In Puch bei Weiz wird einmal im Jahr kaum geredet, wenn es um die wichtigste Entscheidung der Apfelmänner geht. 18 Apfelbauern und Obstbrenner ziehen sich für drei Tage zur Brennklausur zurück. Sie tragen Kutten, haben eine schwarze und eine weiße Kugel sowie eine Laterne dabei und stimmen damit über die Dinge ab, die sonst wohl in langen Sitzungen ausdiskutiert würden.

Die Gemeinschaft kommt aus dem größten Obstanbaugebiet Österreichs. Entstanden ist sie 1998, als der Apfelanbau Ende der 1990er-Jahre in eine Krise geriet. Die Idee: eine regionale Marke schaffen und die Schnapsbrenner der Gegend zusammenbringen. Heute sind es 18 Mitglieder aus 14 Familien, zu Beginn waren es 23. Alle besitzen das alte Maria-Theresia-Brennrecht.

Ein Schnaps mit Geheimnis

Ihr gemeinsames Produkt heißt „Abakus“. Der Name beginnt mit „A“, passt also zum Apfel – und verweist zugleich auf das historische Rechenhilfsmittel mit seinen Kugeln. Die Apfelmänner haben ein zwölf Punkte umfassendes Regelwerk entwickelt, das sich an klösterlichen Traditionen orientiert. Kutten, Kugeln, Laterne und Klausur sind dabei kein Zufall, sondern ein bewusst geschaffenes Erscheinungsbild.

Für jeden neuen Jahrgang wählen die Mitglieder eine Apfelsorte aus. Welche es ist, bleibt geheim. Verwendet wurden schon Jonagold, Sissired, Maschanzker und alte Sorten wie Gravensteiner. Je nach Sorte liefern alle Mitglieder oder nur einzelne Familien die Äpfel. Die Pucher Bauern pflegen ihre Bäume mit großer Sorgfalt; Wissen, handwerkliches Können und sensorisches Gespür fließen in die Herstellung ein. Herstellung und Rezept folgen geheim gehaltenen Regeln.

Genau 1.444 Flaschen werden pro Jahrgang destilliert, höchstens ebenso viele dürfen es laut den Angaben sein. Die Zahl erinnert an 1444, das Jahr der Gründung der Pucher Kirche, die dem heiligen Oswald geweiht ist. Auf dem Etikett ist ein Rabe zu sehen – Oswald wird häufig mit ihm dargestellt.

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Gebrannt wird in einer gewerblichen Brennerei, damit der Schnaps verkauft werden darf. Während der Klausur ist die Brennerei verhüllt. Nicht einmal die Familien der Apfelmänner erfahren, welche Sorte gerade verarbeitet wird. Drei Tage lang dreht sich alles ums Brennen, ums gemeinsame Essen und abends ums Kartenspielen. Viel Geheimniskrämerei für Apfelsaft mit Alkohol? Ja, irgendwie schon. Aber genau das gehört dazu.

Lehmziegel, Holzfass und Kirchenmauer

Nach dem Brennen wird der fertige Abakus gesegnet, zum Haus des Apfels in Puch gebracht und dort ein Jahr gelagert. Er reift mindestens ein Jahr auf Lehmziegeln vom Kulm, dem Hausberg der Region, im kühlen Apfelhaus. Je nachdem, ob Glasballons oder Holzfässer verwendet werden, schmeckt der Jahrgang unterschiedlich.

Nach der Reife wird der Abakus in einer Zeremonie präsentiert und zum Verkauf freigegeben. Im November des Folgejahres kommen zur öffentlichen Präsentation und Verkostung jedes Jahr mehrere Hundert Besucherinnen und Besucher. Danach füllen die Apfelmänner die Flaschen ab. Jede einzelne wird laut Karl Schloffer von Hand geknüpft.

Einige Flaschen jedes Jahrgangs verschwinden allerdings nicht im Verkauf. Sie werden bei einer Zeremonie in die Mauer der Pucher Kirche eingemauert und sollen dort 100 Jahre bleiben. Eine Ausnahme gäbe es, sagt Karl Schloffer: wenn der Papst nach Puch kommt.

Neben dem Abakus entstehen der Apfelbrand „Abellio“ und der fassgelagerte Apfellikör „Bona Dea“. Die Namen erinnern an die lange Geschichte der Frucht in der Region: Die Kelten verehrten den Apfel und den Gott Abellio, die Römer bauten hier bereits Äpfel an. Auch der Kaiser soll die besonderen klimatischen Bedingungen und das Aroma der Pucher Äpfel gekannt haben.

Die Spirituosen werden nur in kleinen Mengen hergestellt und nicht über Supermärkte verkauft. Erhältlich sind sie direkt bei den Apfelmännern oder über deren Homepage. Ihr eigener Anspruch ist hoch: Neben dem Abakus des jeweiligen Jahrgangs soll kein besserer Apfelschnaps entstehen.

