Erhebung der Sorgearbeit in der Kunst: Anna Schachingers Wandbild im Fokus
Im Herzen von Wien-Wieden, im Foyer der Arbeiterkammer, erwartet die Besucher ein imposantes Wandbild, das mehr als 30 Meter misst. Die Künstlerin Anna Schachinger hat mit ihrem Werk „Céu Limpo“ (klarer Himmel) ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt, das sich mit dem Thema Sorgearbeit auseinandersetzt. Es ist, als ob die Farben und Formen der Wandarbeit die Luft zum Klingen bringen, während die vier schwebend installierten Gemälde die Blicke der Passanten anziehen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen.
Die Darstellung von Frauen, die Kleinkinder mit ausgestreckten Armen emporhalten, zieht Parallelen zur klassischen Madonna-Ikonografie. Doch Schachinger geht einen Schritt weiter: Sie kritisiert die Überhöhung der Mutterrolle als ein ideologisches Konstrukt. Die Gesichter der Frauen, überzogen von den Schatten ihrer Kinder, spiegeln die Anstrengung und die oft unsichtbaren Kämpfe wider, die mit der Sorgearbeit verbunden sind. Es ist eine ehrliche, fast schon verletzliche Darstellung, die den Betrachter nicht unberührt lässt.
Eine Ausstellung mit weitreichenden Themen
Die Ausstellung trägt den Titel „Erhebung“ und ist bis zum 30. Oktober 2026 täglich von 8 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen. In diesem Zeitraum können Besucher die Thematik der Fürsorge und Pflege als kreative Kraft erleben, die jedoch leicht in Überforderung umschlagen kann. Dies ist nicht nur eine künstlerische Auseinandersetzung, sondern auch ein gesellschaftlicher Kommentar. Die Arbeiterkammer Wien möchte Kunst als „Kunstfenster“ für ihre Mitglieder öffnen und hat mit dieser Ausstellung ein erstes Projekt unter dem neu eingesetzten Kunstbeirat ins Leben gerufen. Der Kunstbeirat, bestehend aus Heike Eipeldauer, Günther Oberhollenzer und Luisa Ziaja, sorgt für eine Qualitätssicherung der Ausstellungsreihe und begleitet die Kunstexpert:innen bei diesem Vorhaben.
Diese Wandarbeit ist nicht nur eine Augenweide, sondern regt auch zum Nachdenken an. Sie zwingt uns, die gesellschaftlichen Normen und Erwartungen an Frauen und ihre Rolle in der Gesellschaft zu hinterfragen. In einer Zeit, in der Gleichstellung der Geschlechter in der Kunst und Kultur noch immer ein unerreichtes Ziel ist, wird die Bedeutung solcher Ausstellungen klarer denn je. Der erste Gender Report im Bereich Kunst und Kultur für Österreich hat aufgezeigt, dass es hier noch viel zu tun gibt. Die Ergebnisse fordern die zukünftige Regierung dazu auf, Gleichstellungsmaßnahmen zu ergreifen und die Verpflichtung größerer Kunst- und Kulturinstitutionen zur Entwicklung von Frauenförderplänen einzufordern.
Es ist eine spannende Zeit für die Kunstszene in Österreich. Die Herausforderungen sind zahlreich, aber Ausstellungen wie die von Schachinger bringen frischen Wind und sorgen dafür, dass diese Themen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch im öffentlichen Raum diskutiert werden. Ein Schritt in die richtige Richtung, der hoffentlich viele weitere nach sich zieht.
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