In den frühen Morgenstunden des 28. Oktober 2026 ist am Wiener Rathausplatz der Weihnachtsbaum für die kommende Saison aufgerichtet worden. Die 31 Meter hohe Hochgebirgsfichte stammt aus Damüls im Bregenzerwald in Vorarlberg und bringt einiges auf die Waage: rund neun Tonnen. Ihr Stammdurchmesser beträgt mehr als 90 Zentimeter.

Über 200 Jahre ist der Baum alt. Gewachsen ist er auf 1.350 Metern Seehöhe, auf einer ehemaligen Alpweide. Der tiefgründige, gut mit Wasser versorgte Standort ließ die Fichte kräftig werden. Ihre schräg nach unten hängenden Äste sind typisch für Hochgebirgsfichten: In der Bergregion erleichtern sie das Abrutschen von Schnee.

Vom Bregenzerwald auf den Rathausplatz

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde die Fichte nach Wien transportiert und vor dem Rathaus aufgerichtet. Ein kleiner Kraftakt, der am Ende still und beinahe selbstverständlich wirkt. In den nächsten Tagen soll sich das Nadelkleid wieder entfalten. Mitarbeitende beziehungsweise Gärtner:innen des Wiener Stadtgartenamts pflegen den Baum, bringen ihn in Form und beheben kleinere Transportschäden.

Danach wird geschmückt: rund 1.000 rote und goldene Kugeln kommen an die Äste, dazu 2.000 Lichter. Offiziell eingeschaltet wird die Weihnachtsbeleuchtung am Freitag, 13. November. Dann werden auch der Weihnachtsbaum, die Weihnachtswelt, der Herzerlbaum und weitere Elemente erstmals beleuchtet. Bei der Illuminierung werden Bürgermeister Michael Ludwig und Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner anwesend sein.

Seit 1959 spendet jedes Jahr ein anderes österreichisches Bundesland nach einem Rotationsprinzip den Baum für den Rathausplatz. Südtirol ist seit 1981 in diese Rotation eingebunden. Zuletzt kam der Wiener Rathausbaum 2017 aus Vorarlberg – die Damülser Fichte ist damit der westlichste Wiener Weihnachtsbaum seit neun Jahren.

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96 Stände, Eis und Krippen

Der Christkindlmarkt am Rathausplatz findet seit 1975 statt. Heuer umfasst der Markt 96 Stände und wird erstmals als „ÖkoEvent PLUS“ durchgeführt. Vorgesehen sind ein verpflichtender Anteil biologischer, vegetarischer und veganer Produkte, regionale und saisonale Lebensmittel sowie handgefertigte Waren an Verkaufs- und Kunsthandwerksständen.

Im nördlichen Rathauspark wurde die Weihnachtswelt neu gestaltet. Sie umfasst 17 Stationen, an denen Kinder ihre Wünsche an das Christkind übermitteln können. Quizbögen vom offiziellen Souvenirstand sollen Familien bei der Erkundung helfen. Die Texte gibt es auf Deutsch und Englisch, außerdem in Brailleschrift; erstmals können sie auch digital am Smartphone gelesen werden. Für Familien mit kleinen Kindern steht zusätzlich ein Wickelcontainer bereit.

Der Krippenpfad zeigt 15 handgefertigte Krippen des Wiener Krippenvereins zum Thema „Wiener Krippen“. Zu sehen sind Gebäude und Orte aus Wien. Ebenfalls zur Weihnachtswelt gehört der Herzerlbaum.

Im südlichen Rathauspark wartet der Eistraum mit rund 3.000 Quadratmetern Eisfläche. Für Kinder gibt es eine kostenlose Eislauffläche. Wer Tickets online auf wienereistraum.com kauft, zahlt zehn Prozent weniger und kann direkt per Handy zum Zugang gehen.

Zum 44. Mal findet außerdem das Internationale Adventsingen im Festsaal des Wiener Rathauses statt. An den vier Adventwochenenden treten 87 Chöre aus 17 Ländern mit insgesamt 2.589 Sängerinnen und Sängern auf. Gesungen werden traditionelle und moderne Advent- und Weihnachtslieder; Chöre kommen unter anderem aus den Niederlanden, Portugal, Zypern und Puerto Rico. Das Adventsingen läuft jeweils von Freitag bis Sonntag zwischen 15.30 und 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Vom Krippenmarkt zum Rathausplatz

Der Wiener Christkindlmarkt ist ein vorweihnachtlicher Budenmarkt, früher „Krippenmarkt“ genannt, heute auch Weihnachtsmarkt oder Adventmarkt. Historisch gilt er als letzter erhaltener Teil jener Wiener Jahrmarktrechte von 1296 und 1396, die noch 1792 bestätigt wurden. Weihnachtsmärkte im mittelalterlichen Wien sind hingegen nicht belegt; in den städtischen Abrechnungen finden sich dafür keine entsprechenden Einnahmen oder Ausgaben.

