauschen. Die Veranstaltung war schnell ausgebucht, ein Zeichen dafür, wie wichtig das Thema für viele Menschen ist. Der Titel des Gesprächs, „Damals hieß ich Rita“, ist nicht nur eine Hommage an Kats‘ Kindheit im Versteck, sondern auch der Titel eines Kinderbuchs, das über ihr Leben erzählt.

Im Rahmen der Initiative „Tirol erinnert“ und der begleitenden Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ sprach Rozette Kats erstmals öffentlich in Österreich über die Erlebnisse ihrer frühen Jahre. 1942 in Amsterdam geboren, musste sie als Kleinkind untertauchen, um dem nationalsozialistischen Terror zu entkommen. Ein niederländisches Ehepaar nahm sie auf und gab ihr den Namen „Rita“. Tragischerweise wurden ihre Eltern und ihr kleiner Bruder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Diese tiefen Verlustgefühle und die Herausforderungen der Identitätsfindung prägten ihr weiteres Leben.

Einblicke in eine tragische Vergangenheit

Rozette Kats‘ Geschichte ist es wert, gehört zu werden. Seit den 1990er-Jahren spricht sie an Schulen in den Niederlanden und Deutschland über ihre Erfahrungen. Diese Form der Aufarbeitung ist für sie nicht nur eine persönliche Therapie, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur. Tatsächlich trat sie erst kürzlich am Internationalen Holocaust-Gedenktag im Deutschen Bundestag auf, was ihre Bestrebungen, das Gedächtnis an die Opfer des Holocausts zu bewahren, unterstreicht.

Die Veranstaltung in Innsbruck wurde nicht nur von der bewegenden Erzählung Kats‘ geprägt, sondern auch von der Fortbildung zur Vermittlung von Nationalsozialismus und Holocaust, die zuvor an der Pädagogischen Hochschule Tirol stattfand. Über 40 Pädagogen und Lehramtsstudierende nahmen daran teil, um ihre Kenntnisse zu vertiefen und die Inhalte im Unterricht besser vermitteln zu können.

Verborgene Geschichten ans Licht bringen

Die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“, die weiterhin im Landhaus Innsbruck zu sehen ist, beleuchtet das Schicksal von Leokadia Justman, die gezwungen war, ihre Identität zu verbergen, um zu überleben. Justmans Flucht nach Tirol mit gefälschten Papieren und Kats‘ Versteckleben bei einer Pflegefamilie zeigen die unterschiedlichen Wege, die Jüdinnen und Juden während des Holocausts gehen mussten, um dem sicheren Tod zu entkommen. Diese Ausstellung ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Land Tirol, der Universität Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol und weiteren Partnerorganisationen und ist von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 17 Uhr, zugänglich.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die nächste Veranstaltung im Rahmen von „Tirol erinnert“ findet am 28. Mai statt, wo ein Buch von Józef Wiśnicki, dem Ehemann von Leokadia Justman, präsentiert wird. Diese Initiativen sind nicht nur notwendig, um die Geschichten der Vergangenheit zu bewahren, sondern auch, um das Bewusstsein für die Gefahren von Intoleranz und Rassismus in der heutigen Zeit zu schärfen.