Der Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette (67) vor dem Landgericht in Verden sorgt derzeit für großes Aufsehen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Mordes, versuchtem und vollendetem schweren Raub sowie unerlaubtem Waffenbesitz erhoben. Klette wird vorgeworfen, zwischen 1999 und 2016 zusammen mit den mutmaßlichen ehemaligen RAF-Mitgliedern Burkhard Garweg (57) und Ernst-Volker Staub (71) eine Reihe von Überfällen auf Geldtransporter und Supermärkte durchgeführt zu haben. Bei diesen Überfällen sollen mehr als 2,7 Millionen Euro erbeutet worden sein, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Besonders brisant: Garweg und Staub sind bis heute flüchtig, während Klette am 26. Februar 2024 in ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg festgenommen wurde.
Die Staatsanwältin Annette Marquardt bezeichnet die Taten als Delikte mit erheblicher krimineller Energie. Die Überfälle fanden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein statt, wobei die Täter „arbeitsteilig und äußerst konspirativ“ vorgingen. Sie mieteten Fahrzeuge unter falschen Namen, spionierten Tatorte aus und kleideten sich mit Perücken und falschen Schnurrbärten. Besonders brisant war ein Überfall am 6. Juni 2015, bei dem das Trio einen Geldtransporter mit fast einer Million Euro stoppte. Obwohl mehrere Schüsse abgegeben wurden, blieben die Geldboten unverletzt.
Widersprüche und Beweislage
Im Verlauf des Prozesses gibt es Widersprüche zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Gericht. Während die Staatsanwaltschaft von einem bedingten Tötungsvorsatz ausgeht, bewertet das Gericht die Taten als weniger gravierend. In Klettes Wohnung wurden Beweise sichergestellt, die von einer Panzerfaust-Attrappe über ein Sturmgewehr und eine Maschinenpistole bis hin zu über 240.000 Euro Bargeld und einem Kilogramm Gold reichen. Zudem fanden die Ermittler Fotos, Skizzen und Aufzeichnungen von ausspionierten Supermärkten und Polizeiwachen.
Obwohl Klette eine Beteiligung an den Überfällen nicht abgesprochen wird, bleibt unklar, ob sie tatsächlich bei jedem Überfall anwesend war. DNA-Mischspuren in Fluchtautos könnten mit ihr in Verbindung gebracht werden, jedoch bezweifeln ihre Anwälte die Qualität der Ermittlungen. Das Gericht plant, dass die Nebenklage am Mittwoch plädiert, während die Verteidigung ihre Anträge am 12. und 13. Mai vorstellen wird. Ein Urteil wird frühestens Ende Mai erwartet.
Die RAF und ihre Geschichte
Die Rote Armee Fraktion (RAF), aus der Daniela Klette stammt, war von 1970 bis 1998 aktiv und gilt als eine der bekanntesten linksterroristischen Gruppen in Deutschland. Sie war verantwortlich für 34 Morde und verletzte über 200 Menschen während ihrer kriminellen Aktivitäten. Die Gruppe entstand nach der Radikalisierung der 68er-Bewegung und führte zahlreiche Banküberfälle und Anschläge durch, darunter auch auf US-Militäreinrichtungen. Die RAF erklärte ihre Selbstauflösung am 20. April 1998, doch viele ihrer Mitglieder, wie Klette, scheinen bis heute nicht von ihrer Ideologie abgelassen zu haben.
Die aktuellen Geschehnisse um Daniela Klette werfen ein Schlaglicht auf die dunkle Vergangenheit der RAF und deren Einfluss auf die deutsche Gesellschaft. Die Verhandlung, die in einer umgebauten Reithalle stattfindet und bereits 3,6 Millionen Euro gekostet hat, wird mit Spannung verfolgt. Die Entscheidungen des Gerichts könnten weitreichende Auswirkungen auf das öffentliche Bild der RAF und die rechtlichen Konsequenzen für Klette haben.
Für weitere Informationen und Details zu diesem Fall verweisen wir auf die ausführliche Berichterstattung in der Bild sowie auf die Berichterstattung des NDR.