Im Theater an der Wien ist Richard Wagners Der fliegende Holländer zu sehen. Die Besprechung der Aufführung erschien am 30.10.2026; heute, am 31.10.2026, bleibt vor allem ein zwiespältiger Eindruck: Diese Produktion ist eher sehenswert als hörenswert.

Philipp Stölzls Inszenierung wurde von Philipp M. Krenn neu einstudiert. Für die Bühne zeichnen Stölzl und Conrad Moritz Reinhardt verantwortlich. Im Zentrum steht Senta, die sich in einer beengenden Umgebung eine Parallelwelt und eine Erlöserinnenfantasie erschafft. Ihr Vater will sie unterdessen mit einem älteren, wohlhabenden Mann verheiraten – ein Konflikt, der sich immer weiter zuspitzt.

Senta zwischen Wirklichkeit und Wunschbild

Im dritten Aufzug erscheint der Bräutigam weitgehend leblos. Die reale Senta schlitzt sich die Kehle auf, während ihre imaginierte Senta auf dem hinteren Bühnenteil mit dem Holländer glücklich wird. Das ist drastisch, zugleich aber klar aus dem szenischen Konzept heraus entwickelt: Zwei Sentas, zwei Wirklichkeiten, ein Ausgang.

Der Holländer selbst tritt in einem Kostüm von Ursula Kudrna und mit einer Maske von Eva Schoits auf – als eine Art Zombie-Captain-Hook. Das Bild bleibt im Gedächtnis, auch wenn die verstärkten Chöre der Holländermannschaft laut Besprechung nicht überzeugend umgesetzt sind.

Ambur Braid gestaltet Senta mit leidenschaftlichem Einsatz und überzeugt darstellerisch, ihre Stimme ist allerdings stark gefordert. Positiv erwähnt wird auch ihr stummes Double Lina Lottes. Braid hatte zum Zeitpunkt der Besprechung seit dem 17.10. bereits sechs Vorstellungen gesungen; das könnte die hörbare stimmliche Belastung erklären.

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Viele Stimmen, wenig klangliche Sicherheit

Die Wiener Symphoniker und Dirigent Robert Jindra klingen in dieser Aufführung deutlich schlechter, als man es ihren grundsätzlichen Fähigkeiten nach erwarten würde. Als mögliche Gründe nennt der Artikel Wagners anspruchsvolle, nicht besonders transparente Instrumentierung und Jindras fehlende Vertrautheit mit dem Orchester.

Auch der Arnold Schönberg-Chor wirkt stimmlich überfordert und rhythmisch ungewöhnlich ungenau. Wilhelm Schwinghammer als Daland und Jordan Shanahan als Holländer singen kultiviert, geben ihren Rollen aber nur wenige Nuancen mit. Cameron Becker gestaltet Erik mit starkem Druck; dadurch wirkt er szenisch sympathisch, stimmlich jedoch angestrengt. James Ley wechselt als Steuermann zwischen sehr leisem und sehr lautem Singen.

Ieva Prudnikovaite als Mary wird als einzige Sängerin ohne nennenswerte Einschränkungen genannt. Ein kleiner Ruhepol in einem Abend, bei dem die musikalische Linie immer wieder ins Wanken gerät.

Wagners Holländer auch für zu Hause

Wer dem Werk lieber mit Kopfhörern oder im Wohnzimmer begegnet, findet außerdem eine englischsprachige Aufnahme von Richard Wagner (1813–1883) auf zwei CDs. Die Einspielung entstand circa 2003, erschien am 22. November 2004 beim Label Chandos und wird von David Parry dirigiert; es spielt das London Philharmonic Orchestra. Mit dabei sind Eric Halfvarson, Nina Stemme, Kim Begley, Peter Wedd und John Tomlinson.

Die CDs lassen sich auf herkömmlichen CD-Playern, Computerlaufwerken sowie den meisten SACD- und Multiplayern abspielen. Die Artikelnummer lautet 2987077, die UPC/EAN 0095115311929. Der Preis beträgt 22,99 Euro, die Lieferzeit innerhalb von 1–2 Wochen, sofern die Aufnahme beim Lieferanten verfügbar ist.

Auf CD 1 stehen die Ouvertüre, „Hoyohey! Halloyo! Ho! Hey!“ – 1. Szene, „The time has come“, „Hey! Holla! Steersman!“ sowie „Whirr and whirl as morning passes“ – 2. Szene.

CD 2 enthält „Yohohohey! I see a ship, as black as night“, „Stay, Senta! Stay awhile and talk with me“, „My child, your father’s on the threshold“, „Senta, my child, extend a welcome to this stranger“, „As from the distant dawn of my creation“, „My crew are bored with this delay“, „Steersman, leave your watch“ – 3. Szene, „What is this madness“, „Could you forget those carefree happy hours“ und „It’s hopeless! Ah! It’s hopeless!“

Im Theater an der Wien bleibt damit ein Abend zurück, der auf der Bühne kräftige Bilder findet – Senta im engen Raum, ihr Doppel, der maskierte Holländer –, während Orchester, Chor und manche Gesangsleistungen hinter den Möglichkeiten des Hauses und des Stücks zurückbleiben.