Wolfsberg fragt: Wie viel Schönheitsdruck hält die junge Psyche aus?
Im Haus der Musik in Wolfsberg drehte sich alles um eine Frage, die viele Jugendliche begleitet: Wie bleibt man seelisch stabil, wenn Schönheitsnormen, soziale Medien und neue Technologien ständig mitreden? Die Stadtgemeinde Wolfsberg veranstaltete dazu eine Mental Health Convention zur psychischen Gesundheit junger Menschen.
Initiiert wurde die Veranstaltung von Vizebürgermeisterin Michaela Lientscher. Gemeinsam mit Bürgermeister Alexander Radl eröffnete sie die Convention. Auf dem Programm standen konkrete Belastungen aus dem Alltag Jugendlicher – darunter der Druck durch Schönheitsnormen und dessen Einfluss auf das Selbstwertgefühl sowie Chancen und Gefahren moderner KI-Anwendungen bei seelischen Belastungen.
Zwischen Schönheitsdruck und künstlicher Intelligenz
Neben praktischen Ratschlägen gab es Gelegenheit, Kontakte zu sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen zu knüpfen. Gerade wenn es im Kopf ordentlich kracht, kann ein erster erreichbarer Ansprechpartner viel ausmachen. Slam-Poetin Katharina Wenty gestaltete den künstlerischen Rahmen.
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe folgt am Dienstag, 17. November 2026, um 18:30 Uhr im Wolfsberger Rathaus der Vortrag „Zwischen Förderung und Überforderung – Eltern und Kinder unter Druck“ mit der Psychologin Dr. Adele Lassenberger. Der Eintritt ist frei.
Wenn Körperbilder am Selbstwert rütteln
Wie stark Bilder aus sozialen Medien und gesellschaftliche Normen auf Jugendliche wirken, beschäftigt auch das Projekt „I am good enough. Stark durch vielfältige Körperbilder“ der Wiener Gesundheitsförderung (WiG) und queraum, das 2025 fortgesetzt wird. Es richtet sich an Jugendliche, erwachsene Bezugspersonen, Pädagoginnen, Jugendarbeiterinnen und weitere Interessierte.
Im Mittelpunkt stehen Schönheitsideale, KI-generierte Avatare und die Frage, wie ein stabiles Selbstwertgefühl möglich bleibt. Auch Diskriminierung aufgrund des äußeren Erscheinungsbilds und die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen werden behandelt. Das kostenlose Angebot umfasst Schulprojekte, Webinare für Multiplikatorinnen und eine Online-Vortragsreihe. Ziel ist, die psychosoziale Gesundheit junger Menschen zu stärken, Medienkompetenz zu fördern und eine kritische Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen anzuregen.
WiG-Geschäftsführer Dennis Beck weist darauf hin, dass sich Jugendliche in vulnerablen Entwicklungsphasen häufig mit anderen vergleichen. Vielfältige Schönheitsbilder und Unterstützung durch Erwachsene sollen zu einem stabilen Selbstwertgefühl beitragen – ein Anspruch, der im Alltag freilich nicht mit einem Klick erledigt ist.
Online-Vorträge und Weiterbildungen
Am 5. März 2025, von 17:00 bis 18:00 Uhr, ging es im kostenlosen Online-Vortrag „Good enough trotz Ozempic & KI“ mit der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner um Diskriminierung aufgrund des äußeren Erscheinungsbilds, den gesellschaftlichen Hype um Abnehmspritzen und digital erstellte KI-Avatare. Außerdem standen Medienkompetenz und Systemkritik, Wege zu einem stabilen Selbstwert sowie ein inklusives, solidarisches Miteinander auf dem Programm.
Dabei wurde beschrieben, dass als attraktiv geltende Menschen unter anderem bessere Bildungschancen, häufiger Einladungen zu Bewerbungsgesprächen, höhere Einkommen und eine bessere Gesundheitsversorgung erhalten können. Als unattraktiv geltende Menschen sind dagegen häufiger Vorurteilen, Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt.
Der zweite kostenlose Online-Vortrag, „Schönheit ohne Norm – warum Behinderung nicht hässlich ist“, fand am 3. April 2025 von 17:00 bis 18:00 Uhr statt. Vortragende war Heidemarie Egger von FmB – Interessensvertretung Frauen mit Behinderungen; sie ist geschäftsführende Vorständin im Leadership-Sharing mit Julia Moser. Thematisiert wurden ableistische Schönheitsideale, der Ausschluss vieler Körper sowie die Überschneidung von Behinderung und Geschlecht. Ziel war, die eigene Haltung zu Behinderung zu hinterfragen und ein neues Verständnis von Schönheit zu entwickeln. Die Teilnahme an beiden Vorträgen war kostenlos und setzte eine Anmeldung voraus.
Für Multiplikator*innen aus Schule und Offener Jugendarbeit gab es kostenlose Online-Weiterbildungen am 2. April 2025 von 17:30 bis 19:00 Uhr, am 8. Mai 2025 von 10:00 bis 11:30 Uhr und am 21. Mai 2025 von 17:30 bis 19:00 Uhr. Die Workshops behandelten den Einfluss von Körperbildern und Schönheitsidealen in sozialen Medien auf Jugendliche, mögliche Risiken für ein instabiles Selbstbild sowie Schutzfaktoren und Handlungsmöglichkeiten zur Förderung eines gesunden Selbstwertgefühls. Auch hier war eine Anmeldung nötig.
Umgesetzt wird das Projekt von der Wiener Gesundheitsförderung und queraum. kultur- und sozialforschung, gefördert aus Mitteln des Fonds Gesundes Österreich. Weitere Informationen gibt es unter wig.or.at/i-am-good-enough.
