Valerie Hillebrand übernimmt Verantwortung für die nächste Generation bei Hillebrand Bau
In Zell am See steht ein Generationenwechsel an, der bei Hillebrand Bau, Holz & Immobilien weit über eine Personalie hinausgeht: Valerie Hillebrand, 30, ist seit März 2026 Prokuristin der Holding und die erste Frau in der Nachfolge des Salzburger Familienunternehmens. Ihr Vater Bernd und ihr Onkel Wolfgang bleiben vorerst Eigentümer und Geschäftsführer. Anteile und operative Verantwortung sollen schrittweise auf sie übergehen.
Gegründet wurde der Betrieb 1941 von Valeries Urgroßvater Ing. Peter Hillebrand als kleine Zimmerei in Wals bei Salzburg. 1966 übernahm sein Sohn BM Ing. Herbert Hillebrand den Betrieb, 1994 stiegen die heutigen Eigentümer und Geschäftsführer Bernd und Wolfgang Hillebrand ein. Heute beschäftigt die Gruppe rund 220 Mitarbeitende an Standorten in Wals bei Salzburg, Zell am See und München beziehungsweise im südbayerischen Raum. Der operative Jahresumsatz lag zuletzt bei mehr als 80 Mio. Euro.
Vom Familienbetrieb zum Unternehmen mit mehreren Säulen
Hillebrand ist seit mehr als 80 Jahren als Komplettanbieter tätig. Die Gruppe deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: Projektentwicklung, Planung, Bau, Holzbau und Verkauf. Entwickelt, geplant und realisiert werden Eigenheime, Gewerbeimmobilien, nachhaltige Quartiere und Projekte vom ersten Spatenstich bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Zum Unternehmen gehören auch hauseigene Handwerksbetriebe in den Bereichen Bau und Zimmerei sowie ein über Generationen aufgebauter Immobilienbestand verschiedener Assetklassen.
Die Brüder Bernd und Wolfgang Hillebrand gestalten ihre Rollen in den operativen Geschäften neu. Künftig wollen sie sich stärker auf strategische und zukunftsorientierte Themen der Unternehmensentwicklung konzentrieren. Aus dem inhabergeführten Familienunternehmen soll schrittweise ein von Topmanagern geführtes Unternehmen werden. Mag. Andrea Auer begleitet diesen Veränderungsprozess und verantwortet Personalentwicklung, Organisationsentwicklung und Unternehmenskultur.
Organisiert wird die Firmengruppe in drei operative Säulen: Bau und Generalunternehmen einschließlich Planung, Holzbau und Zimmerei sowie Projektentwicklung und -steuerung, Bauträgergeschäft und Vertrieb. Die drei Bereiche werden von langjährigen Mitarbeitern als Geschäftsführer geleitet.
Für Projektentwicklung und -steuerung, Bauträgergeschäft und Vertrieb in Österreich und Deutschland ist DI Karl-Heinz Rossmann seit Anfang 2024 als Geschäftsführer zuständig. Neben der klassischen Immobilienprojektentwicklung gehören Quartiersentwicklung, Nachverdichtungsprojekte und neue Wohnformen zu seinen Aufgaben.
Baumeister Josef Feichtenschlager leitet seit Januar 2024 den Bereich Bau und Generalunternehmen einschließlich Planung. Ihm stehen sechs Prokuristen zur Seite: DI BM Daniel Vidovic, BM Ing. Alexander Fichtner, Ing. Stefan Urthaler-Fratt, Ing. Bernhard Haym, BSc., BM Ing. Robert Haslauer und Ing. Stefan Stahl. Die Führungskräfte sind seit vielen Jahren im Unternehmen tätig und betreuen Hochbauprojekte vom Einfamilienhaus über Wohn- und Gewerbebauten bis zu Kommunal- und Hotelbauten. Das Tätigkeitsgebiet reicht von Salzburg und Umgebung über den südbayerischen Raum bis nach München.