Aufzeichnungen aus dem Jahr 1600 nennen Hütten am Graben und auf der Brandstätte vor St. Stephan. Der Thomasmarkt wurde am 9. Jänner abgebaut und am 16. oder 17. Dezember wieder aufgestellt. Angeboten wurden Waren von „Peckn, Lebzelter und Zuggerpacher“. Bis 1761 bestand der Markt im Bereich Graben–Stephansplatz.

1722 wird auf der Freyung erstmals ein „Nikolo-, Weihnachts- und Krippenmarkt“ mit 108 Ständen erwähnt. Konflikte mit dem regulären Markt führten 1842 zu einer probeweisen Verlegung auf den Platz Am Hof, 1843 wurde dieser Standort dauerhaft. Jeweils am 5. Dezember wurden 132 Stände aufgebaut, die bis Neujahr blieben. Seit dem 19. Jahrhundert setzte sich zunehmend die Bezeichnung „Christkindlmarkt“ durch.

Als der Gemeinderat 1872 die alten Jahrmärkte aufließ, blieb der Christkindlmarkt als Ausnahme bestehen. 1903 wurden 128 Marktstände erneuert und erstmals elektrisch beleuchtet. Bis zum Ersten Weltkrieg war der Markt stark besucht; kurz vor Weihnachten kam es regelmäßig zu großem Gedränge.

Danach wanderte der Markt durch die Stadt: 1918 auf den Stephansplatz, 1923 zurück auf die Freyung, von 1924 bis 1928 wieder auf den Stephansplatz rund um den Dom. 1929 ging es an den Neubaugürtel oberhalb des Hesserdenkmals, mit 150 Marktständen. 1939 folgte erneut der Platz Am Hof, 1940 wurde der Markt mit Gesang des Deutschen Volksliedervereins eröffnet, 1943 lag er wieder am Stephansplatz.

Nach einer zweijährigen Unterbrechung fand der Markt 1946 vor dem Messepalast, dem heutigen MuseumsQuartier, statt. 1947 und 1948 wurde er im Gebäude des Messepalasts abgehalten. Von 1949 bis 1957 lag er am inneren Neubaugürtel, mit 101 einheitlich gestalteten Ständen; 1958 bis 1962 kehrte er vor den Messepalast zurück. 1963 wurde die Kalvarienberggasse versucht, eine Verbindung mit dem dortigen Fastenmarkt scheiterte. 1967 standen 90 Buden vor dem Messepalast zwischen Mariahilfer Straße und Burggasse, eröffnet wurde am 25. November.

Der Rathausplatz war zunächst nur als Übergangslösung während des Baus einer Tiefgarage beim Messepalast gedacht. Am 22. November 1975 wurde der Christkindlmarkt vor dem Rathaus eröffnet – und blieb dort. Mittelpunkt ist seither ein meist rund 30 Meter hoher Christbaum vor dem Rathausturm; seit 1959 wird er jährlich von einem anderen österreichischen Bundesland gestiftet.

1986 wurde der Markt erweitert und weitgehend von nicht weihnachtsbezogenen Branchen bereinigt. Teile des Rathausparks kamen dazu und wurden künstlerisch gestaltet. Beleuchtete Eingangsportale und Parkwege bildeten den „Wiener Adventzauber“.

Weitere Märkte kamen hinzu: Seit 1984 gibt es den Floridsdorfer Christkindlmarkt, seit 1987 den Alt-Wiener Weihnachtsmarkt – zunächst am Michaelerplatz, seit 1989 auf der Freyung vor dem Schubladkastenhaus. Ebenfalls seit 1989 besteht der Weihnachtsmarkt im Alten Allgemeinen Krankenhaus. Kleinere Märkte entstanden unter anderem vor dem Liesinger Bahnhof. Der Weihnachtsmarkt im Melker Hof wurde 1999 letztmals veranstaltet.

Für 2024 sind als Wiener Christkindlmärkte Rathausplatz, Freyung, Am Hof, Maria-Theresien-Platz, Stephansplatz, Schloss Belvedere, Karlskirche, Spittelberg, Unicampus/Altes AKH, Favoriten, Meidlinger Platzl, Schloss Schönbrunn, Türkenschanzpark und Franz-Jonas-Platz verzeichnet.

Der Eintrag zum Christkindlmarkt im Wien Geschichte Wiki betrifft Wien im 1. Bezirk, trägt die ID 19115 und zeigt unter anderem das Bild „Christkindlmarkt am Hof.jpg“ mit einer Darstellung des Marktes um 1900. Letzte Änderung des Eintrags: 20. November 2024.