In Wien-Favoriten hat kürzlich ein neues Lokal seine Türen geöffnet: „Michls deli“. Dieses Restaurant hat sich speziell zum Ziel gesetzt, geflüchteten und zugewanderten Frauen, die es schwer haben, einen Job zu finden, eine wertvolle Perspektive zu bieten. Es ist ein Ort, an dem Frauen nicht nur kulinarische Fähigkeiten erlernen, sondern auch praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln können. Laut einer Erhebung aus 2015/2016 waren nur 40 Prozent der Frauen erwerbstätig, während es bei Männern 75 Prozent waren. Michls deli könnte hier einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung dieser Zahlen leisten.
Für Frauen, die in den Bereichen Service, Küche und Verwaltung arbeiten, werden befristete Arbeitsplätze über einen Zeitraum von 9 bis 12 Monaten angeboten. Damit diese Frauen gut betreut werden, sorgt ein achtköpfiges Team aus Fachanleitern und Sozialarbeitern für Unterstützung. Das Konzept umfasst eine vielfältige und ausgewogene Küche, die auch vegane und vegetarische Gerichte einschließt. Zudem sind alle Speisen zum Mitnehmen erhältlich. Michls deli ist Teil des sozialökonomischen Betriebs Michls, der seit über 20 Jahren in der Gastronomie tätig ist. Die Betriebskosten werden zur Hälfte vom AMS Wien und der Stadt Wien getragen, und 25 Prozent stammen aus den eigenen Mitteln von Michls deli. Hierbei wird darauf geachtet, dass die Mehrheit der Frauen Vollzeit beschäftigt wird, einige auch in Teilzeit, und die Gehälter sich an den üblichen Kollektivverträgen orientieren. Wer hätte gedacht, dass ein einfaches Lokal so viel bewirken kann?
Herausforderungen für geflüchtete Frauen
Die Integration von geflüchteten Frauen in den Arbeitsmarkt ist eine Herausforderung. Laut einer Studie haben geflüchtete Frauen im Durchschnitt niedrigere Erwerbstätigenquoten als Männer. Zentrale Hürden sind unter anderem Sorgepflichten, fehlende Deutschkenntnisse und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Besonders in den letzten Jahren, seit der Fluchtbewegung 2015 und der ukrainischen Zuwanderung 2022, ist die Integration von Geflüchteten zu einer gesellschaftlichen Aufgabe geworden. Es ist bemerkenswert, dass geflüchtete Frauen oft vor höheren strukturellen und individuellen Hürden stehen als andere Migrantengruppen. Das betrifft nicht nur den Zugang zum Arbeitsmarkt, sondern auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, was für viele eine große Herausforderung darstellt.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass 77 Prozent der geflüchteten Frauen in Haushalten mit Kindern leben. Im Vergleich dazu sind es nur 38 Prozent der geflüchteten Männer. Diese statistischen Unterschiede verdeutlichen, wie stark die Betreuungssituation das berufliche Wachsen beeinflusst. Viele Frauen, die ihre Kinder selbst betreuen, finden keinen Betreuungsplatz, was ihre beruflichen Möglichkeiten weiter einschränkt. Soziale Netzwerke spielen eine entscheidende Rolle bei der Arbeitsmarktintegration – über Bekannte fanden 51 Prozent der erwerbstätigen ukrainischen Geflüchteten ihre Stelle. Doch leider haben geflüchtete Frauen oft weniger soziale Kontakte als Männer, was die beruflichen Chancen zusätzlich mindert.
Ein Lichtblick in der Dunkelheit
Trotz all dieser Herausforderungen bietet Michls deli einen Lichtblick. Es ist nicht nur ein Ort, um zu arbeiten, sondern auch ein Raum, in dem Frauen ihre Fähigkeiten entwickeln und neue Kontakte knüpfen können. Die Unterstützung durch Fachanleiter und Sozialarbeiter ist hierbei von unschätzbarem Wert. Die Tatsache, dass die Mehrheit der Frauen Vollzeit beschäftigt wird, gibt ihnen die Möglichkeit, sich finanziell unabhängig zu machen und ihre Lebenssituation zu verbessern.
Die Integration geflüchteter Frauen in den Arbeitsmarkt ist ein komplexes Thema, das weiterführende Maßnahmen erfordert. Die Verbesserung von Sprach- und Betreuungsangeboten, die Stärkung sozialer Netzwerke und die Vereinfachung des Anerkennungsverfahrens sind wichtige Schritte, um die soziale Mobilität und Teilhabe dieser Frauen zu fördern. Michls deli ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung und zeigt, wie Gastronomie auch sozialen Wandel bewirken kann. Und wer weiß, vielleicht wird es bald noch mehr solcher Initiativen geben, die das Leben von geflüchteten Frauen in Österreich verändern können.