job.art gibt Salzburgs Jugendlichen eine zweite Chance – Schritt für Schritt zurück in Ausbildung und Arbeit
In Zell am See bekommen Jugendliche eine zweite, manchmal auch dritte Chance, wenn Schule, Ausbildung und Arbeit gerade nicht weiterhelfen. Das Beschäftigungsprojekt „job.art“ begleitet seit zehn Jahren junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die weder arbeiten noch eine Ausbildung machen oder zur Schule gehen. Rund 400 Jugendliche aus Salzburg waren bisher dabei.
Der Einstieg ist oft unspektakulär: wieder regelmäßig kommen, einen Tag durchhalten, sich auf eine Aufgabe einlassen. Genau dort setzt job.art an. Kreatives und praktisches Arbeiten trifft auf Tagesstruktur und sozialpädagogische Betreuung. Die Jugendlichen sollen Selbstvertrauen gewinnen, Verantwortung übernehmen und eine konkrete schulische oder berufliche Perspektive entwickeln.
Schritt für Schritt zurück in den Alltag
Projektleiterin Carina Lechner-Kutil nennt als wichtige Entwicklungsschritte, dass die Jugendlichen wieder regelmäßig teilnehmen, eine Tagesstruktur aufbauen, ihre Stärken und Fähigkeiten erkennen und realistische nächste Schritte planen. Diese können in Richtung Schule, Ausbildung, Qualifizierung oder Arbeitsmarkt führen. Kein großer Sprung auf einmal – eher einer nach dem anderen.
Standorte gibt es in Zell am See und in St. Johann im Pongau. Damit erreicht das Angebot auch Jugendliche im ländlichen Raum. Beim zehnjährigen Bestehen informierte sich Landesrat Wolfgang Fürweger über das Projekt.
Mehrere Teilnehmer wechselten nach job.art in Schulen, Ausbildungen, weiterführende Maßnahmen oder direkt in Beschäftigung. Als Beispiel wird ein Jugendlicher genannt, der an der Holzfachschule Kuchl begonnen hat. Für ihn ging es also vom Projekt weiter in eine konkrete Ausbildung.
Gute Ergebnisse in der Untersuchung
Die Wirksamkeit wurde wissenschaftlich geprüft. Eine Untersuchung des Instituts für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung im Auftrag des Landes Salzburg ergab, dass 79 Prozent das Projekt regulär beendeten. 92 Prozent blieben länger als einen Monat dabei. Auch die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt nach der Teilnahme wurde positiv bewertet.
Ursprünglich startete job.art als Pilotprojekt über den Europäischen Sozialfonds (ESF), kofinanziert vom Land Salzburg. Eine Evaluierung bildete die Grundlage für die Entscheidung, das Angebot fortzuführen. Heute finanziert das Land Salzburg job.art mit rund 367.000 Euro jährlich. Umgesetzt wird es von der ibis acam Bildungs GmbH.
Wenn der Weg in Arbeit früh abreißt
Der Salzburger Ansatz steht in einem größeren österreichischen Zusammenhang. Jugendliche und junge Erwachsene werden aus unterschiedlichen Gründen beschäftigungslos. Besonders häufig betroffen sind migrantische Jugendliche der ersten Generation, die weder arbeiten noch eine Ausbildung absolvieren. Das bestätigt ein Forschungsbericht des Instituts für Höhere Studien (IHS) für den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), der empfiehlt, Betroffene möglichst früh zu erreichen und zu unterstützen.
Untersucht wurden 15- bis 24-Jährige, die sich weder in Beschäftigung noch in Ausbildung oder Schulung befinden – kurz NEET, „Not in Education, Employment or Training“. Die Analyse stützte sich überwiegend auf quantitative Daten aus dem Jahr 2022 sowie auf qualitative Interviews.
Laut Statistik Austria waren 2022 27,3 Prozent der Jugendlichen der ersten Migrationsgeneration NEET. Bei der zweiten Generation lag der Anteil bei 13,3 Prozent, bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund bei 8,7 Prozent. Damit waren Jugendliche der ersten Migrationsgeneration mehr als dreimal so häufig NEET wie jene ohne Migrationshintergrund.
Nach Geburtsland zeigten sich ebenfalls deutliche Unterschiede: Bei in Deutschland Geborenen lag der Anteil bei 16,3 Prozent, bei Jugendlichen aus der Russischen Föderation bei 24,3 Prozent. Für Jugendliche aus Afghanistan und Syrien wurden jeweils bis zu 33 Prozent ausgewiesen. Bei Jugendlichen aus sonstigen europäischen Staaten, darunter Ukraine und Georgien, waren es 46,6 Prozent.
Auch innerhalb einzelner Herkunftsgruppen verlief die Entwicklung zwischen jungen Frauen und Männern nicht gleich. Bei Jugendlichen aus der Türkei waren 21,5 Prozent der jungen Männer und 33,2 Prozent der jungen Frauen weder beschäftigt noch in Ausbildung oder Schulung.