Die hauseigene Planung mit 13 Planern und Architekten verantworten DI Bernhard Schattauer und Thomas Schoosleitner. Im Holzbau und in der Zimmerei übernimmt Holzbaumeister Christian Schoosleitner ab Januar 2024 die Verantwortung. Er begann seine Laufbahn als Lehrling bei Hillebrand. Unterstützt wird er von Prokurist Martin Gfrerer; beide sollen den Holzbaubereich weiter ausbauen. Den Salzburger Holzbaupreis erhielt Hillebrand 2023.
Um die kaufmännische Leitung der Firmengruppe kümmert sich weiterhin Gerhard Koller. Mag. (FH) Günter Heimel unterstützt ihn als neu ernannter Prokurist. Gemeinsam verwalten und managen sie das Immobilienportfolio und die finanziellen Belange des Unternehmens.
Valerie Hillebrand setzt auf Zuhören
Wirtschaftspsychologie und Entrepreneurship studierte Valerie Hillebrand in Salzburg. Danach sammelte sie Berufserfahrung in Politik, Marketing, Medien, Projektentwicklung und Energiewirtschaft. Sieben Jahre lebte und arbeitete sie in Wien, ehe sie sich für den Einstieg ins Familienunternehmen entschied. Dort, sagt sie, könne sie stärker gestalten und Verantwortung übernehmen.
Am Anfang führte sie zahlreiche Gespräche mit Mitarbeitenden, um die Organisation und die einzelnen Unternehmensbereiche kennenzulernen. Ihr Zugang: zuhören, dann Schritt für Schritt verändern. Das klingt unspektakulär, ist im Alltag eines gewachsenen Betriebs aber nicht ohne. Veränderungen lösen schließlich auch Unsicherheit aus.
Zeitnah will Hillebrand in die Geschäftsführung eintreten. Unterstützt werden soll sie durch ein Management Board. Auch weitere Familienmitglieder der nächsten Generation bereiten sich auf künftige Aufgaben im Unternehmen vor.
Für Hillebrand gehören Menschlichkeit und wirtschaftliche Verantwortung zusammen. Zahlungsfähigkeit und Arbeitsplätze müssten gesichert bleiben. Innovationsprojekte sollen das Kerngeschäft ergänzen, ohne seine Existenz zu gefährden. Derzeit läuft unter Leitung ihres Bruders David ein umfangreiches Digitalisierungsprojekt; er verantwortet außerdem die Stabsstelle Innovation. Innovation, betont Hillebrand, soll nicht in einem isolierten Unternehmensbereich stattfinden.
Der Standort München wurde 2021 eröffnet. Von dort aus wurden bislang mehr als 1.000 Wohnungen realisiert. Hillebrand plant und baut grenzüberschreitend in Österreich und Deutschland und erwartet eine zunehmende Präsenz auf Baustellen in Südbayern.
Energie, Quartiere und ein „leistbares Leben“
Für 2027 ist die Ausarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie geplant. Hillebrand versteht Nachhaltigkeit als wirtschaftlichen Faktor und unternehmerische Notwendigkeit. Die EU-Richtlinie „Empowering Consumers Directive“ (EmpCo) erfordere eine präzisere Kommunikation zu Nachhaltigkeit. Bau und Energie sollen stärker gemeinsam betrachtet werden.
Ein praktisches Beispiel steht in Großgmain: Eine 480 Quadratmeter große Photovoltaikanlage versorgt betriebseigene Liegenschaften mit Strom. Das Projekt „Das Limberg“ in Zell am See umfasst rund 180 Wohnungen, die größtenteils mit Biomasse versorgt werden. Langfristiges Ziel des Unternehmens ist vollständige Energieautarkie.
Gleichzeitig hinterfragt Valerie Hillebrand bisherige Geschäftsmodelle im Wohnbau. Steigende Wohnkosten und zunehmende Einsamkeit machen ihr zu schaffen. Sie spricht lieber von „leistbarem Leben“ als von „leistbarem Wohnen“. Gemeint sind Quartiere, die unterschiedliche Lebens- und Arbeitsformen verbinden, Begegnungszonen schaffen und funktionierende Infrastruktur bieten.
