In Wien-Favoriten gibt es besorgniserregende Neuigkeiten für Familien mit kleinen Kindern. Die Stadt plant, gleich drei Kindergärten zu schließen: Mailygasse 2/6, Sahulkstraße 35/R und Laxenburger Straße 51–53. Diese Entscheidung wurde von der MA 10 an die Bezirksvertretung übermittelt, und sie hat für viel Diskussion gesorgt. Besonders der Kindergarten in der Laxenburger Straße steht im Fokus, da es hier akute Missstände gibt, die sowohl die Anforderungen des Personals als auch die Bedürfnisse der Kinder nicht erfüllen. Die Gründe sind vielfältig und alarmierend.

Das Gebäude ist nicht barrierefrei, erfüllt keine brandschutzrechtlichen Bestimmungen und hat einen uneinsichtigen Hof, der unerwünschte Personen anzieht. Dazu kommt eine Rattenproblematik und gefährliche Gegenstände im Innenhof, die in der Nähe zur „Problemzone“ Keplerplatz liegen. Auch die räumlichen Gegebenheiten sind alles andere als optimal: Die Räume sind zu klein, die Fluchtwege ineffizient und die Raumaufteilung chaotisch. Eine Schließung wird zum Ende des Kindergartenjahres vollzogen, was für viele Eltern und Kinder eine große Umstellung bedeutet.

Alternativen und Bedenken

Die betroffenen Kinder sollen in Kindergärten rund um das Neue Landgut untergebracht werden, insbesondere im neuen Kindergarten in der Landgutgasse 40. Die Bezirksvertretung hat jedoch Bedenken geäußert. Sie sieht den neuen Kindergarten nicht als Ersatz, sondern lediglich als zusätzliches Angebot. Der neue Standort ist etwa 15 Gehminuten von der Laxenburger Straße entfernt, was für viele Familien eine Herausforderung darstellt. Ein Vorschlag der Bezirksvertretung lautet, den alten Kindergarten bis zur Eröffnung eines neuen Standorts in der Nähe offen zu halten, um den Übergang zu erleichtern.

Ein weiterer Punkt der Kritik betrifft das Verfahren der Stadtbehörde. Die Bezirksvertretung wurde nicht in den Prozess eingebunden und erhielt Informationen erst nach Intervention. Dies wirft Fragen zur Kommunikation und Transparenz auf. Die Schließung der anderen beiden Kindergärten wurde zwar zur Kenntnis genommen, ist aber nicht ganz so brisant. Die Sahulkastraße 35/R wird aufgrund einer Umstellung einer Volksschule in der Nähe geschlossen, während die Mailygasse 2/6 aufgrund einer geringen Auslastung schließt.

Personalmangel in der frühkindlichen Betreuung

Ein Blick über die Grenzen Österreichs zeigt, dass ähnliche Probleme auch in Deutschland, genauer gesagt in Nordrhein-Westfalen, bestehen. Dort gab es im Kindergartenjahr 2023/24 massive Einschränkungen durch Personalmangel. Einrichtungen meldeten zwischen August 2024 und Juli 2025 insgesamt rund 34.000 Mal personelle Unterbesetzungen, häufig bedingt durch kurzfristige Erkrankungen von Erzieherinnen und Erziehern. In der Erkältungszeit, besonders im November und Februar, war die Situation besonders angespannt – mit über 400 Meldungen allein in diesen Monaten. Einige Kitas mussten sogar komplett schließen, was die Situation für viele Eltern zusätzlich erschwerte.

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Die Kitas in NRW haben oft ihre Öffnungszeiten reduziert oder konnten nicht alle Kinder betreuen. Eltern wurden gebeten, ihre Kinder früher abzuholen, und in einigen Fällen mussten sich Familien abwechseln, welches Kind wann betreut wird. Diese Herausforderungen, die in Deutschland beobachtet werden, werfen ein Licht auf die generelle Problematik der frühkindlichen Bildung und Betreuung, die auch in Österreich nicht ignoriert werden kann.

Die Schließungen in Favoriten sind nicht nur eine lokale Angelegenheit, sondern Teil eines größeren Problems, das viele Städte betrifft. Die Frage bleibt, wie die Behörden auf die Herausforderungen im Bereich der frühkindlichen Betreuung reagieren werden und wie man die Qualität der Einrichtungen langfristig sichern kann. In diesem Kontext sind die geplanten Schließungen in Favoriten ein Signal, dass Handlungsbedarf besteht.