In Wien-Wieden brodelt es derzeit in der Nachbarschaft der ehemaligen Abendschule TGA der Arbeiterkammer. Denn die Vorbereitungen für den Abriss dieses älteren Gebäudes in der Plößlgasse laufen auf Hochtouren. Schon seit geraumer Zeit steht das Bauwerk leer und zeigt sich in einem ziemlich maroden Zustand. Die Arbeiterkammer hat nun große Pläne: Anstelle der alten Abendschule soll der Youth Campus „Yoca“ entstehen. Doch nicht alle sind mit diesem Vorhaben einverstanden. Kritiker, wie die Initiative „Allianz für Substanz“, äußern Bedenken über den Abriss und die fehlende Nutzung der bestehenden Substanz. Man könnte fast meinen, hier prallen zwei Welten aufeinander – die der Erneuerung und die der Traditionsbewahrung.

Ilkim Erdost, die Abteilungsleiterin für Bildung der Arbeiterkammer, erläutert die Beweggründe für den Abriss. Ziel des Yoca ist es, ein modernes Bildungshaus für junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren zu schaffen. Die Pläne sehen eine Vielzahl von Angeboten vor: Berufsorientierung, Workshops, Labore, Werkstätten und Ausstellungen. Besonders spannend wird der Fokus auf Flexibilität sein, um den Anforderungen einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt gerecht zu werden. Ein Siegerprojekt eines europaweiten Wettbewerbs hat die Verantwortlichen überzeugt – Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit stehen hier ganz hoch im Kurs.

Der Zustand des Bestands

Die ehemalige Abendschule wurde 1964 erbaut und 1984 erweitert. Doch die Zeiten haben ihre Spuren hinterlassen. Die Struktur des Gebäudes ist veraltet, und Erdost zieht die Konsequenz: Die alten Baustoffe sind stark verklebt, was die Wiederaufbereitung zu einer mühsamen Aufgabe macht. Der Abriss soll im Sommer 2027 beginnen, mit dem ehrgeizigen Ziel, den Yoca bis 2030 zu eröffnen. Aktuell wird die Abendschule in den Rohbauzustand zurückgebaut, indem nicht tragende Baustoffe entfernt werden. Ein Schritt in die Zukunft, der aber auch einen Teil der Vergangenheit hinter sich lässt.

Diese Entwicklungen bringen auch Fragen zur Erhaltung von historischen Gebäuden auf. Die Öffentlichkeit erfährt oft erst nach Abrissen von bedeutenden Bauten, weil regelmäßige Berichte darüber nicht veröffentlicht werden. Behörden entscheiden, was im „öffentlichen Interesse“ liegt, und das führt zu einer gewissen Intransparenz. Ein Beispiel dafür: Der grüne Wohnbausprecher Georg Prack hat 2022 nach Abrissverfahren gefragt und den ersten Einblick in diese oft geheim gehaltenen Prozesse erhalten. Die Stadt Wien hat daraufhin Adressen von Häusern mit laufenden oder genehmigten Abbruchverfahren aufgelistet und somit einen kleinen Lichtblick in die sonst dunkle Welt der Abrissgenehmigungen gebracht.

Öffentliche Zugänglichkeit von Informationen

Die hohe Zahl an genehmigten Abrissen zeigt, dass es Reformbedarf in der Bauordnung gibt. Prack hat auch für die Jahre 2024 und 2025 ähnliche Anfragen gestellt, leider jedoch nur mit Zahlen – keine konkreten Adressen, aus Datenschutzgründen. Um mehr Klarheit zu erlangen, beantragte er Auskunft gemäß dem Auskunftspflichtgesetz. Die Sache landete sogar vor dem Verwaltungsgericht Wien, das entschied, dass Auskunft erteilt werden muss. Die Stadt Wien erhob daraufhin Amtsrevision und beantragte aufschiebende Wirkung, die jedoch abgelehnt wurde. Das Ergebnis? Nun sind die Adressen von Abrissverfahren öffentlich zugänglich – ein kleiner Sieg für die Transparenz.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Pläne rund um die ehemalige Abendschule TGA und den neuen Youth Campus Yoca sind ein spannendes Beispiel dafür, wie städtische Räume sich wandeln können. Ob dieser Wandel allerdings auf Kosten der Vergangenheit geht, bleibt eine spannende und umstrittene Frage in der Öffentlichkeit. Die Diskussion um Abrisse und Neubauten wird sicherlich noch länger anhalten und könnte das Stadtbild Wiens nachhaltig prägen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Wieden weiterentwickelt.

Neues Design, maximale Performance: Wie gefällt Ihnen unsere neue Website?

Ein modernes Nachrichtenportal wie unseres, muss für alle Menschen zugänglich sein. Unser Website System wurde daher konsequent nach den Vorgaben der WCAG 2.1 und BITV 2.0 neu entwickelt – mit sauberer Struktur, ARIA-Attributen und ohne technische Hürden für assistive Technologien. Die barrierefreie Umsetzung verantwortete Daniel Wom / VeloCore.