Herma-Nothelfer-Hof in Wien-Wieden erinnert an Widerstandskämpferin und Bezirkspolitikerin
In der Margaretenstraße 31 in Wien-Wieden trägt eine Wohnhausanlage seit 2024 den Namen „Herma-Nothelfer-Hof“. Die Stadt Wien erinnert damit an eine Frau, die sich für politisch Verfolgte einsetzte und jahrzehntelang in der Bezirkspolitik arbeitete.
Herma Nothelfer wurde am 24. Mai 1911 in Wien geboren. Ihr vollständiger Name lautete Herma (Hermine Emilie) Nothelfer. Sie war Gewerkschaftsangestellte, Bibliothekarin und Kommunalpolitikerin – und politisch schon früh aktiv.
Vom Bücherregal in den Widerstand
Ab 1926 betreute Nothelfer neben dem Besuch der Handelsschule die Arbeiterbücherei der SDAP Wieden. Zugleich war sie von 1926 bis 1928 stellvertretende Obfrau der Sozialistischen Arbeiterjugend im 4. Bezirk. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete sie ab 1928 bei der Gewerkschaft der Land- und Forstarbeiter, und zwar bis zum 12. Februar 1934.
Nach den Februarkämpfen 1934 sowie dem Verbot der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften verlor sie ihre Stelle. Politisch verstummte sie deshalb nicht: Während der Illegalität blieb sie aktiv und unterstützte im Untergrund die Sozialistische Arbeiterhilfe, die Spenden für Angehörige politisch Verfolgter sammelte. Während der NS-Diktatur engagierte sie sich im antifaschistischen Widerstand.
Ende April 1945 fand sie das Parteiheim in der Wiedner Hauptstraße 60b als Schutt- und Trümmerhaufen vor, verursacht durch die Hitlerjugend. Gemeinsam mit weiteren Parteimitgliedern richtete sie das Sekretariat wieder ein. In den ersten Nachkriegsmonaten halfen zahlreiche arbeitslose Parteimitglieder freiwillig mit. Im Mai 1945 nahm Nothelfer ihre politische Arbeit als Bezirkssekretärin der SPÖ Wieden wieder auf.
Jahrzehnte in der Wiedner Bezirkspolitik
Nach den ersten Wahlen war Herma Nothelfer bis 1973 Bezirksrätin. 1966 wurde sie zur ersten Bezirksvorsteher-Stellvertreterin des 4. Bezirks gewählt. Von 1966 bis 1973 übte sie dieses Amt aus. Zwischen 1969 und 1973 war sie die einzige Frau unter allen Wiener Bezirksvorstehern und deren Stellvertretern. 1973 schied sie aus der Bezirkspolitik aus.
Herma Nothelfer starb am 17. Juni 1997 im Alter von 86 Jahren in Wien. In einer Biografiequelle wird als Sterbedatum der 24. Juni 1997 genannt; als Geburtsort ist auch dort Wien angegeben. Ihre Lebensstationen sind unter anderem in Ilse Korotins biografiA. Lexikon österreichischer Frauen, Band 2, Wien u. a. 2016, Seite 2401, dokumentiert.
Ein Gemeindebau mit Geschichte
Der Gemeindebau an der Ecke Margaretenstraße und Waaggasse entstand zwischen 1970 und 1972 nach Plänen des Architekten Gustav Hoppe. Das sechsstöckige Haus umfasst 18 Wohnungen und ist auch als „Zum Frauenbilderl“ bekannt. Der Name geht auf ein früheres Hauszeichen zurück – ein kleines Stück Hausgeschichte, das im Viertel offenbar hängen geblieben ist.
Im September wurde die Wohnhausanlage umfassend saniert. Neue Dämmung, neue Fenster, ein erneuertes Dach und modernisierte Haustechnik gehören dazu. Die Heizlast sank dadurch um 76 Prozent. Auch das historische Fassadenmosaik wurde restauriert und wieder angebracht.
Der „Herma-Nothelfer-Hof“ steht damit an jener Adresse, die nun offiziell Margaretenstraße 31, 1040 Wien, heißt – mitten in Wieden, zwischen Erinnerung, renovierter Fassade und dem ganz normalen Alltag eines Gemeindebaus.
Quelle 1: heute.at
Quelle 2: GeschichteWiki Wien
Quelle 3: biografia.at
