Asbest-Funde in Wien: Gesundheitsrisiken und dringender Sanierungsbedarf
In Wien-Liesing ist ein Alarm geschlagen worden. Die Zahl der möglichen Asbest-Fundstellen in der Stadt steigt, und das nicht gerade unerheblich. Greenpeace hat in einer umfassenden Untersuchung 20 Flächen unter die Lupe genommen. Ursprünglich war nur von sechs Flächen die Rede. Dabei sind belastete Areale entdeckt worden, die nicht nur Straßen, sondern auch einen Gemeindebau am Handelskai umfassen. Diese Entdeckungen sind alarmierend und werfen ein grelles Licht auf die Gesundheitsrisiken, die Asbest mit sich bringt.
Die Auffälligkeiten liegen auf der Hand. Grünliche Straßenbeläge, die mit weißen oder grauweißen Steinchen durchzogen sind, machen die Bürgerinnen und Bürger stutzig. Immer mehr Meldungen über verdächtige Stellen erreichen die Behörden. Betroffene Straßen finden sich vor allem in den Bezirken Liesing, Margareten, Meidling und Hietzing. Verdachtsfälle werden umgehend an die Stadt Wien weitergeleitet, die bereits eigene Bohrungen durchgeführt hat. Greenpeace fordert eine rasche Sanierung der betroffenen Flächen, insbesondere in stark befahrenen und engen Wohnstraßen. Die geschätzten Sanierungskosten für Österreich belaufen sich auf rund 1,6 Milliarden Euro – ein gewaltiger Brocken, der nicht einfach so zu stemmen ist.
Asbest in den Straßen
Greenpeace hat Asbest-Asphalte auf gleich acht Straßen in Wien und Umgebung nachgewiesen. Dazu zählen die Rosenhügelstraße, die Stieglergasse, Wernergasse, Bertegasse, Wastlgasse, Anton-Freunschlag-Gasse, Reibergasse und die Triester Straße, die nahe der Grenze zu Niederösterreich liegt. Laboranalysen haben ergeben, dass diese Einschlüsse hoch krebserregenden Amphibolasbest enthalten. Das ist ernst zu nehmen, denn bereits sanfter Druck auf den Asphalt kann krebserregende Asbestfasern freisetzen, insbesondere auf stark befahrenen Straßen.
Greenpeace hat über 300 Meldungen von Asbestfunden in verschiedensten Bereichen erhalten – von Straßen über Spielplätze bis hin zu Vorgärten. Das macht deutlich, wie weit verbreitet das Problem ist. In Ungarn wird ein Asbestkataster erstellt, wobei die Bevölkerung aktiv mithelfen soll. Im Burgenland gibt es sogar eine Taskforce, die seit einem halben Jahr in dieser Angelegenheit aktiv ist. Doch wo genau das Material liegt, bleibt unklar. Greenpeace fordert die Asbest-Arbeitsgruppe von Bundeskanzler Stocker auf, entsprechende Untersuchungen einzuleiten und Mittel aus dem Katastrophenfonds für die Opfer des Asbest-Skandals bereitzustellen.
Gesundheitsrisiken und Regelungen
Asbest ist kein Thema der Vergangenheit. Die Gesundheitsrisiken sind gravierend. Asbest kann zu Asbestosen und Krebserkrankungen wie dem gefürchteten Mesotheliom führen, wobei die Latenzzeit für Krebserkrankungen mehrere Jahrzehnte betragen kann. In Österreich wurden zwischen 1950 und 1990 jährlich 30.000 bis 40.000 Tonnen Asbest verwendet, überwiegend Chrysotil. Dabei war Asbestzement, der aus 10% Asbest und 90% Bindemittel besteht, ein gängiges Material für Dächer und Fassaden. Unbeschädigter Asbest gilt zwar als unbedenklich, doch bei beschädigten Platten können Asbestfasern freigesetzt werden – das ist eine tickende Zeitbombe.
Die gesetzlichen Regelungen in Österreich sind klar: Abbruch- oder Asbestsanierungsarbeiten dürfen nur von ermächtigten Arbeitgeber:innen durchgeführt werden. Ein schriftlicher Arbeitsplan muss vor Beginn solcher Arbeiten erstellt und dem Arbeitsinspektorat gemeldet werden. Arbeitgeber:innen sind dazu verpflichtet, ihre Angestellten über die Gefahren von Asbest und die notwendigen Schutzmaßnahmen zu informieren. Messungen der Asbestkonzentration sind gesetzlich vorgeschrieben, und der gültige TRK-Wert liegt bei 10.000 Fasern pro m³. Die Exposition mit Asbest muss so gering wie möglich gehalten werden, denn die Gefahren sind real und nicht zu unterschätzen.
Die Situation in Wien ist also brisant und erfordert dringendes Handeln. Die Bürgerinnen und Bürger sind gefordert, aufmerksam zu sein und verdächtige Stellen zu melden. Denn die Gesundheit geht vor – und die Zeit drängt.
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