König Ubu: Ein groteskes Theaterabenteuer zwischen Macht und Absurdität
Am 16. Oktober 2026 feierte das Wiener Burgtheater eine Premiere, die für Gesprächsstoff sorgt. Alfred Jarrys „König Ubu“ wurde unter der Regie von Stefan Bachmann inszeniert. Mit einer frischen und zugleich grotesken Interpretation erweckt Bachmann das Stück, das ursprünglich 1896 in Paris uraufgeführt wurde, zu neuem Leben. Es gilt als scharfsinnige Satire über Machtgier und Tyrannei, ein Thema, das auch heute noch aktuell ist.
Die Inszenierung hebt sich gleich zu Beginn durch ein ungewöhnliches Bild hervor: Eine Kuh auf vier Menschenbeinen zieht durch den Zuschauerraum. Diese eigenwillige Eröffnung bereitet das Publikum auf das Absurde vor, das folgen wird. Stefanie Reinsperger, die kurzfristig für den erkrankten Joachim Meyerhoff einspringen musste, brilliert in der Rolle des Vater Ubu. Sebastian Wendelin, der die Rolle der Mutter Ubu übernimmt, ergänzt ihr Spiel, indem sie beide mit tierischen Verkleidungen auftreten und das Machtspiel im Königreich Polen auf eine körperkomische Art und Weise inszenieren.
Ein interaktives Theatererlebnis
Das Publikum wird aktiv in die Aufführung einbezogen, was für einige Überraschungen sorgt. So wird der Mord an Polens König durch einen Gehilfen aus den Reihen der Zuschauer inszeniert – ein mutiger Schachzug, der die Grenze zwischen Schauspiel und Realität verschwimmen lässt. Reinsperger und Wendelin zeigen bemerkenswerte körperliche Fähigkeiten und interagieren mit dem Publikum, was die Atmosphäre lebendig und dynamisch gestaltet. Immer wieder wird das Geschehen von slapstickartigen Szenen und musikalischen Einlagen durchzogen, die die groteske Natur der Figuren unterstreichen.
Ein Highlight der Inszenierung ist der Auftritt von Martin Schwab, der in einem Ganzkörpernacktanzug das Gewissen verkörpert und für Demokratie plädiert. Mit seinen Auftritten bringt er einen weiteren absurden Twist in das Geschehen, während die Inszenierung immer skurriler wird – kostümliche Wechsel und unerwartete Situationen sind an der Tagesordnung.
Die Entwicklung der Ubu-Geschichte
Die Inszenierung umfasst nicht nur „König Ubu“, sondern auch die weniger bekannten Nachfolger „Ubu Hahnrei“ und „Ubu in Ketten“. Letzteres zeigt Ubu und seine Frau, die in Frankreich als Sklaven leben wollen, und erneut in die Rolle des Anführers schlüpfen. Hier wird die Sehnsucht nach starker Führung thematisiert, ein weiterer Spiegel unserer Zeit. Nach etwa 130 Minuten ohne Pause endet der Abend schließlich mit einem unterkühlten, aber durchaus respektvollen Applaus.
Die Frage nach dem Umgang mit Machtgier und den Folgen bleibt offen – das Stück fordert geradezu dazu heraus, darüber nachzudenken. Die kommenden Aufführungstermine sind bereits fixiert: Am 20., 21. und 29. Oktober sowie am 4., 26. und 28. November, jeweils um 19:30 Uhr, wird es die Möglichkeit geben, sich diesem ungewöhnlichen Theatererlebnis zu stellen.
Alfred Jarry und sein Erbe
Alfred Jarry, der am 8. September 1873 in Laval geboren wurde, gilt als einer der Vorläufer des Surrealismus und Dadaismus. Seine Werke, darunter „König Ubu“, wurden während seines Lebens oft missverstanden und gerieten nach seinem Tod in Vergessenheit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie wiederentdeckt und fanden ihren Platz in der Theatergeschichte. Jarrys Figuren sind oft grotesk und entpersonifiziert, sein Stil brach mit den Konventionen des Theaters seiner Zeit. Das macht seine Werke bis heute relevant und spannend.
Die Premiere von „König Ubu“ am Burgtheater verbindet somit nicht nur die Vergangenheit mit der Gegenwart, sondern zeigt auch, wie zeitlos die Themen Macht und Tyrannei sind. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, wird mit einem intensiven Theatererlebnis belohnt, das lange nachwirkt. Die Mischung aus Slapstick, Musik und dem Mut, das Publikum einzubeziehen, macht die Inszenierung zu einem besonderen Ereignis – und ein bisschen skurril ist es ja auch, oder?
