In den letzten Jahren hat sich die Diskussion um Integration und kulturelle Teilhabe in Österreich immer mehr zugespitzt. Besonders im Bildungsbereich gibt es brennende Themen, die dringend angepackt werden müssen. Eine der lautesten Stimmen in diesem Kontext ist Susanne Wiesinger, eine erfahrene Lehrerin, die seit 40 Jahren Kinder in Wien Favoriten unterrichtet. Ihre Volksschule ist ein Schmelztiegel der Kulturen, denn hier gehen ausschließlich Kinder mit Migrationshintergrund zur Schule. Wiesinger sieht die kulturelle Vermischung als Schlüssel zur Integration und kritisiert vehement die Entstehung von Parallelwelten im österreichischen Bildungssystem. Sie fordert nicht nur kurzfristige Lösungen, sondern nachhaltige Reformen, um den Herausforderungen gerecht zu werden.

„Integration ist kein einmaliger Prozess, sondern ein fortwährender Weg“, sagt sie und macht damit deutlich, wie wichtig ein langfristiger Ansatz ist. In ihrem Buch „Gebt unseren Kindern eine Chance“ thematisiert sie die Missstände und den Reformbedarf im Bildungssystem. Auch im Podcast spricht sie über ihren Alltag, wo sie immer wieder auf die gleichen Probleme stößt. Wiesinger war zudem Personalvertreterin in der Gewerkschaft und hat 2018 das Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ veröffentlicht. Ihre Expertise wurde auch im Bildungsministerium anerkannt, wo sie 2019 zur Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte berufen wurde. In der „Kronen Zeitung“ veröffentlicht sie wöchentlich eine Kolumne mit dem Titel „Harte Schule“, in der sie ihre Erfahrungen und Gedanken teilt.

Kulturelle Teilhabe und Integration

Eine aktuelle Studie zur kulturellen Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich, durchgeführt von FORESIGHT im Auftrag des BMWKMS, zeigt, dass die kulturelle Teilnahme von Migranten bei 85 Prozent liegt. Diese Zahl ist fast identisch mit der der Gesamtbevölkerung. Vizekanzler und Kunst- und Kulturminister Andreas Babler hebt die integrative Wirkung von Kunst und Kultur hervor und betont, dass kulturelle Angebote eine Schlüsselrolle im Integrationsprozess spielen. Nur 15 Prozent der Befragten nutzen keine kulturellen Angebote – ein Wert, der unter dem der Grundlagenstudie von 2023 liegt. Das zeigt, dass kulturelle Teilhabe nicht nur möglich, sondern auch gewünscht ist.

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass Menschen mit Migrationshintergrund kein grundlegend anderes Kulturverhalten aufweisen. Sie besuchen ein breites Spektrum kultureller Veranstaltungen und sind stolz auf die Kunst und Kultur in Österreich. Hauptgründe für den Besuch von Kulturveranstaltungen sind Freude, Unterhaltung und das Kennenlernen neuer Perspektiven. Dabei stehen kulturelle Angebote aus dem Herkunftsland nicht in Konkurrenz zu österreichischen, sondern werden oft parallel genutzt. Es ist also eine Bereicherung auf beiden Seiten.

Die Rolle der Schulen und niederschwellige Angebote

Die Studie hebt hervor, wie wichtig Schulen bei der Vermittlung von Kunst und Kultur sind, besonders wenn die Elternhauskultur nicht ausreichend vorhanden ist. Niederschwellige Angebote, wie der Gratiseintritt für Kinder und Jugendliche in Bundesmuseen, werden als wichtige Integrationsbeiträge angesehen. Das Kunsthistorische Museum in Wien ist da ein gutes Beispiel. Laut Babler sind auch in Zeiten knapper Budgets solche Angebote unerlässlich, um alle Generationen und Kulturen zusammenzubringen. Wichtige Ansatzpunkte zur Stärkung der kulturellen Teilhabe sind verständliche Informationen und leistbare Eintrittspreise, die gerade jüngere Menschen und Personen mit geringeren Deutschkenntnissen besser erreichen.

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Die Ergebnisse dieser Studien und das Engagement von Persönlichkeiten wie Wiesinger zeigen, dass die kulturelle Integration in Österreich ein vielschichtiger Prozess ist, der alle betrifft. Es ist an der Zeit, die Stimmen derjenigen zu hören, die tagtäglich in den Klassenzimmern arbeiten und die Herausforderungen hautnah erleben. Wiesingers Appell, langfristige Lösungen für die Probleme im Bildungssystem zu finden, ist aktueller denn je. Wenn wir es schaffen, die kulturelle Teilhabe weiter zu fördern und echte Integration zu leben, kann Österreich ein noch bunterer und lebenswerterer Ort für alle werden.