Pflegenahversorgung im Lavanttal: Fünf Frauen organisieren Hilfe, bevor Pflege zur Krise wird
Wenn ältere Menschen in Wolfsberg oder im Lavanttal Unterstützung brauchen, muss nicht erst alles aus dem Ruder laufen. Fünf Pflegenahversorgerinnen helfen älteren und hilfsbedürftigen Menschen sowie ihren Angehörigen dabei, die passende Pflege und Betreuung zu finden und zu organisieren.
Die Beratung ist kostenlos. Ziel ist, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und den Verbleib im eigenen Zuhause zu ermöglichen. Angehörige können sich zu Pflegefragen, finanziellen Unterstützungsleistungen und Entlastungsmöglichkeiten beraten lassen. Gespräche sind nach Vereinbarung in den Büros oder bei Hausbesuchen möglich.
Wer für welche Gemeinde zuständig ist
Die Zuständigkeiten sind regional aufgeteilt: Silvia Fellner betreut Bad St. Leonhard, Preitenegg, Reichenfels und Frantschach-St. Gertraud. Für das Stadtgebiet Wolfsberg sind Julia Hipfl und Sigrid Baumgartner zuständig. Jana Schein ist Ansprechpartnerin für St. Paul, St. Georgen und Lavamünd, Claudia Schratter für St. Andrä.
Informiert wird unter anderem über mobile Dienste, Pflegeheime und Entlastungsangebote. Die Pflegenahversorgerinnen helfen bei Anträgen und Behördenwegen, organisieren Pflege- und Betreuungsleistungen und koordinieren, wenn mehrere Angebote zusammenspielen müssen. Fehlen andere Möglichkeiten, können auch Besuchsdienste sowie Einkaufs- und Fahrtendienste vermittelt werden.
Dafür arbeiten die Frauen mit Gemeinden, dem Sozialhilfeverband, der Bezirkshauptmannschaft, der GPS-Stelle, dem Land Kärnten und weiteren Einrichtungen zusammen. Viele Betroffene melden sich allerdings erst, wenn die Pflegesituation schon schwierig ist. Eine frühzeitige Beratung erleichtert die Suche nach individuellen Lösungen, sagt Claudia Schratter. Gerade bei akutem Bedarf können Wartezeiten bei mobilen Diensten oder Pflegeheimen die Organisation erschweren.
Beratung in Wolfsberg: telefonisch, daheim oder in der Alten Post
In Wolfsberg wurde das Modell der Pflegenahversorgung gemeinsam mit dem Sozialhilfeverband, dem Land Kärnten und der GPS-Stelle der Bezirkshauptmannschaft eingeführt. Das Angebot ist kostenlos und wird dauerhaft, unbefristet durch das Land Kärnten finanziert. Eine Altersgrenze gibt es nicht; vorrangig richtet sich die Unterstützung an ältere oder pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige.
Die Betreuung ist telefonisch, bei Hausbesuchen oder im Gebäude der Alten Post am Hohen Platz möglich. Sprechstunden finden montags und mittwochs von 8–12 Uhr im ersten Stock der Alten Post statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Telefonisch ist die Pflegenahversorgung Montag bis Donnerstag von 8–14 Uhr und Freitag von 8–12 Uhr erreichbar.
Hausbesuche sind mehr als ein kurzer Termin an der Wohnungstür: Sie helfen, die konkrete Situation vor Ort zu erfassen, Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erkennen und passende Lösungen zu planen. Unterstützung kann nach einem Krankenhausaufenthalt nötig sein, bei Problemen im Alltag, bei Unsicherheit über eine mögliche Pflegebedürftigkeit oder bei Fragen zu sozialen und pflegerischen Angeboten.
Zum Aufgabenbereich gehören Informationen zu Gesundheits-, Pflege- und Sozialangeboten, die Organisation mobiler sozialer Dienste sowie Hilfe bei Anträgen, etwa für Pflegegeld, Pensionen und Heilbehelfe. Auch der Betreuungsalltag kann gemeinsam organisiert werden. Dazu kommen Kurzzeitpflege, Ersatzpflege- und Pflegegeldförderungen, Hol- und Bringdienste, die Aufnahme in ein Pflegeheim sowie die Betreuung und Begleitung pflegebedürftiger Menschen.
