Wien investiert zwei Millionen Euro in die ME/CFS-Forschung: Ein Hoffnungsschimmer für Betroffene
Heute ist der 14.10.2026 und in Wien-Floridsdorf gibt es aufregende Neuigkeiten in der Welt der Medizin! Die Stadt Wien hat sich entschlossen, zwei Millionen Euro in die ME/CFS-Forschung zu investieren. Diese Gelder fließen in zwei bedeutende Forschungsprojekte an der MedUni Wien. Es handelt sich dabei um die größten Einzelförderungen, die Österreich bislang für die Erforschung des Myalgischen Enzephalomyelitis/Chronischen Fatigue-Syndroms (ME/CFS) bereitgestellt hat.
Die Finanzierung erfolgt über Consolidation Grants, die jeweils mit rund 1 Million Euro dotiert sind, bereitgestellt durch den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) sowie die WE&ME Stiftung. Die Forschungsprojekte starten mit dem Ziel, die Krankheitsmechanismen von ME/CFS besser zu verstehen und die Diagnostik zu verbessern. Diese Initiative ist besonders wichtig, da schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Menschen in Österreich betroffen sind, und bisher wenig Forschung zu diesem Thema betrieben wurde.
Details zu den Forschungsprojekten
Die beiden Projekte haben jeweils eine Laufzeit von 36 Monaten. Das erste, ME-RESET, wird von Lukas Haider, Martin Krššák und Katharina Kollndorfer geleitet. Hier wird die Sauerstoffmangel-Energieversorgung im Gehirn und in der Muskulatur von ME/CFS-Patienten untersucht. Erste Ergebnisse zeigen, dass diese Patienten einen kontrollierten Sauerstoffmangel schlechter ausgleichen können. Das Forschungsteam vermutet, dass die Ursachen in der Durchblutung oder den Mitochondrien liegen könnten.
Das zweite Projekt, das von Matthias Wielscher und Kathryn Hoffmann geleitet wird, hat den Fokus auf genetische Ursachen. Hier sollen unerkannte seltene genetische Erkrankungen bei ME/CFS-Patienten aufgedeckt werden. Ziel ist es, die Diagnose zu verbessern, indem genetische Informationen von Betroffenen analysiert werden. Beide Projekte sind vielversprechend und könnten neue Ansätze für die Behandlung und das Verständnis dieser komplexen Erkrankung bieten.
Neues PAIS-Zentrum in Floridsdorf
Apropos Behandlung: Ein weiteres spannendes Projekt steht in den Startlöchern. Ab Sommer 2027 wird ein PAIS-Zentrum im Diabeteszentrum Donaufeld eröffnet, das den Betroffenen von ME/CFS und Post-COVID eine zentrale Anlaufstelle bieten soll. Die Errichtungskosten des Zentrums belaufen sich auf 6,7 Millionen Euro, während die jährlichen Betriebskosten auf etwa 3,8 Millionen Euro geschätzt werden. Geplant sind rund 20 Vollzeitstellen in Medizin, Therapie und psychosozialer Betreuung.
Die Ambulanz wird als Terminambulanz für mittelschwere bis schwere Krankheitsfälle konzipiert. Um aufgenommen zu werden, benötigt man eine gesicherte Diagnose sowie eine Überweisung durch einen Haus- oder Facharzt. Relevante Kriterien sind anhaltende Beschwerden über 12 Wochen nach immunologischen Ereignissen, Einschränkungen im Alltag und multisystemische Symptome. Termine werden nach Dringlichkeit vergeben und es gibt separate Kojensysteme für schwerstbetroffene Patienten. Ein innovativer Aspekt ist der Einsatz von Telemedizin, der den Betroffenen zugutekommen wird.
Die Herausforderung ME/CFS
ME/CFS ist eine neuroimmunologische Multisystemerkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränkt. Viele leiden unter einer erheblichen Leistungsfähigkeitseinschränkung und schwerer körperlicher sowie geistiger Fatigue, die mindestens sechs Monate andauert. Diese Erkrankung kann zu Behinderung und Pflegebedürftigkeit führen. Es ist besonders beunruhigend, dass schätzungsweise 1-10% der COVID-19-Patienten ebenfalls ME/CFS entwickeln können. In Österreich könnten bis zu 64.000 Menschen mit Post-COVID-19-Syndrom zusätzlich zu den bestehenden 25.000 ME/CFS-Patienten betroffen sein.
Die Symptome sind vielfältig und reichen von systemischer Belastungsintoleranz bis hin zu Schlafstörungen und chronischen Schmerzen. Es gibt keine allgemein verfügbare Therapie, die die Ursachen von ME/CFS angeht. Stattdessen sind individuelle symptomlindernde Therapien notwendig. Das CDC empfiehlt sogar, keine Therapien basierend auf physischen Aktivitäten anzuwenden, da diese den Zustand der Betroffenen verschlechtern können.
Insgesamt zeigt sich, dass Wien mit diesen Förderungen und dem neuen Zentrum einen bedeutenden Schritt in Richtung besserer Diagnostik und Behandlung von ME/CFS geht. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Forschungsprojekte nicht nur zur Aufklärung der Erkrankung beitragen, sondern auch den Betroffenen eine Perspektive bieten können. Die Präsentation der Förderungen und Ambulanzpläne durch Bürgermeister Michael Ludwig, WWTF-Präsident Michael Häupl und den Vorstand der WE&ME Stiftung, Gerhard Ströck, zeugt von einem starkem Engagement für die Verbesserung der Situation von ME/CFS-Patienten.
