Heute ist der 24.06.2026 und in Wien-Wieden brodelt es in der Wirtschaftskammer. Die Situation ist alles andere als rosig – die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) wird für das Jahr 2025 mit einem Bilanzverlust von 94 Millionen Euro rechnen müssen. Diese alarmierenden Zahlen wurden auf Anfrage der APA bestätigt. Um das massive Budgetloch zu stopfen, wird auf die Ausgleichsrücklage zurückgegriffen. Die allgemeine Wirtschaftslage wird als schlecht angesehen, was die Planansätze für das WKÖ-Budget, basierend auf Konjunkturprognosen von Sommer 2024, stark beeinflusst hat.

Ursprünglich hatte die WKÖ mit Einnahmen aus Kammerumlagen von 259 Millionen Euro gerechnet, tatsächlich flossen jedoch nur 250 Millionen Euro. Davon kamen 97,2 Millionen Euro aus der umsatzabhängigen Kammerumlage 1, während 152,9 Millionen Euro aus der kammerumlage 2 stammten, die sich nach der Mitarbeiterzahl richtet. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auf die turbulente Zeit zurückzuführen, die die Kammer durchlebt hat. Nach heftiger Kritik an Ex-Chef Harald Mahrer, der wegen einer angepeilten Einkommenserhöhung für Kammer-Mitarbeiter im Herbst 2025 zurücktrat, übernahm Martha Schultz und ordnete einen strikten Sparkurs an.

Sparmaßnahmen und Personalabbau

Der Sparkurs ist nicht nur ein Lippenbekenntnis: Geplant ist ein Personalabbau in der Wiener Zentrale, wo 200 von 800 Jobs gestrichen werden sollen. Auch die Länderkammern sind aufgefordert, ihre Ausgaben zu reduzieren. Schultz und WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger bezeichnen diesen Sparkurs als „alternativlos“. Matthias Krenn, der Chef der Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer, sieht den Mitarbeiterabbau als „angemessen“. Gleichzeitig wiesen die Grünen darauf hin, dass die Kammer über 12.000 Funktionärinnen und Funktionäre sowie mehr als 5.500 Mitarbeitende verfügt – ein riesiges Potenzial, das man vielleicht besser nutzen könnte.

Die Unos wiederum sehen Sparpotenzial bei den Länderkammern, vor allem aufgrund von Doppelstrukturen. Diese Diskussion zeigt, wie angespannt die Situation wirklich ist und wie dringend Einsparungen notwendig erscheinen. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um die Krise zu bewältigen und das Vertrauen in die Wirtschaftskammer zurückzugewinnen.

Ein Blick in die Zukunft

Für das Jahr 2026 hat die WKÖ bereits einen Voranschlag beschlossen, der die verhaltene Wirtschaftsentwicklung und die globale Unsicherheit widerspiegelt. WKÖ-Vizepräsident und Finanzreferent Wolfgang Hesoun berichtet von einem stabilen Umlagenaufkommen im Vergleich zum Voranschlag 2025. Geplant sind 259 Millionen Euro aus Kammerumlagen, wobei 100 Millionen Euro auf die von der Vorsteuer abhängige Kammerumlage 1 entfallen und 159 Millionen Euro auf die kammerumlage 2. Auch die sonstigen betrieblichen Erträge sollen ansteigen, vor allem durch ein neues „Chancenpaket für international orientierte Unternehmen“.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Doch trotz dieser positiven Ansätze wird der Voranschlag 2026 mit einem negativen Betriebserfolg von 5,4 Millionen Euro enden. Der Finanzerfolg wird mit 1,5 Millionen Euro beziffert, was nach Abzug von Kapitalertragssteuern und Rücklagengestion einen Bilanzverlust von 4,2 Millionen Euro zur Folge hat. Um diesen Verlust zu minimieren, sind strikte Einsparungsmaßnahmen und ein strenger Budgetvollzug geplant.

Die WKÖ hat sich auch vorgenommen, in Services zu investieren, um heimische Betriebe zu unterstützen. Diese Dienstleistungen sind seit 2000 um 87 Prozent gestiegen und sollen auch in Zukunft weiter ausgebaut werden. Aktivitäten wie die Teilnahme an Weltleitmessen in Deutschland oder Schwerpunkte in Nah- und Fernost sind in der Pipeline. Zudem wird das Förderprogramm KMU.DIGITAL fortgeführt, um die digitale Transformation der klein- und mittelständischen Unternehmen voranzutreiben. Mit dem Blick auf die Berufsweltmeisterschaften WorldSkills 2026 in Shanghai wird auch die Präsentation österreichischer Nachwuchskräfte in den Fokus gerückt.

Die kommenden Monate werden also spannend. Ob die Wirtschaftskammer die Herausforderungen meistern kann, bleibt abzuwarten.

Neues Design, maximale Performance: Wie gefällt Ihnen unsere neue Website?

Schnelle Ladezeiten sind heute eine der wichtigsten Voraussetzungen für gute Nutzerbindung. Durch die komplette Umsetzung unseres Magazins mit VeloCore mit Daniel Wom profitieren wir nun von einer hochperformanten, effizienten und spürbar schnellen Plattform.