In Liesing, einem ruhigen Bezirk Wiens, gibt es derzeit viel Aufregung. Der Grund? Eine neue Glocke an der Badner-Bahn-Station „Neu Erlaa“, die nicht nur für die Fahrgäste läutet, sondern auch den Anrainern den Schlaf raubt. Ivana G. ist eine der Betroffenen und hat das Gefühl, dass die Glocke das Leben in der Nachbarschaft gehörig stört. Sie läutet bis zu 250 Mal täglich – das ist, gelinde gesagt, eine Menge. Vor allem nachts und am Wochenende. Und das ist nicht nur ein kleines Geräusch, denn Anrainer haben Lärmpegel von bis zu 82 Dezibel gemessen. Das ist fast so laut wie ein Presslufthammer!

Ivana hat sich nicht einfach nur beschwert, sondern gleich eine Petition ins Leben gerufen, die bereits von 37 Nachbarn unterschrieben wurde. Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Menschen sich zusammengetan haben, um gegen den Lärm zu protestieren. Die Auflage zur Installation dieser Glocke stammt von der Eisenbahnbehörde MA 64, die damit die Sicherheit der Fahrgäste erhöhen wollte. Komisch, dass niemand – so die Meinung von Margit E., einer anderen Anrainerin – je einen Unfall an der Kreuzung Triester Straße/Schimekgasse erlebt hat. Das wirft Fragen auf.

Politische Reaktionen und Forderungen

Bezirksvorsteher Gerald Bischof von der SPÖ ist über die plötzliche Installation der Glocke alles andere als erfreut. Er war nicht informiert und fragt sich, warum die Wiener Lokalbahnen die Maßnahme so schnell umgesetzt haben, obwohl im Bescheid der MA 64 eine Frist von fünf Jahren vorgesehen ist. Bischof hat auch gleich eine Sofortmaßnahme gefordert – eventuell das Abstellen der Glocke. Das sorgt für Gesprächsstoff in der Nachbarschaft. Unterstützung bekommt er von der ÖVP Liesing, vertreten durch Bezirksrat Markus Fiala, der sich ebenfalls für die Anrainer stark macht.

Die Wiener Lokalbahnen hingegen betonen, dass die Glocke gemäß den Vorgaben der MA 64 installiert wurde und dass eine leisere Variante nicht möglich sei. Sie stehen in Kontakt mit der MA 64, um die Beschwerden zu bearbeiten. Ein Sachverständiger soll die Situation prüfen – doch wie lange das dauern wird, bleibt unklar. Es sieht so aus, als ob die Anrainer noch einige Zeit mit dem Lärm leben müssen, während sie auf eine Lösung warten.

Lärmkarten und die EU-Vorgaben

In Deutschland gibt es für solche Lärmproblematiken umfangreiche Lärm- und Betroffenheitskarten, die vom Eisenbahn-Bundesamt zur Verfügung gestellt werden. Diese Karten decken die gesamte Lärmsituation in Ballungsräumen ab und sind sowohl für Haupteisenbahnstrecken als auch für andere Schallquellen relevant. Die Daten sind im PDF-Format DIN A0 verfügbar und sollen der Öffentlichkeit ein objektives Bild der Lärmbelastung geben. Es ist klar, dass viele Menschen von hohen Lärmbelastungen betroffen sind, was auch in Wien nicht anders ist.

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Die EU-Umgebungslärmrichtlinie schreibt vor, dass Mitgliedstaaten die Lärmbelastung der Bevölkerung ermitteln müssen. Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Lärmbelastung in Europa zu schaffen. In Österreich wird die Kartierung von Umgebungslärm durch das Eisenbahn-Bundesamt geregelt, und die Lärmkarten müssen regelmäßig aktualisiert werden. Das betrifft insbesondere Ballungsräume mit über 100.000 Einwohnern, wie es in Wien der Fall ist. Die Öffentlichkeit hat das Recht, über die Ergebnisse der Lärmkarten informiert zu werden – in einer verständlichen und zugänglichen Form.

Die Situation rund um die Glocke an der Badner-Bahn-Station „Neu Erlaa“ ist also nur ein kleiner Teil eines größeren Lärmproblems, das in vielen Städten und Regionen zu finden ist. Ob und wie schnell eine Lösung für die Anrainer in Liesing gefunden wird, bleibt abzuwarten. Eins steht fest: Das Thema Lärm wird uns noch länger beschäftigen.