Streuobst bleibt Handarbeit

Wie viel Arbeit hinter alten Obstsorten und gepflegten Wiesen steckt, zeigt der Blick ins Südburgenland. Das Apfelkulinarium 2025 im Gemeindezentrum Burgauberg-Neudauberg und im gegenüberliegenden Streuobst-Kompetenzzentrum brachte rund 600 Schülerinnen mit Vorträgen und Verkostungen zum Thema Streuobstwiesen zusammen.

Die nächste Ausgabe findet vom 13. bis 25. Oktober 2026 in Burgauberg-Neudauberg statt. Geplant sind ein kostenloses Schulprogramm, Vorträge und Kurse, Kulinarik und ein Rahmenprogramm. Am 24. und 25. Oktober gibt es außerdem einen Markt mit Streuobstprodukten und Kunsthandwerk. Schulprogramm, Vorträge, Kurse und Vorbereitungsarbeiten werden über das LEADER-Projekt „Apfelreich – Grenzenlos“ gefördert.

Zum Projekt gehören burgenländische und steirische Gemeinden: Stinatz, Hackerberg, Wörterberg, Stegersbach, Ollersdorf, Burgauberg-Neudauberg, Deutsch Kaltenbrunn, Burgau und Neudau. Drei Schwerpunkte stehen im Mittelpunkt: Streuobstbestände werden kartiert und Besitzerinnen zu Bestand und Pflegebedarf befragt, daraus sollen Pflegekonzepte entstehen. Pflegekurse, Vorträge, Schulbesuche und Beratungen sollen Wissen weitergeben. Sortengärten und Themenwege sollen schließlich touristische Angebote schaffen.

Für Herbst wurden gemeinsam mit den Baumschulen Schiller in Wolfau und Scharl in Haag bei Bad Gleichenberg Sammelbestellungen für klassische und seltene Obstsorten organisiert. Eine mobile Saftpresse verarbeitet im gesamten Burgenland Äpfel, Birnen und Quitten direkt vor Ort zu haltbarem Saft. Trauben dürfen dabei mit einem Anteil von maximal 30 Prozent zu Mischsäften verarbeitet werden.

Vom Obstbaumschnitt bis zum Edelbrand

Im Streuobst-Kompetenzzentrum in Burgauberg, Höhenstraße 4, stehen eine Seminarküche und Verarbeitungsräume zur Verfügung. Angeboten werden Kurse zum Obstbaumschnitt, Kochkurse, Kräuterwanderungen und Vorträge. Für die Verarbeitung eigener Ernten können ein Kolonnenbrennkessel, ein Dörrschrank und eine Essigmaschine genutzt werden; verrechnet wird dafür nur der Stromverbrauch. Das Veranstaltungsprogramm wird laufend online aktualisiert, Kurse können online gebucht werden.

Das Zentrum hat seine Arbeit aufgenommen, befasst sich mit aktuellen Herausforderungen im Streuobstbau, bietet Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene und fördert den Austausch zu Streuobstthemen. Es gibt Räume für Dörrobst, Essig und Edelbrände sowie eine Leseecke mit aktueller Fachliteratur. Die Eröffnungsfeier fand am 4. April statt. Homepage und Kursangebote werden laufend aktualisiert, Anmeldungen sind online möglich. Die Bauarbeiten wurden über ein LEADER-Projekt von Bund und EU gefördert, Konzeption und Programmplanung unterstützten das Land Burgenland und die EU.

Abgeschlossen ist auch das Projekt „Rekultivierung verbrachter Streuobstwiesen im Südburgenland“ des Vereins Wieseninitiative. Mit Förderung von Land, Bund und EU wurden 14 verwilderte Obstgärten erstgepflegt, unter anderem in Pinkafeld, Bad Tatzmannsdorf, Stinatz, Burgauberg-Neudauberg, Bocksdorf, Ollersdorf, Steingraben, St. Michael, Deutsch Kaltenbrunn, Rudersdorf Bergen, Rax Bergen, Krobotek und Oberdrosen.

5,45 Hektar Streuobstwiesen wurden rekultiviert, 288 Bäume geschnitten und von Misteln befreit. Holz wurde abtransportiert, stark verbrachte Flächen wurden gehäckselt. Auf allen Flächen gelang es, sie wieder bewirtschaftbar zu machen. Zertifizierte Obstbaumwarte und Treeworker führten die Arbeiten durch. Die alten, artenreichen Bestände bleiben damit nicht nur hübsch anzusehen – sie leisten auch einen Beitrag zur regionalen Biodiversität.

Eine Tagung widmete sich außerdem den „Streuobstwiesen in Zeiten des Klimawandels“. Mehrere Vorträge behandelten mögliche Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen und die künftige Zusammenarbeit; die Beiträge stehen zum Nachlesen zur Verfügung.

Mitglieder des Vereins Wieseninitiative sollen Vereinsnachrichten künftig möglichst per E-Mail statt per Post erhalten und dafür ihre E-Mail-Adresse übermitteln. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 12 Euro für Einzelmitglieder und 40 Euro für Gemeinden. Bei der Einzahlung sollen Name, Adresse und möglichst auch die E-Mail-Adresse angegeben werden. Die Bankverbindung lautet IBAN AT34 3302 7000 0004 6425, BIC RLBBAT2E027.