Nach Krankenhausaufenthalten wird ebenso unterstützt wie bei Behördenwegen. Soziale Aktivitäten zur Gesundheitsvorsorge können gefördert, Tätigkeiten zur besseren Versorgungsplanung dokumentiert und ein Pflegestammtisch organisiert werden. Auch medizinisches Personal des Landeskrankenhauses oder der Notaufnahme kann bei erkanntem Unterstützungsbedarf den Kontakt zur Pflegenahversorgung herstellen.
Eine wichtige Grenze bleibt: Medizinische Diagnosen, Gesundheitsdiagnostik und direkte medizinische Pflege gehören nicht dazu. Die Pflegenahversorgung ersetzt weder die tägliche Pflege durch Angehörige noch Pflegeheime oder ambulante Pflegedienste. Sie berät außerdem präventiv – also schon bevor eine Pflegebedürftigkeit eintritt – und hilft bei der Planung möglicher späterer Pflege.
Fünf Ansprechpartnerinnen und viele helfende Hände
Für die regionale Beratung im Bezirk stehen folgende Kontakte zur Verfügung:
- Silvia Fellner: 0664/5180810
- Sigrid Baumgartner: 0664/8411454
- Julia Hipfl: 0664/8411455
- Jana Schein: 0664/5180799
- Claudia Schratter: 0664/606896455
Für Wolfsberg gibt es zusätzlich die E-Mail-Adresse pflegenahversorgung@wolfsberg.at. Julia Hipfl und Sigrid Baumgartner sind dort die Pflegenahversorgerinnen. Akute Fälle werden meist rasch organisiert; in weniger dringenden Situationen kann Unterstützung innerhalb weniger Tage oder Wochen erfolgen.
Sigrid Baumgartner wohnt in Reichenfels. Sie hat Soziale Arbeit an der FH Kärnten studiert und ist außerdem Demenzbegleiterin, Seniorengedächtnistrainerin, EduKation-Demenz-Multiplikatorin und Seniorenanimateurin. Beruflich war sie in der Seniorenanimation, in der psychosozialen Betreuung und Verwaltung der Seniorenresidenz Obdach, als Sozialarbeiterin im Kinderschutzzentrum Delfi Wolfsberg sowie in der selbstständigen psychosozialen Beratung tätig.
Julia Hipfl lebt in St. Gertraud. Ihre Ausbildung umfasst den Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege, Zusatzqualifikationen in Advanced Life Support, Pflegegeldzertifizierung und der Verordnung von Medizinprodukten sowie ein Masterstudium Gesundheitsmanagement, das sie im Juni 2025 abgeschlossen hat. Erfahrung sammelte sie im klinischen Bereich und in der mobilen Hauskrankenpflege.
Gesucht werden zusätzlich ehrenamtliche Helfer für Fahrten und Besuchsdienste. Die Pflegenahversorgung baut eigene Helfergruppen auf, betreut sie, arbeitet mit bestehenden Ehrenamtsgruppen zusammen, vernetzt sich mit Sozial- und Gesundheitsdiensten und erhebt örtliche Pflege-, Sozial- und Gesundheitsangebote. So sollen auch mögliche Versorgungslücken erkannt werden.
Das Land Kärnten unterstützt ehrenamtliche Tätigkeiten mit der Übernahme der Haft- und Unfallversicherungsprämie, einer Basisschulung, der Refundierung des amtlichen Kilometergeldes und Anerkennungsmaßnahmen. Mögliche Aufgaben reichen von Besuchsdiensten und Einkaufsfahrten über die Begleitung zu Arztbesuchen bis zu Friedhofs- und Pflegeheimbesuchen, Kartenspielen und Spaziergängen.
Auch 24-Stunden-Pflege kann eine Option sein
Wenn das Leben daheim dauerhaft Unterstützung braucht, wird manchmal auch 24-Stunden-Pflege im eigenen Zuhause als Alternative zum Pflegeheim interessant. Genannt werden eine persönlichere Betreuung und potenziell geringere Kosten als bei einem Pflegeheimplatz. Zur Finanzierung können Zuschüsse genutzt werden, beispielsweise Pflegegeld.
Je nach Agentur übernehmen Pflegekräfte Grundpflege und Körperpflege, Einkaufen und Kochen, das Sauberhalten der Wohnung sowie Betreuung und soziale Freizeitaktivitäten. Leistungen und Preise unterscheiden sich allerdings deutlich. Wer diesen Weg überlegt, sollte mehrere Anbieter vergleichen – damit am Ende nicht nur der Preis passt, sondern auch die Betreuung zuverlässig funktioniert.
