In Österreich stehen die Zeichen auf Wandel im Wohnungsbau. 2023 werden voraussichtlich 28.530 neue Wohnungen fertiggestellt – das ist ein Anstieg im Vergleich zu 24.530 im Vorjahr. Diese Zahlen stammen aus dem Neubaubericht der Bauträgerdatenbank Exploreal, die Projekte mit mindestens fünf Wohneinheiten erfasst. Roman Oberndorfer, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, äußert optimistisch, dass dieses Niveau sogar bis 2027 gehalten werden kann. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die darauf hinweisen, dass langfristig zu wenig Wohnraum geschaffen wird. Die aktuelle Fertigstellungsquote liegt bei 3,0 Wohnungen pro 1.000 Einwohner, während sie 2024 bei 4,4 Wohnungen lag. In Wien, dem Zentrum des Geschehens, ist die Quote mit 5,23 Wohnungen pro 1.000 Einwohner am höchsten. Vorarlberg und die Steiermark folgen, während Salzburg und Kärnten die niedrigsten Werte aufweisen.
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der neu errichteten Wohnungen seit 2022 sind die steigenden Kreditzinsen. Seit Beginn 2023 sind die Zinsen für Baufinanzierungen gestiegen, was die Finanzierung von Neubauten erheblich erschwert. Banken verlangen mittlerweile mindestens 60 Prozent Eigenmittel für Wohnbaukredite, eine drastische Erhöhung im Vergleich zu früheren 35 Prozent. Bauträger, die oft keine Bankfinanzierung mehr benötigen, sind gefordert, mindestens 50 Prozent der Wohnungen vor Baubeginn zu verkaufen. Doch Käufer zeigen sich zurückhaltend und möchten nicht die Ersten sein, die eine Wohnung erwerben – Unsicherheiten über den Baubeginn schwirren in der Luft. So tendieren viele zur Kaufentscheidung von Bestandswohnungen. Das Angebot am Markt wird kleiner, die Absorption der verfügbaren Eigentumswohnungen nimmt zu.
Marktentwicklung und Ausblick
Michael Gehbauer, Verbandsobmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen, sieht die Talsohle im Neubau geförderter Wohnungen erreicht. Er rechnet mit einem leichten Anstieg bei den neu errichteten geförderten Wohnungen ab 2027. Die allgemeine Marktentwicklung bleibt jedoch angespannt. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) führt vierteljährlich eine Umfrage durch, die zeigt, dass die Kreditnachfrage von Unternehmen in Österreich sinkt. Das zögerliche Verhalten der Unternehmen bei Investitionen verstärkt den Rückgang der Kreditnachfragen, auch aufgrund globaler Unsicherheiten und der US-Zollpolitik. Im Kontext der Wohnbaufinanzierung zeigen die gesunkenen Zinsen und steigenden Realeinkommen der Haushalte jedoch eine positive Tendenz. Die Banken erwarten für das dritte Quartal 2025 einen Anstieg der Kreditnachfrage für privaten Wohnbau.
Die aktuelle Situation bringt auch Herausforderungen mit sich. Banken haben ihre Kreditvergabe für Unternehmen, insbesondere für Immobilienunternehmen, verschärft. Das führt zu mehr abgelehnten Kreditanträgen. Auch die Kreditqualität hat sich verschlechtert. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten steigt seit 2024, was durch gesunkene Zinsen und höhere Realeinkommen unterstützt wird. Die Vergabe neuer Wohnbaukredite hat sich von einem Tiefststand 2023 erholt und zeigt einen Anstieg von 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend in der Wohnbaufinanzierung weiter entwickeln wird.
Für alle, die sich in diesen unsicheren Zeiten mit dem Thema Baufinanzierung beschäftigen, ist es wichtig, sich umfassend zu informieren. Finanztip beispielsweise bietet kostenlose Inhalte im Internet an, um Menschen bei Finanzentscheidungen zu unterstützen. Die Organisation gehört zu 100 Prozent zur gemeinnützigen Finanztip Stiftung, die sich der Förderung von Finanzbildung verschrieben hat. Alle Gewinne fließen in gemeinnützige Projekte wie die Bildungsinitiative Finanztip Schule. So wird nicht nur die eigene finanzielle Bildung gefördert, sondern auch die von anderen.
Insgesamt bleibt der Wohnungsmarkt in Österreich ein spannendes Thema mit vielen Facetten. Die Entwicklungen in der Baufinanzierung und die unterschiedlichen regionalen Fertigstellungsquoten zeigen, dass es sowohl Herausforderungen als auch Chancen gibt. Wer sich auf dem Markt bewegen möchte, sollte die aktuellen Trends und Prognosen genau beobachten.