Wien sieht sich mit einem drängenden Problem konfrontiert: Die Verbreitung von „Spice“, einer synthetischen Droge, die in Gefängnissen immer häufiger zur Gefahr wird. Diese Droge, die in den 2000er Jahren als „Legal High“ bekannt wurde, ahmt die Wirkung von THC nach, ist jedoch deutlich potenter. Ihre Herstellung im Labor macht sie schwer zu erkennen und zu schmuggeln – insbesondere in Justizanstalten. Profil berichtet, dass synthetische Cannabinoide wie „Spice“ für eine Vielzahl von schwerwiegenden Nebenwirkungen verantwortlich sind, darunter Psychosen, Aggressionen und Panikattacken. In britischen Gefängnissen waren diese Substanzen zwischen 2015 und 2020 sogar für die Hälfte der nicht-natürlichen Todesfälle verantwortlich.
Die Droge kann unsichtbar auf verschiedenen Materialien aufgetragen werden, einschließlich Papier und Briefen, die Häftlinge empfangen dürfen. Oft wird „Spice“ zusammen mit Zigarettentabak geraucht oder in Wasser aufgelöst. Die Methoden der Schmuggler sind vielfältig: Sie nutzen Kleidung und Hygieneartikel, um die Substanz ins Gefängnis zu bringen, und aufgrund der nicht hermetisch abgeschlossenen Justizanstalten wird der Schmuggel erheblich erleichtert. Die Justizbehörden versuchen, diesem Problem entgegenzuwirken, indem sie Schriftstücke kopieren und Kleidung reinigen, doch die Maßnahmen zeigen begrenzte Erfolge.
Therapie und Drogenabwehr
Obwohl Suchtprobleme bei Häftlingen therapiert werden, bleibt die Wirkung dieser Maßnahmen oft hinter den Erwartungen zurück. Die EU-Drogenagentur hat den Konsum synthetischer Cannabinoide in Justizvollzugsanstalten als besonders herausfordernd identifiziert. Um dem Schmuggel weiter entgegenzuwirken, werden neue Technologien wie Ionenmobilitätsspektrometer in der Drogenabwehr eingesetzt. Berichte über Drogenabwürfe per Drohne in Gefängnissen verdeutlichen die fortschreitende Technologie und die anhaltende Bedrohung durch Drogen.
Ein Blick auf die europäische Drogenlage
Die Situation in den Wiener Gefängnissen ist Teil eines größeren Problems, das die gesamte europäische Drogenlandschaft betrifft. Laut der EMCDDA-Analyse 2024 zeigt der Drogenmarkt in Europa eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und ist stark von globalen Entwicklungen beeinflusst. Die anhaltenden Gesundheits- und Sicherheitsprobleme, die mit illegalen Drogen verbunden sind, stellen eine große Herausforderung für die Gesellschaft dar. Drogenprobleme sind weit verbreitet und betreffen zahlreiche Bereiche, einschließlich Jugendkriminalität und Obdachlosigkeit.
Die Verfügbarkeit von Drogen, insbesondere Kokain, nimmt zu und wird durch moderne Handelsinfrastrukturen begünstigt. 2023 wurde beispielsweise in Spanien die größte Kokainsicherstellung mit 9,5 Tonnen gemeldet. Auch neue synthetische Drogenmischungen wie „Pinkes Kokain“ und der zunehmende Konsum von Polyvalenz – das gleichzeitige Konsumieren mehrerer Substanzen – erhöhen die Gesundheitsrisiken. Die EMCDDA wird im Juli 2024 in die Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) umbenannt, um besser auf die wachsenden Herausforderungen und Risiken im Drogenbereich reagieren zu können. Dies könnte einen wichtigen Schritt zur Bekämpfung der Drogenproblematik in Europa darstellen.