GEMEINSAM.SICHER: Warum der direkte Kontakt zur Polizei Einsätze verhindern kann
Die Polizei-Aktion „Gemeinsam sicher“ machte in Scheiblingkirchen Station und wurde gut besucht. Viele Besucherinnen und Besucher kamen auch wegen zweier Beamter, die in der Bevölkerung längst bekannt sind: der Kommandantin Renate Vollnhofer und Harald Hohensinner von der Polizeiinspektion Grimmenstein.
Der persönliche Kontakt zählt dabei mehr, als man vielleicht denkt. Vollnhofer zufolge haben viele Menschen noch Hemmungen, die Polizei auch bei scheinbar weniger wichtigen Angelegenheiten zu kontaktieren. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht kann diese Schwelle senken – und manchmal ist genau das der erste Schritt, damit ein Problem nicht größer wird.
Im Notfall zählt der genaue Ort
Bei Unfällen oder akuten Angelegenheiten soll die Polizei unter 133 verständigt werden, erklärte Vollnhofer. Die Landesleitzentrale kann dadurch den genauen Einsatzort feststellen und die Information an die nächstgelegene Streife weitergeben. Das spart im entscheidenden Moment Zeit.
Hohensinner wurde kürzlich für sein 40-jähriges Dienstjubiläum ausgezeichnet. Dass die beiden Grimmensteiner Beamten bei der Veranstaltung viele bekannte Gesichter trafen, passte zum Gedanken hinter der Aktion: Polizei soll nicht nur dann auftauchen, wenn bereits etwas passiert ist.
„Gemeinsam sicher“ als Teil des Polizeialltags
Die Initiative GEMEINSAM.SICHER des österreichischen Innenministeriums besteht seit zehn Jahren und ist inzwischen ein fester Bestandteil der Polizeiarbeit. Im Rahmen der Initiative arbeitet die Polizei mit 45 Unternehmen und Organisationen zusammen. Zu den Sicherheitspartnern zählen unter anderem REWE, die Österreichische Nationalbank, der Österreichische Apothekerverband, die ÖBB und die Österreichische Post AG.
Im Mittelpunkt stehen der Austausch mit der Bevölkerung und stabile Netzwerke. Community Policing wird dabei als Grundhaltung beschrieben, nicht als zusätzliche Aufgabe, die irgendwo neben dem normalen Polizeialltag untergebracht werden muss. Durch den direkten Kontakt sollen Anliegen früh erkannt, Informationen ausgetauscht und verlässliche Netzwerke aufgebaut werden. Der Dialog soll Vertrauen stärken, Probleme nachhaltig lösen und wiederkehrende Polizeieinsätze reduzieren.
Zum zehnjährigen Bestehen fand am 10. September 2026 im Landesklinikum Mauer eine Fachtagung statt. Unter den Teilnehmern waren Innenminister Gerhard Karner, Bundespolizeidirektor Michael Takács und zahlreiche Sicherheitspartner. Christian Korbel, ärztlicher Direktor des Landesklinikums Mauer, sprach über die Zusammenarbeit von Gesundheitseinrichtungen, Gewaltschutz und Polizei.
Neue Partnerschaften und drei Säulen
Takács kündigte eine weitere Entwicklung von GEMEINSAM.SICHER, den Ausbau von Sicherheitspartnerschaften und die Stabilisierung der Netzwerke an. Bei der Fachtagung wurde außerdem das neue Magazin „Nenn mich nicht Projekt“ vorgestellt. Es beschreibt Community Policing als dritte feste Säule moderner Polizeiarbeit neben Repression und Prävention. Die drei Säulen sollen sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam im Polizeialltag eingesetzt werden.
Karner unterzeichnete zudem eine neue Sicherheitspartnerschaft mit der Österreichischen Rettungshundebrigade. Die direkte Vernetzung soll bei Such- und Rettungseinsätzen schnellere Informationswege und gezielteres Handeln ermöglichen. Die Rettungshundebrigade und die Polizei arbeiten bei solchen Einsätzen bereits seit Jahren zusammen.
Der Bericht des Innenministeriums über die Fachtagung wurde am 18. September 2026 veröffentlicht. In Scheiblingkirchen zeigte sich unterdessen die bodenständige Seite derselben Idee: miteinander reden, Gesichter kennen und im Ernstfall wissen, wen man anrufen kann.
Von Waidhofen an der Ybbs aus betrachtet, liegt Scheiblingkirchen nicht gleich ums Eck. Der Gedanke reist aber weiter: Sicherheit entsteht nicht erst beim Blaulicht, sondern oft schon beim kurzen Gespräch davor.
