Heute ist der 23.09.2026 und im Dingelstedpark im 15. Bezirk von Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus zeigen sich alarmierende Zustände. Anwohner:innen berichten von einer zunehmenden Verwahrlosung des Parks. Überall liegen Bierdosen, Plastikverpackungen und sogar Einwegspritzen herum. Was da in den Gebüschen versteckt ist, lässt einen teilweise schaudern – darunter eine Isomatte und liegengelassene Kleidung. Es ist kein schöner Anblick, und die Sorgen der Anwohner sind mehr als verständlich.

Claudia Fasching, Samantha Tobisch und Michael Pavlicek erzählen erschreckende Geschichten von einer sich verschärfenden Drogenszene im Park. Immer wieder sind Patienten des nahegelegenen Suchthilfezentrums Jedmayer anzutreffen. Diese sorgen nicht nur für Lärm, sondern konsumieren auch offen Drogen. Es ist eine bedrückende Situation, die auch durch Bilder belegt wird, die Menschen beim Drogenkonsum zeigen. Die Anwohner sind frustriert; Einbrüche in Häuser, Keller und Müllräume häufen sich. Drogenkonsumenten suchen sich immer wieder neue Nischen, um ihren Ansprüchen nachzugehen. Einige Nachbarn haben bereits das Weite gesucht, während andere auf Stahltore zu ihren Innenhöfen setzen, um sich zu schützen.

Verlagerung der Probleme und Forderungen nach Lösungen

Die Anwohner vermuten, dass die Schutzzonen am Westbahnhof und beim Jedmayer, die seit dem 8. Mai in Kraft sind, die Drogenszene in den Dingelstedpark verlagert haben. Die Beschwerden an die Bezirksvorstehung sind bereits eingegangen, und eine Petition ist in Planung, um das Problem ins Licht zu rücken. Jessica, eine Anwohnerin in der Sechshauser Straße, hat ähnliche Erfahrungen gemacht – Dreck und Spritzen sind auch in ihrem Innenhof an der Tagesordnung. Die Bezirksvorstehung unter Leitung von Dietmar Baurecht (SPÖ) ist über die Situation informiert und leitet die Beschwerden an die Polizei und das Suchthilfezentrum weiter. Baurecht erkennt das Problem, sieht die Schutzzonen jedoch als temporär an.

Ein Vorschlag von Baurecht könnte vielleicht helfen: Er denkt darüber nach, die Polizei vorübergehend aufzustocken, um die Straßenkriminalität in den Griff zu bekommen – ähnlich wie bei der Jugendkriminalität. Aber ob das allein ausreicht? Anwohner wie Claudia Fasching sind skeptisch. Der Einsatz von mehr Polizei ist eine Sache, aber die wahren Ursachen der Drogenszene bleiben damit nicht gelöst. Veränderungen sind dringend notwendig.

Ein Blick über die Grenzen: Die Drogenszene in Deutschland

Was in Wien geschieht, ist kein Einzelfall. Auch in vielen deutschen Städten wie Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg sind offene Drogenszenen zunehmend sichtbar. Laut dem REITOX-Jahresbericht 2024 nimmt die Zahl der Konsumenten illegaler Drogen kontinuierlich zu. Die Situation in urbanen Zentren wird durch den geschlossenen Raum in Innenstädten noch verschärft, was den Drogenkranken weniger Platz lässt. Crack-Konsum hat in Deutschland zugenommen; die Droge ist günstig und schnell verfügbar. Die Folgen sind verheerend – Psychosen, Depressionen und körperlicher Verfall sind nur einige der typischen Symptome, die Konsumenten zu kämpfen haben.

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In Deutschland gibt es zwar einen wachsenden Aufruf nach Substitutionstherapien, doch für Crackabhängige fehlt es bisher an entsprechenden Angeboten. Der internationale Drogenhandel verlagert sich zudem immer mehr nach Europa, da der Markt in Nordamerika gesättigt ist. Ein besorgniserregender Trend, der auch für Wien nicht ohne Bedeutung ist. Der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit empfiehlt mehr Drogenkonsumräume und niedrigschwellige psychosoziale Betreuung, um den Betroffenen adäquat helfen zu können.

Erfahrungen aus Drogenkonsumräumen in Deutschland

Eine umfassende Erhebung zur Nutzung von Drogenkonsumräumen in Deutschland zeigt beeindruckende Ergebnisse. Im Jahr 2023 wurden über 650 Drogennotfälle ohne tödliche Ausgänge bewältigt. Das ist ein Lichtblick! Über 650.000 Konsumvorgänge wurden in diesen Räumen verzeichnet, was zeigt, dass sie eine wichtige Anlaufstelle sind. Die Ausgabe von rund einer Million sterilen Spritzen und Nadeln zur Verhinderung von HIV und Hepatitis ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Doch die Herausforderungen sind groß. Im Jahr 2023 gab es 2.277 drogenbedingte Todesfälle, mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Der Anstieg der HIV-Neuinfektionen bei Drogenkonsumenten ist alarmierend. Es bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse aus den Drogenkonsumräumen dazu beitragen, die Situation zu verbessern. In 8 von 16 Bundesländern existieren bereits solche Räume, aber es gibt noch viel zu tun!

Die Lage im Dingelstedpark ist ein Spiegelbild größerer gesellschaftlicher Probleme. Ob die Anwohner von Rudolfsheim-Fünfhaus auf eine baldige Besserung hoffen können, bleibt fraglich. Die Forderung nach mehr Unterstützung, sowohl von der Stadt als auch von der Gesellschaft, ist nicht nur berechtigt, sondern dringend notwendig.