Wien-Neubau, 21. April 2026 – Ein bemerkenswerter Aufruf zur Verkehrswende kommt von Greenpeace, unterstützt von Verkehrswissenschaftler Harald Frey und Umweltökonomin Sigrid Stagl. Inmitten der Ankündigung des A9-Ausbaus und den bereits begonnenen Vorarbeiten für den Lobautunnel fordern sie einen Ausbaustopp für das österreichische Schnellstraßennetz. Greenpeace kritisiert die Pläne der ASFINAG, bis 2030 über zwei Milliarden Euro in den Neubau von Schnellstraßen zu investieren, wobei ein großer Teil für den ersten Abschnitt der Lobau-Autobahn vorgesehen ist. Diese Investitionen werden als ökonomisch und politisch unverantwortlich erachtet, insbesondere angesichts der externen Kosten wie Klimaschäden und Gesundheitsbelastungen, die durch den Autobahnausbau verursacht werden.
Die Wissenschaftler und Greenpeace sehen die Notwendigkeit, Verkehrsminister Hanke aufzufordern, das Bauprogramm auf die Sanierung des bestehenden Straßennetzes zu beschränken. Marc Dengler von Greenpeace betont, dass mehr Straßen unweigerlich zu mehr Verkehr führen. Um dem entgegenzuwirken, plädieren die Experten für eine stärkere Förderung des öffentlichen Verkehrs. Harald Frey hebt die Bedeutung einer Systemfinanzierung im Verkehr hervor, die Einnahmen aus dem Straßennetz auch für klimafreundliche Mobilitätsangebote nutzen soll. Sigrid Stagl hingegen weist darauf hin, dass die Investitionen in neue Autobahnen nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch falsch sind.
Forderungen für ein krisensicheres Verkehrssystem
Die Forderungen von Greenpeace und den Wissenschaftlern gehen jedoch über den bloßen Stopp des Autobahnausbaus hinaus. Sie schlagen vor, die Gewinne der ASFINAG für den Aufbau eines krisensicheren Verkehrssystems zu nutzen, das unabhängig von Öl aus Autokratien ist. Diese Vision stellt nicht nur den Schutz der Natur und des Klimas in den Vordergrund, sondern auch die Notwendigkeit, die Mobilität nachhaltig zu gestalten. Die Realität zeigt, dass der motorisierte Individualverkehr in den letzten Jahren stark zugenommen hat und der Verkehrsaufwand kontinuierlich steigt. Ein Umdenken ist dringend notwendig, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.
Der Verkehr und seine Klimabelastungen
Ein Blick über die Grenzen nach Deutschland illustriert die Problematik: Im Jahr 2019 stieß der Verkehrssektor dort 165 Millionen Tonnen CO2 aus, was fast dem Niveau von 1990 entspricht. Der Verkehr macht rund ein Fünftel der energiebedingten Treibhausgasemissionen aus. Ein Rückgang auf 85 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 ist notwendig, was einer nahezu Halbierung der Emissionen innerhalb eines Jahrzehnts entspricht. 96 % der Treibhausgasemissionen im Verkehr stammen aus dem Straßenverkehr, wobei Pkw und Lkw die Hauptverursacher sind.
Eine Verkehrswende wird als unumgänglich angesehen, um die Klimaziele zu erreichen und die externen Kosten des Straßenverkehrs zu reduzieren. Strategien zur Verkehrswende umfassen Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und Effizienzsteigerung. Die Förderung des öffentlichen Verkehrs und des Radverkehrs wird als entscheidend erachtet, um den dominierenden motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen. Der Bundesverkehrswegeplan sieht immense Summen für den Straßen- und Schienenausbau vor, jedoch sind zusätzliche Mittel für die Instandhaltung und den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs dringend erforderlich.
Insgesamt ist der Aufruf von Greenpeace und den Wissenschaftlern ein klarer Appell an die Politik, die Weichen für eine nachhaltige Mobilität zu stellen. Der Schutz der Umwelt und die Förderung eines klimafreundlichen Verkehrssystems müssen an oberster Stelle stehen, um die Lebensqualität zukünftiger Generationen zu sichern. Die Zeit für Veränderungen ist jetzt – und es liegt an uns, diese Veränderungen herbeizuführen.
Für weitere Informationen zu den Forderungen von Greenpeace und den aktuellen Entwicklungen lesen Sie die vollständige Pressemitteilung hier.