In Obervieland, einem Stadtteil von Bremen, gibt es gerade ordentlich Wirbel um das bevorstehende Stadtteilfest „Obervielander Vielfalt“ am 10. Mai 2025. Dieses Fest, das nunmehr in die 24. Runde geht, hat sich über die Jahre zu einem echten Highlight entwickelt, bei dem Gemeinschaft und die Vielfalt der sozialen Akteure im Vordergrund stehen. Doch nicht alle sind mit der Organisation einverstanden. Mehrere Akteure, darunter das Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland und die Awo Bremen, haben ihre Teilnahme abgesagt. Der Grund? Der Veranstaltungsort, das Gemeindezentrum der Hoop-Gemeinde, wird von den absagenden Gruppen als nicht geeignet erachtet, weil dort die Werte homosexueller und queerer Identitäten nicht gleichwertig betrachtet werden.
Es ist schon ein bisschen traurig, wenn man bedenkt, dass die Obervielander Vielfalt seit 27 Jahren besteht und ein Ort der Begegnung sein sollte. Pastor Michael Heitmann von der Hoop-Kirche betont zwar, dass alle Menschen willkommen sind und keine Konversionstherapien angeboten werden, doch die Kritiker sind anderer Meinung. Sie sehen einen klaren Widerspruch zwischen dem inklusiven Anspruch des Festes und den Werten der Kirche. Der Beiratssprecher Klaus Möhle hat bereits den Wunsch geäußert, eine Lösung für zukünftige Feste zu finden, um die Vielfalt im Stadtteil besser zu betonen. Und so bleibt die Frage: Wie geht es weiter?
Ein Fest mit Geschichte
Das Stadtteilfest wird am Samstag, dem 10. Mai 2025, von 14 bis 18 Uhr stattfinden und bringt verschiedene Initiativen und Vereine zusammen. Die Organisatoren, unter anderem der TuS Komet Arsten, haben ein umfassendes Programm auf die Beine gestellt, das von Infoständen über kreative Mitmachaktionen für Kinder bis hin zu einem Bühnenprogramm mit Tanz, Musik und Sport reicht. Es ist ein Fest, das ganz auf ehrenamtliches Engagement setzt, ohne Verkaufsstände und mit dem Fokus auf das Kennenlernen und Netzwerken der Teilnehmenden.
Die Teilnehmerliste ist allerdings besorgniserregend. Bisher liegen nur 25 Anmeldungen vor, normalerweise sind es 35 bis 40. Einige der teilnehmenden Einrichtungen planen, die Regenbogenfahne zu hissen – ein starkes Zeichen für Vielfalt und Toleranz! Das zeigt, dass trotz der Absagen noch viele daran glauben, dass ein diskriminierungsfreies Fest möglich ist. Stefan Markus vom BGO und Pastor Heitmann sind optimistisch, dass in Zukunft eine Lösung gefunden werden kann.
Ein Blick auf die Gesellschaft
Die Diskussion um die Obervielander Vielfalt ist nicht nur ein lokales Thema. Sie spiegelt auch größere gesellschaftliche Herausforderungen wider. Trotz aller Fortschritte gibt es nach wie vor Anfeindungen und Ausgrenzungen von LSBTIQ*-Menschen. Eine Studie zeigt, dass viele queere Jugendliche Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität erfahren, was zu höheren Suizidraten und einem erhöhten Risiko für Wohnungslosigkeit führt. Das ist alarmierend und zeigt, wie dringend wir für Akzeptanz und Schutz eintreten müssen.
Die Bundesregierung hat mit dem Aktionsplan „Queer leben“ Maßnahmen ergriffen, um die rechtliche Anerkennung, Teilhabe und Sicherheit von queeren Menschen zu fördern. Doch das allein reicht nicht. Es braucht eine aktive Politik, die Diskriminierung nicht nur bekämpft, sondern auch das Zusammenleben in der Vielfalt fördert. Die Schaffung eines inklusiven Umfelds ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle angeht.
In Obervieland, wo bald das Stadtteilfest stattfindet, bleibt die Hoffnung, dass die Veranstaltung ein Ort der Begegnung und des Austauschs wird, der die Vielfalt der Menschen feiert.
