In Wien-Landstraße hat sich in der Welt der Essenslieferdienste einiges getan. Foodora, das 2019 seine Aktivitäten in Österreich eingestellt hatte, ist 2023 mit neuem Schwung zurückgekehrt. Unter der Leitung von Dragan Milovanovic, der seit einem Monat als Geschäftsführer fungiert, entwickelt sich Foodora von einem Restaurant-Lieferdienst hin zu einem Quick Commerce-Anbieter. Das Ziel? Innerhalb von 60 Minuten alles zu liefern, was man braucht – von Lebensmitteln über rezeptfreie Medikamente bis hin zu Hundefutter. Diese gewagte Vision soll durch eine benutzerfreundliche App realisiert werden, die täglich für verschiedene Einkäufe genutzt werden kann.
Die Besprechungsräume bei Foodora tragen kreative Namen wie Punschkrapferl und Chili sin Carne – das spiegelt den Unternehmergeist wider. In einer Branche, die sich in einer Regulierungsphase befindet, sieht sich Foodora zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Ein neues Plattformarbeitsgesetz soll die Arbeitsbedingungen für die über 43 Millionen Menschen, die in der EU in der Plattformarbeit tätig sind, verbessern. In Österreich sind rund 5.000 Rider (Lieferanten) aktiv, von denen die meisten als freie Dienstnehmer arbeiten, während etwa 2.000 fest angestellt sind.
Herausforderungen und Entwicklungen
Die EU hat kürzlich eine Richtlinie verabschiedet, die ab 2024 in Kraft tritt und die Arbeitsbedingungen von Plattformarbeitern verbessern soll. In Österreich muss diese bis Dezember 2026 umgesetzt werden. Diese Entwicklungen könnten auch Foodora betreffen, die trotz der Herausforderungen, die sich durch hohe Gebühren und Abhängigkeiten von Gastronomie-Partnern ergeben, bestrebt ist, Marktführer im Quick Commerce zu bleiben. Die Konkurrenz schläft nicht – Unternehmen wie Lieferando und Wolt sind ebenfalls im österreichischen Markt aktiv.
Die Liefergebühren bei Foodora liegen zwischen 3,49 und 7,99 Euro, was für Vielbesteller durch ein Abo-Modell attraktiver gestaltet wird. Im Durchschnitt verdienen die Rider 13,96 Euro brutto pro Stunde, wobei ein garantiertes Minimum von 8,65 Euro gewährt wird. Aber auch hier gibt es Spannungen: Gastronomie-Partner kritisieren die hohen Gebühren, die Foodora erhebt, und die damit verbundene Abhängigkeit. Dennoch verzeichnet Foodora für neue Partner Umsatzsteigerungen von bis zu 50 Prozent.
Ein Blick in die Zukunft
Ab Oktober 2024 könnte es außerdem neue Bestimmungen für E-Motorroller geben, die möglicherweise aus dem Verkehr gezogen werden. Was die Zukunft für die Rider und die Plattformen bringt, bleibt abzuwarten. Die EU schätzt, dass etwa vier Millionen Menschen als Scheinselbstständige arbeiten, was bedeutet, dass sie zwar als selbstständig gelten, jedoch die rechtlichen und sozialen Vorteile eines Angestellten missen. Die neuen Regelungen sollen dem entgegenwirken und die Beweislast für die Unabhängigkeit der Mitarbeiter bei den Plattform-Betreibern verlagern.
Das Thema Plattformarbeit wird weiterhin heiß diskutiert. Trotz der Widerstände, etwa aus Deutschland, wo die FDP sich bei der Abstimmung über die neuen Vorgaben enthielt, ist die Einigung der EU-Staaten ein wichtiger Schritt. Für viele, die über digitale Plattformen ihre Arbeitskraft anbieten, könnte sich mit den neuen Regelungen einiges verändern. Foodora wird sich in diesem dynamischen Umfeld beweisen müssen. Die kommenden Jahre könnten entscheidend dafür sein, wie sich die Plattformen und ihre Mitarbeiter entwickeln.