Die Entwicklung solcher Quartiere betrachtet sie als gesellschaftliche Aufgabe. Dafür brauche es einen frühen Austausch mit Gemeinden, Investoren und Politik. Langfristig will sie mit dem Unternehmen etwas hinterlassen, das über einzelne Gebäude hinausgeht.
Ein Generationenwechsel, der viele betrifft
Der Schritt bei Hillebrand fällt in eine Zeit, in der Österreich vor einem demografisch bedingten Generationenwechsel in zahlreichen Traditionsbetrieben steht. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET), die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Junge Wirtschaft (JW) richten deshalb eine gemeinsame Taskforce für Betriebsnachfolge ein.
Zwischen 2025 und 2034 stehen rund 52.500 Unternehmen ohne Ein-Personen-Unternehmen vor einer Übergabe. Das entspricht knapp 23 Prozent aller Arbeitgeberunternehmen; betroffen sind rund 705.000 Beschäftigte. Besonders im Blick sind traditionelle Familienbetriebe und Regionen mit einzelnen zentralen Leitbetrieben.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer zufolge sollen Reformen der Gewerbeordnung und die Verlängerung der Grace-Period von drei auf fünf Jahre jährlich rund 3.000 Familienbetriebe entlasten. Die Taskforce soll zusätzliche Hindernisse identifizieren und Betriebsübergaben schneller, einfacher und planbarer machen.
Besonders ausgeprägt ist der Generationenwechsel in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. 2024 wurden österreichweit rund 7.800 Betriebe übergeben, mehr als ein Viertel davon entfiel auf den Tourismus. Darunter waren rund 1.600 Gastronomiebetriebe und 300 Hotels. Das Wirtschaftsministerium überarbeitet derzeit die Tourismusstrategie und will dabei Erleichterungen für Betriebsübergaben berücksichtigen. Bei einem Expertengipfel zur „Vision T“ wurden mit Branchenvertretern Start- und Aufstiegschancen für die nächste Unternehmergeneration im Tourismus diskutiert.
Die Nachfolge-Taskforce umfasst zehn Experten aus Wirtschaft, Steuerrecht, Finanzierung, Arbeitsmarkt, Unternehmenspraxis, Wissenschaft und öffentlichen Institutionen. Sie soll die Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben systematisch analysieren, Verfahren vereinfachen, die Planbarkeit erhöhen, Nachfolgerinnen und Nachfolger besser unterstützen und Fragen zu Steuern, Finanzierung und Haftung bearbeiten.
Den Vorsitz führt Univ.-Prof. Dr. Reinhard Prügl von der Wirtschaftsuniversität Wien. Mitglieder sind Mag. Dr. Katharina Alzinger-Kittel, Weingut Alzinger GmbH, Mag. Maria Buchegger, Freiraum Buchegger, Univ.-Prof. Dr. Astrid Deixler-Hübner, Hon.-Prof. (FH) Mag. Albert Walter Huber, CEFA, von der Bundes-Experts Group der WKO, Mag. Peter Voithofer vom Institut für Österreichs Wirtschaft, Mag. Klaus Schöffmann vom Notariat Schöffmann, Mag. Birgit Schwabl-Drobir vom BMWET, MMag. Dr. Verena Trenkwalder von KPMG Alpen-Treuhand GmbH und Lukas Sprenger, MSc BSc, von der WKO.
Parallel startet die WKÖ gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium das Weiterbildungsprogramm „NextGen4Austria“. Vermittelt werden unter anderem Kenntnisse zu nachhaltigen Geschäftsmodellen, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, Finanzierung, Strategie und moderner Betriebsführung. Die Junge Wirtschaft verweist in ihrer „JW-Nachfolgestrategie“ auf den Bedarf an weniger Bürokratie, steuerlichen Entlastungen, besseren Finanzierungsmöglichkeiten und einem stärkeren Bewusstsein für Betriebsnachfolge als Karrierechance. Weitere Informationen wurden auf den Websites des BMWET und der Jungen Wirtschaft angekündigt.
