Innovative CO₂-Nutzung im Gemüsebau: Merschl setzt auf nachhaltige Landwirtschaft
In der Donaustadt gibt es einen Gemüsebaubetrieb, der nicht nur frische Paradeiser produziert, sondern auch ein innovatives Konzept zur Reduzierung von Kohlendioxid verfolgt. Der Betrieb Merschl hat eine Carbon-Capture-Anlage installiert, die CO₂ aus der Biomasseheizung auffängt und direkt in die Gewächshäuser leitet. Dies fördert das Wachstum der Paradeiserpflanzen und ist ein echter Schritt in die Zukunft der nachhaltigen Landwirtschaft.
Merschl ist einer von nur drei Betrieben in ganz Europa, die diese Technologie nutzen. Auf einer Fläche von rund 70.000 Quadratmetern werden jährlich etwa 3.000 Tonnen Paradeiser unter der Marke „LGV-Sonnengemüse“ vermarktet. Seit 2025 wird der Betrieb mit Holzhackschnitzeln beheizt, wobei die Abgase in der Carbon-Capture-Anlage aufbereitet werden. Martin Merschl, der Betriebsführer, hebt hervor, wie wichtig es ist, Kreisläufe zu schließen – durch die Kombination von Biomasse-Heizanlage und Carbon-Capture-Anlage wird ein nachhaltiges System geschaffen.
Ein Teil von „Zirkuläres Wien“
Das Projekt ist Bestandteil der Initiative „Zirkuläres Wien“, die die Kreislaufwirtschaft und die regionale Versorgung fördern soll. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky betont die Bedeutung der Stadtlandwirtschaft in diesem Kontext. Die Landwirtschaftskammer Wien unterstützt diese Betriebe mit einem Ressourcen-Check zur nachhaltigen Nutzung ihrer Mittel. In Wien haben bereits 47 Prozent der Gartenbaubetriebe auf Fernwärme umgestellt, während 10 Prozent biogene Brennstoffe nutzen. Landwirtschaftskammer-Präsident Norbert Walter hebt die steigende Relevanz nachhaltiger Energienutzung im Gartenbau hervor.
Doch nicht nur in Wien, auch in Deutschland wird die Reduzierung von Treibhausgasemissionen vorangetrieben. Bis 2045 strebt Deutschland eine Treibhausgasneutralität an, während Europa bis 2050 folgen möchte. Dabei sind technologische Innovationen in der Energieversorgung und der industriellen Produktion unabdingbar. Das Ziel ist klar: Die Umstellung auf erneuerbare Energien soll energiebedingte Treibhausgasemissionen vollständig vermeiden.
Technologie im Fokus
Die Carbon-Capture-Technologie, wie sie bei Merschl angewendet wird, ist ein vielversprechender Ansatz. Allerdings wird CCU (Carbon Capture and Utilization) mit fossilem Kohlenstoff nicht als Ersatz für die Minderung von fossilen Treibhausgasemissionen angesehen. CO₂ aus industriellen Prozessen ist technisch nicht vermeidbar, was bedeutet, dass Innovationen nötig sind, um unvermeidbare Emissionen zu reduzieren. Spannend wird es dann, wenn man bedenkt, dass CCU mit atmosphärischem Kohlenstoff zu einem geschlossenen Kreislauf führen kann – vorausgesetzt, es entstehen dabei keine weiteren Emissionen.
Langfristig gesehen wird in der Landwirtschaft aber auch mit technologischen Entwicklungen eine vollständige Vermeidung von Treibhausgasemissionen schwierig sein. Künftig wird die dauerhafte Kohlenstoffentnahme aus der Atmosphäre (CDR – Carbon Dioxide Removal) entscheidend sein. Diese kann durch den Erhalt und die Erschließung natürlicher Kohlenstoffsenken wie Wälder und Moore geschehen. Studien zeigen, dass die vollständige Kompensation der unvermeidbaren Treibhausgasemissionen in Deutschland möglich ist, doch dazu bedarf es einer Vielzahl von Maßnahmen.
Ein Blick in die Zukunft
Die nationale Klimapolitik in Österreich hat das Ziel, durch die Vermeidung von Treibhausgasemissionen zur Klimaneutralität zu gelangen. Alle Sektoren müssen ihre Emissionen reduzieren, was ein Verzicht auf fossile Energieträger, eine Verbesserung der Energieeffizienz und den Umstieg auf nachhaltige erneuerbare Energieträger umfasst. In der Landwirtschaft sind kleine, dezentrale Emissionsquellen wie Methan- und Lachgasemissionen Herausforderungen, die nicht vollständig beseitigt werden können. Hier wird der Einsatz von CCUS (Carbon Capture, Utilization and Storage) an Punktquellen mit hohen CO₂-Emissionen besonders relevant. Es geht darum, CO₂ abzuscheiden, zu transportieren und gegebenenfalls geologisch zu speichern oder weiterzuverwenden.
Die Entwicklungen im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft und der CO₂-Nutzung sind also nicht nur spannend, sondern auch notwendig. Merschl in der Donaustadt zeigt, wie solche Technologien in der Praxis aussehen können. Es bleibt zu hoffen, dass viele andere Betriebe folgen und ebenfalls auf innovative Lösungen setzen, um unseren Planeten für kommende Generationen zu schützen.
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