Protest gegen Schließung der Görlitzer Brücken in Treptow-Köpenick
In Treptow-Köpenick brodelt es. Anwohnerinnen und Anwohner sind alles andere als begeistert von den Plänen zur Schließung der „Görlitzer Brücken“. Diese Brücken sind nicht nur schöne Bauwerke, sondern auch eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Alt-Treptow und Kreuzberg. Auf dem Bahndamm hängen viele Schilder und Banner, die eindringlich gegen die Sperrung protestieren. Die Brücken sind seit 1994 eine öffentliche Verbindung, und die Menschen hier haben ein starkes Interesse, dass das auch so bleibt.
Der Grund für die drohende Schließung ist die Kündigung des Mietvertrags der Deutschen Bahn, die zum 30. Juni 2026 gültig ist. Diese Entscheidung wird von der Bahn mit Korrosionsschäden und Bedenken zur Verkehrssicherheit begründet. Betroffen sind insgesamt vier Brücken: drei über Straßen und eine über den Landwehrkanal. Die Initiative „ZusammenBrücken“ hat bereits Zählungen durchgeführt und festgestellt, dass zwischen 472 und 591 Personen pro Stunde die „Görli Brücke“ nutzen. Das spricht ja eigentlich für sich!
Protest und politische Reaktionen
Am 30. Mai haben rund 400 Menschen für den Erhalt des Bahndamms demonstriert. Der Bezirk Treptow-Köpenick ist sich ebenfalls der Bedeutung dieser Verbindungen bewusst und fordert eine Lösung. Der Senat sieht die Verbindung als erhaltenswert an, verweist jedoch auf den baulichen Zustand und die fehlenden rechtlichen Möglichkeiten, die Bahn zur Instandhaltung zu verpflichten. Die Bahn hat angeboten, die Brücken kostenlos an Berlin zu übertragen, aber es mangelt derzeit an Mitteln für Übernahme, Unterhalt und Sanierung. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist.
Eine weitere spannende Wendung: Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat beschlossen, die Kündigung des Mietvertrags zu beobachten. Diese Kündigung könnte nicht nur die Brücken, sondern auch die Flächen rund um die ehemalige Bahnstrecke zwischen Görlitzer Park und der A100 betreffen. Die Görlitzer Bahnbrücke, die seit Jahren stillgelegt ist, wird von den Bürgerinnen und Bürgern als Fuß- und Radweg sowie zur Erholung genutzt. Der Wegfall dieser Nutzung könnte die ohnehin schon angespannte Versorgung mit wohnortnahen Erholungsflächen weiter verschärfen.
Die Verhandlungen laufen
Der Druck auf benachbarte Erholungsflächen wie den Görlitzer Park und die Uferwege könnte steigen, sodass eine Lösung umso dringlicher wird. Die Brücke ist nicht nur eine Verbindung für Fuß- und Radverkehr, sondern sie war auch im Gespräch für das Radvorrangnetz. Es ist also klar: Hier sind einige Senatsverwaltungen gefordert! Die Senatsverwaltungen für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie für Finanzen sollen mit der Deutschen Bahn und dem Bezirksamt verhandeln. Ziel ist die dauerhafte Erhaltung einer sicheren Wegeverbindung zwischen Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick, und das vor Ende des Mietvertrags.
All das geschieht in einem Kontext, in dem der Bund den Bau von Fahrradbrücken fördert, wie etwa den Franklin-Steg in Mannheim. Diese Brücke wird eine direkte, sichere und barrierefreie Überquerung der Bundesstraße B38 ermöglichen und ist Teil eines größeren Plans zur Förderung des Radverkehrs und zur Quartiersvernetzung. Der Franklin-Steg wird Fußgängern und Radfahrern eine sichere Verbindung zwischen den Stadtteilen bieten und damit zur Attraktivität des Stadtbildes beitragen. Hier zeigt sich, dass die Schaffung von Infrastruktur für Radfahrende und Fußgänger einen hohen Stellenwert hat – und das könnte auch für die Görlitzer Brücken gelten.
Die Gespräche zwischen Berlin und der Bahn über eine Übergangsvereinbarung laufen weiterhin, aber die Zeit drängt. Die Anwohner und die gesamte Gemeinschaft in Treptow-Köpenick hoffen, dass ihre Stimmen Gehör finden und dass die „Görlitzer Brücken“ nicht nur ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Verkehrsplanung werden.
