Ein neuer Vorstoß zur rechtlichen Absicherung gleichgeschlechtlicher Paare sorgt in Paraguay für Aufmerksamkeit. Abgeordneter Jatar Fernández schlug vor, einen Lebenspartnerschaftsvertrag zu ermöglichen, ohne dafür die Ehe heranziehen zu müssen. Zwei Menschen desselben Geschlechts sollen sich damit lebenslange gegenseitige Unterstützung zusichern können.

Fernández brachte den Vorschlag am vergangenen Freitag mündlich in der ordentlichen Sitzung der Abgeordnetenkammer ein. Sein Beitrag kam zu Beginn der Beratung über einen Gesetzentwurf zum Notstand im Chaco, nachdem intensive Regenfälle die Region belastet hatten. Sitzungsleiter Hugo Meza erklärte, Fernández’ Haltung werde respektiert, die Tagesordnung sei allerdings bereits in Bearbeitung. Der Vorschlag wurde deshalb zunächst zurückgestellt.

Absicherung nach vielen gemeinsamen Jahren

Fernández verwies auf Menschen, die ihre Partner über Jahrzehnte begleiten, rechtlich aber ohne Anerkennung dastehen. Ziel sei unter anderem, jene Person abzusichern, die beispielsweise 20 Jahre lang an der Seite ihres Partners gelebt und ihn unterstützt hat. Ein Vertrag könnte dafür eine Grundlage schaffen – ohne eine Eheschließung vorauszusetzen.

Der Vorstoß kommt in einem Land, in dem gleichgeschlechtliche Paare staatlich nicht anerkannt werden. Weder gleichgeschlechtliche Ehen noch eingetragene Partnerschaften sind gesetzlich zugelassen. Die Verfassung von 1992 garantiert in den Artikeln 50 und 51 zwar das Recht auf Familiengründung durch Ehe oder Partnerschaft; dies wird jedoch als auf heterosexuelle Paare beschränkt beschrieben.

Paraguay bleibt bei Reformen zurückhaltend

Homosexualität ist in Paraguay gesellschaftlich und verfassungsrechtlich tabuisiert. Politik und katholische Kirche beeinflussen die Haltung des Landes gegenüber Reformen. Im Vergleich zu Argentinien und Brasilien gibt es keine vergleichbare liberale Gesetzgebung zur Gleichberechtigung homosexueller Menschen.

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Homosexuelle Handlungen sind seit 1880 legal. Beim Schutzalter gelten allerdings unterschiedliche Regelungen: 17 Jahre für homosexuelle Handlungen, 14 Jahre für eheliche heterosexuelle Handlungen und 16 Jahre für außereheliche heterosexuelle Handlungen gemäß § 137. Ein Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz der sexuellen Orientierung existiert nicht. Seit 2009 dürfen homosexuelle Menschen Militärdienst leisten.

Nach der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Argentinien kündigte die LGBT-Organisation SOMOSGAY im Juli 2010 an, dem Parlament einen Gesetzentwurf zur Eheöffnung vorzulegen. Die römisch-katholische Kirche, der mehr als 80 Prozent der Bevölkerung angehören, kündigte umgehend Widerstand gegen ein solches Gesetz an. In der Hauptstadt Asunción lebt eine kleine LGBT-Community.

Rechtliche Lücke in schwierigem Umfeld

Paraguay wird als zweitärmstes Land Südamerikas nach Bolivien beschrieben. Zur Menschenrechtslage werden unter anderem Tötungen durch Polizei und Regierungsbeamte ohne anschließende Ermittlungen, Misshandlungen in überfüllten Gefängnissen, Korruption und politische Einflussnahme in Regierung und Behörden sowie die Ineffizienz der Justiz berichtet.

Hinzu kommen Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel, die Ausbeutung von Kinderarbeit und Verletzungen von Arbeitnehmerrechten. Diskriminierung von Frauen, Menschen mit Behinderungen, indigenen Personen sowie homosexuellen und transgender Menschen gilt weiterhin als schwerwiegendes Problem. In diesem Umfeld würde selbst ein begrenzter Lebenspartnerschaftsvertrag eine rechtliche Lücke schließen – vorerst bleibt Fernández’ Vorschlag jedoch vertagt.

Quelle: Wochenblatt, veröffentlicht am 2. November 2026.
Kontext: Wikipedia – Homosexualität in Paraguay.