Wiener Neustadt wurde vom 3. bis 17. Oktober 2026 zur offenen Werkstatt: Beim Bold Arts Festival entstanden großflächige Wandgemälde, dreidimensionale Straßenkunst und weitere Arbeiten im Stadtgebiet. Farbe landete dabei nicht nur auf Wänden, sondern auch auf dem Boden, auf Leinwänden und – unter Schwarzlicht – dort, wo sie plötzlich neonhell leuchtete.

Zum Auftakt in der Elazar-Benyoëtz-Gasse kamen rund 70 Interessierte zum Spray Jam. Die Graffiti-Künstler Nekro und Bad Hare schufen neue Werke, während Besucherinnen und Besucher unter Anleitung selbst zur Spraydose greifen konnten. Ein bisschen Mut, ein ruhiger Arm – und schon war die eigene Spur an der Wand.

Kreide, 3D-Effekt und leuchtende Leinwände

Beim Programmpunkt „Street Art zum Staunen“ am BORG-Platz wurde mit Kreide und abwaschbaren Farben gearbeitet. Milivoj Kostic und seine Frau gestalteten eine dreidimensionale Straßenmalerei, Stefanie Grasberger eine detailreiche Spitzmaus. Eine Schulklasse machte spontan bei einem kurzen 3D-Workshop mit.

Den Abschluss bildete am 16. Oktober „Neon Flow“ im MÄX Wiener Neustadt. Rund 30 Gäste gestalteten unter Schwarzlicht leuchtende Kunstwerke, dazu gab es Musik und Tanz. Die Workshops leiteten Angelika Hiebl und Kristina Florian, DJ DYMINIX lieferte Drum & Bass.

Der Abend war als kreativer Kunstworkshop mit DJ-Musik und Party-Atmosphäre angelegt: Einlass war um 19:30 Uhr, der Workshop lief von 20:00 bis 22:00 Uhr. Das Angebot kostete 38 Euro pro Person, war auf maximal 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrenzt und richtete sich an Personen ab 20 Jahren. Vorkenntnisse waren nicht erforderlich.

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Nach Begrüßung, Einführung und einer Einstiegsübung zum Kennenlernen der Materialien gestalteten die Gäste eine eigene Leinwand mit Neon-Acrylfarben. Das Motiv durfte abstrakt, bunt oder wild ausfallen. Eine geöffnete Bar, DJ-Musik und das Arbeiten im eigenen Tempo gehörten ebenso dazu wie Anleitungen, Tipps und Inspiration durch das Team. Im Preis enthalten waren Leinwand, Neon-Acrylfarben, sämtliches benötigtes Zubehör sowie professionelle Anleitung und Unterstützung. Das fertige Werk konnte direkt nach dem Workshop mitgenommen oder am nächsten Tag während des Abbau-Zeitfensters abgeholt werden.

Die Workshopleiterinnen Angelika und Kristina wurden als Angelika mit Bezug zu Wien und Wiener Neustadt sowie als kreative Macherin beschrieben. Angelika kümmerte sich um Organisation und kreative Unterstützung, Kristina half bei der Gestaltung. Für den Abend wurde auch auf eine Möglichkeit zum Ticketkauf hingewiesen.

Was bleibt, wenn die Dosen leer sind

Ein Teil der Arbeiten bleibt dauerhaft im Stadtbild. Am Campus 1 der Fachhochschule Wiener Neustadt gestalteten 37 und Mike Hotel eine Wand. An der Rückwand der Justizanstalt in der Kammanngasse arbeiteten Nadine Werjant, Crazy Mister Sketch, Salab, Noel und Illunis. Im Innenhof der Musikvolksschule in der Herzog-Leopold-Gasse sowie beim MÄX in der Singergasse setzte Grime seine Arbeiten um. Die Fachhochschule Wiener Neustadt war offizielle Kooperationspartnerin des Festivals.

Kulturstadtrat Franz Piribauer und Stadtrat LAbg. Philipp Gerstenmayer zogen eine positive Bilanz. Sie verwiesen vor allem auf die bleibenden Kunstwerke und die Möglichkeiten für junge Menschen, selbst mitzumachen – nicht bloß zuzuschauen.

2027 soll das Festival fortgesetzt werden. Dafür sucht die Stadt bereits zusätzliche geeignete Wandflächen im öffentlichen Raum, besonders in der Wiener Neustädter Innenstadt. Angesprochen sind Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer, Unternehmen, Künstlerinnen und Künstler sowie Personen mit Projekt- oder Kooperationsideen. Kontakt: office@maex-wn.at.

Street Art über die Stadtgrenzen hinaus

In der Steiermark lief heuer mit dem Urban Art Festival Styria vom 23. Juli bis 2. August 2026 ein weiteres großes Format dieser Art – in Graz, Passail und weiteren Regionen. Unter dem Jahresthema „Europe in Touch“ verband es Street Art, Graffiti, Musik, Medienkunst, Upcycling, Design und Crossover. Plätze, Wände und Objekte wurden künstlerisch gestaltet; großflächige Werke an öffentlichen Orten sollten Aufmerksamkeit und Austausch fördern. Recycelte Materialien verwandelten sich in Mode und Kunstwerke, junge Musikströmungen aus verschiedenen Teilen Europas kamen in den öffentlichen Raum.

Internationale Künstler wie Sheep Chen (China), Koctel (Spanien) und Noura Binsaidan (Saudi-Arabien) arbeiteten mit jungen Künstlern aus europäischen Ländern an neuen Projekten. Das Musikprogramm setzte auf Eigenproduktionen und neue Interpretationen. In einem „Musiklabor“ wurden Musikstücke komponiert, produziert und uraufgeführt. Erasmus+-Teilnehmende aus Norwegen, Lettland, der Türkei, Bosnien und Herzegowina, der Slowakei, Griechenland, Spanien, Frankreich und Österreich präsentierten ihre Länder durch Musik, Traditionen, Kunst und Kultur.

Genannt werden dort Norbert Lipp für Idee, Konzept und künstlerische Leitung, Christa Lorenz für die Geschäftsführung und Lina Paimina als Kuratorin. Zum Umfeld gehörte außerdem das Erasmus+ Artists in Residence Program – Future Icons, das vom 1. bis 30. Juni 2026 in Graz und der Steiermark stattfand. Es widmete seine Kunstproduktionen jährlich aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, lud international bekannte Künstler aus zeitgenössischer Bildkunst, Urban Art, Medienkunst und Film ein und brachte sie für Kunstprojekte, Ausstellungen, Performances und neue Medienformate mit der steirischen Kunstszene und benachbarten Ländern zusammen. Das Thema der künstlerischen Produktionen lautete „Transformation“.