700 Jahre Kirchenwirt Leogang: Wo Geschichte auf alpine Küche trifft
Anfang November 2026 wurde im Kirchenwirt in Leogang gefeiert – gemeinsam mit dem Hotel Post am See in Traunkirchen. Beide Häuser bringen es zusammen auf 1.400 Jahre Geschichte. Ein ordentliches Stück Zeit, das da an einem Tisch saß.
Der Kirchenwirt blickt auf mehr als 700 Jahre zurück. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1326, als er gemeinsam mit dem Kirchenbau erstmals urkundlich erwähnt wurde – damals als „Taverne zu St. Leonhard“. Damit zählt das Haus zu den ältesten, nach Angaben des Betriebs sogar zum ältesten Wirtshaus im Salzburger Land. Ausgezeichnet ist es außerdem als österreichisches Kulturerbe.
Eine Fahne als Zeichen der Verbundenheit
Das Hotel Post am See in Traunkirchen wurde 1327 gegründet und ist ebenfalls eng mit der österreichischen Wirtshaustradition verbunden. Zur gemeinsamen Feier kamen unter anderem Barbara Kottke und Hans-Jörg Unterrainer vom Kirchenwirt sowie Monika und Wolfgang Gröller vom Hotel Post am See.
Der Höhepunkt war eine symbolische Fahnenübergabe: Die Gastgeberfamilie Unterrainer-Kottke übergab die Fahne an die Familie Gröller. Dahinter standen die Weitergabe gemeinsamer Traditionen, gegenseitige Wertschätzung und der Wunsch, die österreichische Wirtshaustradition auch für kommende Generationen zu erhalten.
Bei einem kulinarischen Rundgang durch den Kirchenwirt und den denkmalgeschützten Samerstall bekamen die Gäste Einblicke in die Geschichte des Hauses. Massive Mauern, gewölbte Stuben und historische Bauelemente sind bis heute erhalten. Verschiedene Epochen machten sichtbar, wie eng die Entwicklung des Wirtshauses mit jener der Region Saalfelden-Leogang und dem gesellschaftlichen Leben verbunden ist.
Im Spätmittelalter lag der Kirchenwirt an der wichtigen Verkehrsroute zwischen Tirol und Salzburg. Reisende, Fuhrleute, Bergleute und Pilger fanden dort Schutz, Verpflegung und Gemeinschaft. Der Gebäudekomplex erzählt dabei von bäuerlichen Ursprüngen, vom Bergbau und später von der alpinen Kultur – Geschichte, die nicht nur in Büchern steckt, sondern in Holz, Stein und alten Raumfolgen.
Vom historischen Haus zur alpinen Küche
Seit rund 150 Jahren ist der Kirchenwirt im Besitz der Familie Unterrainer. Heute führt die sechste Generation, Barbara Kottke und Hans-Jörg Unterrainer, den Betrieb. Dazu gehören ein Gourmetwirtshaus und ein historisches Hotel. Alte Bausubstanz trifft auf moderne Elemente, etwa in den Themenzimmern und im zeitgenössischen Design.
Auf den Tellern heißt das Konzept „Alpine Küche“. Verwendet werden Produkte, Rezepte und Traditionen aus dem gesamten Alpenraum. Dafür erhielt der Kirchenwirt unter anderem einen Michelin-Stern, vier Hauben von Gault Millau sowie Auszeichnungen für eine der besten Weinkarten der Alpen.
Das Jahr 2026 steht im Zeichen des 700-jährigen Jubiläums. Geplant ist ein Veranstaltungsprogramm mit Begegnungen, Rückblicken und Ausblicken für Gäste sowie Interessierte aus Medien, Kunst und Gastronomie. Nach dem Rundgang ging es bei der Feier jedenfalls in die Wirtsstube, wo persönliche Gespräche und Begegnungen im Mittelpunkt standen. Kein großes Bühnenprogramm nötig – manchmal reicht ein voller Tisch, ein Glas in der Hand und Zeit zum Reden.
Wenn Einkehr zum Ausflug dazugehört
In der Wirtshauskultur gelten Häuser wie der Kirchenwirt auch als Ausflugswirtshäuser: Der Besuch eines reizvollen Ziels verbindet sich mit einer Einkehr. Gäste kommen typischerweise vor oder nach einem Spaziergang, einer Wanderung oder einer Ausfahrt. Neben Naturerlebnis und sehenswerten Zielen in der Umgebung lockt der kulinarische Genuss.
Das Angebot kann dabei von einfacher, bodenständiger Küche bis zu anspruchsvoller, gehobener Küche reichen. Atmosphäre, Stil des Hauses und die Speisen sollen den Tag auch bei schlechtem Wetter in guter Erinnerung halten. Im Kirchenwirt gehört dazu eine Geschichte, die bis 1326 zurückreicht – und eine Wirtsstube, in der es nach dem Rundgang wieder ganz gegenwärtig wird.
