Heute ist der 2.07.2026 und die Diskussion über das Reisen und seine Herausforderungen ist so aktuell wie nie. Philipp Laage, ein erfahrener Reisejournalist und Autor, hat über 80 Länder bereist und sein drittes Buch „Travel is broken“ veröffentlicht. In einem Interview macht er deutlich, dass das Reisen unter moralischem Druck steht – Overtourism und Klimawandel sind nur einige der Themen, die Reisende aktuell beschäftigen. Laage beschreibt, dass viele von uns heute unglücklich aus dem Urlaub zurückkehren, da das Glücksversprechen des Reisens oft in Stress und Zeitdruck umschlägt.

Seine letzte Reise führte ihn nach Japan, die nächste soll ihn auf die Lofoten bringen. Immer wieder stellt er fest, dass das Reisen für viele Menschen wie eine Art Ersatzreligion geworden ist, besonders für Millennials, die Erlebnisse über materielle Dinge stellen. Doch wie sieht es wirklich aus? Laage sieht die digitale Realität kritisch. Smartphones und Instagram setzen Reisende unter Druck, ständig nach interessanten Erlebnissen zu suchen. Diese ständige Inszenierung von „Erlebnissen“ führt oft dazu, dass die Suche nach Authentizität ins Leere läuft.

Der Druck des digitalen Reisens

Ein großes Problem, das Laage anspricht, ist der Einfluss von Instagram auf das Reisen. Während früher die analoge Realität im Vordergrund stand, hat das Smartphone den mentalen Abstand zur gewohnten Welt deutlich verringert. Die Selbstinszenierung in sozialen Medien hat viele Reisende dazu gebracht, Erfahrungen zu planen und zu inszenieren, anstatt sie einfach zu erleben. Laage spricht von einem markanten Unterschied zwischen „Erlebnissen“, die planbar und inszenierbar sind, und „Erfahrungen“, die nicht kontrollierbar und potenziell berührend sind. In diesem Spannungsfeld verliert man schnell die Essenz des Reisens.

Er plädiert für verantwortungsvolles Reisen und schlägt drei Regeln vor: Erstens, die Welt als Erfahrungsraum und nicht als Warenhaus begreifen; zweitens, mehr Zeit vor Ort verbringen und nicht alles durchplanen; drittens, das Handy im Hotel lassen. Dies sind einfache, aber wirkungsvolle Ansätze, um das Reisen wieder erfüllender zu gestalten. Laage selbst hat seinen Reiseansatz geändert und fragt sich nun, was ihn wirklich an einem Ziel begeistert.

Die Zukunft des Reisens

Die Digitalisierung, ein Thema, das Laage ebenfalls anspricht, hat die Art und Weise, wie wir Reisen buchen, revolutioniert. Laut einer aktuellen Quelle buchen 68% der Deutschen heute online, während vor 20 Jahren Reisen hauptsächlich im Reisebüro organisiert wurden. Plattformen wie Booking.com, Airbnb oder BlaBlaCar dominieren den Markt und ermöglichen ein schnelleres, kontaktloses Reisen. Doch die Schattenseiten sind nicht zu übersehen: Kleine, familiengeführte Hotels haben es schwer, sich gegen die großen Plattformen durchzusetzen, die hohe Vermittlungsgebühren erheben und die Preisgestaltung einschränken.

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In der Reihe „Future Travel“ wird die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit im Tourismus betont. Apps wie FairTrip und Travelinho unterstützen Reisende dabei, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und Overtourism zu vermeiden. Die Pandemie hat zudem dazu geführt, dass Geschäftsreisen zurückgegangen sind, was überraschenderweise CO₂-Emissionen reduzierte. Die Digitalisierung im Tourismus steckt zwar noch in den Kinderschuhen, bietet aber bereits zahlreiche Möglichkeiten, um nachhaltiger zu reisen.

Philipp Laages kritisches Buch ist daher nicht nur eine Auseinandersetzung mit seinen eigenen Erfahrungen, sondern auch ein Aufruf, das Reisen neu zu denken. Die Fragen, die er aufwirft, sind mehr als nur persönliche Empfindungen – sie spiegeln eine gesellschaftliche Entwicklung wider, die uns alle betrifft. Wie werden wir in Zukunft reisen? Und vor allem: Wie wollen wir reisen? Fragen über Fragen, die uns zum Nachdenken anregen sollten.

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