Heute ist der 26.05.2026 und in Wien-Mariahilf hat ein wichtiges Event stattgefunden. Die Journalistin und Digitalexpertin Ingrid Brodnig präsentierte ihr neues Buch „Feindbild Frau – Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden – und was wir alle dagegen tun können“ im Thalia. Ein Thema, das uns alle angeht, denn die Bedrohungen und Beleidigungen, die Frauen im Internet erfahren, sind allgegenwärtig und alarmierend.

Brodnig geht in ihrem Buch auf die vielschichtigen Herausforderungen ein, mit denen Frauen in der digitalen Welt konfrontiert sind. Sie betont auch, dass Männer ebenfalls betroffen sind, jedoch oft andere Auswirkungen erleben. Ein zentrales Konzept, das sie anspricht, ist der sogenannte „Chilling Effekt“. Dieser beschreibt, dass Menschen — besonders Frauen — sich aus der öffentlichen Debatte zurückziehen, wenn sie häufig beleidigt oder bedroht werden. Eine Studie von Marjan Nadim und Audun Fladmoe belegt dies: 42% der Frauen und 16% der Männer gehen vorsichtiger mit ihren Meinungen um, wenn sie digitaler Gewalt ausgesetzt sind.

Die Realität der digitalen Gewalt

Besonders eindrücklich ist das Beispiel einer SPD-Abgeordneten mit Migrationshintergrund, die aufgrund von hasserfüllten Kommentaren kaum mehr an Debatten teilnehmen kann. Ein weiteres Beispiel ist die Außenministerin Meinl-Reisinger, die während ihrer Amtszeit von herabwürdigendem Duzen betroffen war. Bei der Buchpräsentation stellte Brodnig zehn Typen von Beleidigungen und Bedrohungen vor, die Frauen häufig erleben. Dazu gehören Angriffe auf das Äußere, abwertende Bemerkungen durch sexuelle Verwertungslogik und Gewaltdrohungen mit sexueller Komponente. Auch Stereotype und familiäre Anspielungen finden sich in den Kommentaren, die Politikerinnen oft zu hören bekommen.

Die Entwicklung von KI-generierten Bildmontagen und Deep Fakes bringt neue, erschreckende Dimensionen in die Thematik. Brodnig fordert daher eine Verschärfung der Gesetze gegen digitale Gewalt, da solche Formen der Belästigung in Österreich derzeit nicht strafbar sind. Cyber-Mobbing und Verletzungen des Rechts am eigenen Bild sind zwar unter bestimmten Bedingungen strafbar, jedoch sind Beleidigungen nur dann rechtlich relevant, wenn sie in Anwesenheit von mindestens drei Personen ausgesprochen werden und eine Privatanklage erfordern. Das ist ein echtes Problem!

Gesetzliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Verantwortung

Ein kritischer Punkt, den Brodnig anmerkt, ist die Lockerung der Regelwerke digitaler Plattformen, die nach der Trump-Wiederwahl stattfand. Es bleibt abzuwarten, wie die EU-Kommission den Digital Services Act umsetzen wird. Doch eine positive Wendung könnte die geplante gesetzliche Verschärfung der Bundesregierung in Österreich bringen. Interessanterweise wird jedoch gleichzeitig die Förderung für Organisationen wie Zara gestrichen, was Brodnig als Paradoxon sieht.

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In ihrer Präsentation ermutigte Brodnig die Social Media Nutzer, Opfern digitaler Gewalt aktiv zur Seite zu stehen. Das ist ein wichtiger Appell, denn jeder von uns kann dazu beitragen, ein sicheres Umfeld im Netz zu schaffen. Die Herausforderung, die Frauen im Internet begegnen, ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches, das uns alle betrifft.

Die Relevanz der Thematik könnte nicht höher sein. In einer Zeit, in der digitale Kommunikation einen so zentralen Platz in unserem Leben hat, ist es unerlässlich, dass wir uns nicht von Hass und Bedrohungen einschüchtern lassen. Brodnigs Buch ist ein eindringlicher Aufruf zur Solidarität und zur Verantwortung. Wie können wir gemeinsam daran arbeiten, dass das Internet ein sicherer Ort für alle wird?