In der Bau- und Wohnlandschaft Österreichs gibt es gerade eine spannende Entwicklung zu beobachten. Während der Wohnungsneubau weiterhin brachliegt, zeigt die Sanierung von Bestandsimmobilien eine erfreuliche Zunahme. Das Umweltministerium hat zwar einen Förderstopp für Neubauprojekte verhängt, doch die Sanierungsprojekte laufen unbeeindruckt weiter. Ein Blick auf einige der bedeutendsten Sanierungsprojekte zeigt, wie viel Bewegung in dieser Thematik steckt.

Ein besonders herausragendes Beispiel ist der Gesiba Wohnpark Alt-Erlaa, der als größtes thermisches Sanierungsprojekt in Österreich gilt. Anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums wird hier der Austausch von 24.000 Fenstern und Terrassentüren vollzogen. Mit 3.182 betroffenen Wohneinheiten und einer Sanierungsfläche von beeindruckenden 103.000 Quadratmetern kann der Heizwärmebedarf um bis zu 50 % gesenkt werden. Die schrittweise Sanierung erfolgt dabei unter Berücksichtigung der Bewohner, was einen sensiblen Umgang mit den aktuellen Mietern zeigt.

Innovative Sanierungsansätze

Ein weiteres Highlight ist die Rhomberg Bau Südtiroler Siedlung in Bludenz. Hier hat der Generalunternehmer Rhomberg Bau eine umfassende Sanierung von zwei Wohnanlagen in Angriff genommen. Die Modernisierung geschieht im bewohnten Zustand und ist barrierefrei. Beeindruckend ist die Senkung des Heizwärmebedarfs um bis zu 88 % sowie die Reduktion der CO₂-Emissionen um 94 %. Beide Gebäude erreichen den klimaaktiv SILBER Standard, was die hohe Energieeffizienz unterstreicht.

Die Wiener Wohnen Wohnanlage Theodor Herzl hat eine Sanierungsinitiative ins Leben gerufen, die sich auf die Modernisierung von Gemeindebauten konzentriert. Mit Verbesserungen an der Gebäudehülle, neuen Fenstern und Türen sowie einer Sanierung von Dach und Fassade konnte der Energieverbrauch um 74 % gesenkt werden. Barrierefreie Aufzüge und Brandschutzmaßnahmen wurden ebenfalls umgesetzt, was den Wohnkomfort deutlich erhöht.

In der Donaustadt wird die Wilhelm Sedlak GmbH bis Ende 2026 eine umfassende energetische Sanierung durchführen. Hierbei wird die Gebäudehülle energetisch erneuert, inklusive des Austauschs der Alu-Siding-Fassade und Fenster. Zudem wird eine Photovoltaikanlage installiert, was die Nachhaltigkeit des Projekts weiter fördert.

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Fördermöglichkeiten und gesetzliche Rahmenbedingungen

Um die Sanierungswelle zu unterstützen, stehen verschiedene Förderprogramme zur Verfügung. Der KfW-Zuschuss Nr. 458 bietet beispielsweise eine Grundförderung von 30 % der förderfähigen Kosten, mit interessanten Boni für besonders effiziente Wärmepumpen oder den Austausch alter fossiler Heizungen. Eine maximale Förderung von 70 % der Kosten bis zu 30.000 Euro pro Wohneinheit kann hierbei ausgeschöpft werden. Zudem sind steuerliche Absetzbarkeiten von bis zu 20 % der Sanierungskosten möglich, was die finanzielle Belastung für Eigentümer erheblich mindern kann.

Zusätzlich treten mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2024 neue Anforderungen in Kraft, die Eigentümer dazu anhalten, energetische Standards einzuhalten. Altbauten müssen innerhalb von zwei Jahren nach Eigentümerwechsel modernisiert werden, und ab 2026 werden neue Heizungen in Großstädten zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Diese Vorgaben sollen dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % im Vergleich zu 1990 zu senken.

Die Rolle der Bundesförderung für effiziente Gebäude

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Sanierungslandschaft und unterstützt Eigentümer bei der Einsparung von Energiekosten und dem Klimaschutz. Das Programm umfasst verschiedene Teilprogramme, die von der KfW administriert werden. Dabei ist wichtig zu wissen, dass ab dem 21. Juli 2026 neue Förderbedingungen gelten, und die Antragstellung über das BAFA-Portal erfolgt. Hierbei ist die Begleitung durch einen Energieeffizienz-Experten oft erforderlich, der bei der Erstellung der technischen Projektbeschreibung hilft.

Insgesamt zeigt sich, dass die Sanierung von Bestandsimmobilien nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Chance darstellt. Die Kombination aus technologischen Innovationen, Fördermöglichkeiten und gesetzlichen Rahmenbedingungen schafft einen Nährboden für nachhaltige Entwicklungen in der Wohnbaupolitik. Die Projekte in Wien und darüber hinaus sind Beweis dafür, dass mit Weitblick und Engagement zukunftsfähige Wohnlösungen geschaffen werden können. Ein spannendes Kapitel in der Geschichte des österreichischen Wohnbaus, das erst am Anfang steht.

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