Am 30. Juni 2026 war ein denkwürdiger Tag für den Naturschutzbund Vorarlberg und die österreichische Umweltbewegung insgesamt. In Dornbirn übergab Hildegard Breiner nach über drei Jahrzehnten ihrer Amtszeit als Obfrau an Rainer Siegele, den ehemaligen Bürgermeister von Mäder. Breiner, die am 28. März 2021 ihren 85. Geburtstag feierte, ist seit fast fünf Jahrzehnten eine prägende Stimme im Bereich Natur- und Umweltschutz.

Die Jahreshauptversammlung war nicht nur ein Abschied, sondern auch eine Feier ihrer vielen Errungenschaften. Breiner wurde in diesem Rahmen mit dem Österreichischen Naturschutzpreis ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des Naturschutzbundes Österreich. Thomas Wrbka, der Präsident des Naturschutzbundes Österreich, überreichte ihr die Medaille, die die athenische Eule zeigt – ein Symbol für Weisheit und demokratisches Engagement.

Ein Leben für den Naturschutz

Breiner leitete den Naturschutzbund Vorarlberg von 1995 bis 2026 und war darüber hinaus aktiv im Präsidium des Naturschutzbundes Österreich. Besonders eng verband sie ihr Schicksal mit der österreichischen Anti-Atom-Bewegung. Gemeinsam mit ihrem Mann Franz Viktor engagierte sie sich 1978 gegen die Inbetriebnahme des umstrittenen Kernkraftwerks Zwentendorf. Ihr Einsatz war nicht umsonst: 85 Prozent der Vorarlberger stimmten gegen das Atomkraftwerk, was zur atomkraftfreien Haltung Österreichs maßgeblich beitrug. Für ihren internationalen Einsatz erhielt sie den Nuclear-Free Future Award, den sie in Jaipur entgegennahm.

Die SonnenSchein-Kampagne, die Breiner 1996 initiierte, hatte das Ziel, die Bevölkerung Vorarlbergs für Photovoltaik zu sensibilisieren. Innerhalb der ersten zwei Jahre entstanden in 30 der 96 Vorarlberger Gemeinden gemeinschaftliche Solarstromanlagen. Aus dieser Initiative gingen auch das SonnenSchein-Stipendium und die „40 Sonnenkindergärten in Vorarlberg“ hervor. Breiner hat es immer verstanden, junge Menschen für ihre Anliegen zu begeistern und sie zu ermutigen, aktiv zu werden.

Ein Blick in die Geschichte

Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Österreich, die 1972 mit dem Bau des Kernkraftwerks Zwentendorf ins Leben gerufen wurde, hat die gesellschaftliche Debatte um Energiegewinnung entscheidend geprägt. Das Kernkraftwerk, das nie in Betrieb genommen wurde, hätte 10 % des österreichischen Strombedarfs decken sollen. Doch nach einer Volksabstimmung im November 1978, die mit einer knappen Mehrheit gegen die Inbetriebnahme endete, wurde die Atomkraft in Österreich zum Tabuthema. Breiners Engagement war somit ein Teil einer viel größeren Bewegung, die nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern für einen Ausstieg aus der Kernenergie kämpfte.

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Der Widerstand gegen Atomkraftwerke, wie die bayerische Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf, fand auch in Österreich großen Anklang. Petitionen und Demonstrationen verstärkten den Druck auf die Politik, während der „Zaun des Anstoßes“ in Salzburg an die Gefahren der Atomkraft erinnerte. Breiners unermüdliche Arbeit gehört zu dieser bedeutenden Geschichte des Widerstands und der Hoffnung auf eine nachhaltige Zukunft.

Hildegard Breiner hat mit ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft für den Naturschutz nicht nur den Naturschutzbund Vorarlberg, sondern auch das Bewusstsein für Umweltfragen in Österreich maßgeblich geprägt. Ihre Nachfolger werden auf einem starken Fundament aufbauen müssen, das sie über drei Jahrzehnte hinweg gelegt hat.

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