Heute ist der 4. Mai 2026, und in Schleswig-Flensburg steht ein bedeutsamer Prozess an. Vor dem Oberlandesgericht Schleswig wird über einen Versicherungsfall verhandelt, der in direktem Zusammenhang mit der Sturmflut steht, die am 20. und 21. Oktober 2023 die Ostseeküste heimsuchte. Die Klägerin, eine Wohnungsgesellschaft, fordert nun rund 800.000 Euro von ihrer Elementarversicherung. Der Streitpunkt? Der Begriff „Sturmflut“. Während die Versicherung eine Ausschlussklausel für Sturmfluten an Nord- und Ostsee anführt, argumentiert die Klägerin, dass die Schlei, die über die Ufer trat, als Teil der Ostsee betrachtet werden müsse. Das Landgericht Flensburg hatte die Klage in erster Instanz abgewiesen, und jetzt hofft die Klägerin auf eine andere Entscheidung in dieser Woche.

Die Sturmflut im Oktober 2023 war, um es vorsichtig auszudrücken, eine Naturgewalt, die man nicht so schnell vergessen wird. Sie forderte ihren Tribut – an den Küsten, Stränden und in den Häfen. Schätzungen zufolge belaufen sich die Schäden in Deutschland auf etwa 200 Millionen Euro. Flensburg war einer der am stärksten betroffenen Orte, mit einem Höchststand des Wassers von 2,27 Metern über dem Mittelwasser. Das war das schwerste Ostseesturmhochwasser seit 1872! Man konnte in der Marina von Strande sehen, wie die Wellen gegen die Ufer anprallten, und einige Campingplätze wurden regelrecht überschwemmt.

Klimawandel als Hintergrund

Ein Tiefdrucksystem, das von der Westküste Spaniens über den Golf von Biskaya bis nach Großbritannien zog, hatte die Situation ursprünglich angeheizt. Die Meteorologen gaben dem Ganzen den Namen „Sturm Babet“. Ein blockierendes Hochdruckgebiet über Skandinavien sorgte dann für die starken Ostwinde, die das Wasser nur noch weiter aufstauten. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hatte bereits einen Tag vor der Katastrophe gewarnt – aber viele waren nicht vorbereitet. In Flensburg und Schleswig kam es zu enormen Überflutungen, und die Einsatzkräfte waren rund um die Uhr im Einsatz. Über 2000 Feuerwehrleute, Rettungsdienste und Polizisten waren auf den Beinen. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie es dort gewesen sein muss, als die Deiche überliefen und schließlich brachen.

Die Schäden waren auch an Orten wie dem Kieler Olympiahafen Schilksee und in Ostholstein erheblich. Deiche wurden beschädigt, und viele Strände waren plötzlich nicht mehr da, weil sie einfach abgetragen wurden. Tragischerweise gab es sogar einen Todesfall auf Fehmarn, als ein Baum umstürzte. Während die Menschen in Sicherheit gebracht wurden, sanken 35 Boote im Olympiahafen – was für ein Anblick!

Die Folgen und der Wiederaufbau

Der Wiederaufbau wird ebenfalls ein heißes Thema sein. Am 3. November 2023 kündigte der Schleswig-Holsteinische Landtag einen Wiederaufbaufonds mit einem Volumen von mindestens 200 Millionen Euro an. Ziel ist es, nicht nur die Schäden zu beheben, sondern auch eine bessere Absicherung gegen zukünftige Hochwasserereignisse zu schaffen. Die Vereinbarung zur hälftigen Kostenübernahme zwischen Land und Kommunen steht, und auch der Bund soll sich beteiligen. Das alles geschieht vor dem Hintergrund, dass der Klimawandel uns zunehmend mit extremen Wetterereignissen konfrontiert – Hochwasser, Stürme und Starkregen sind keine Seltenheit mehr.

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Der Naturgefahrenreport 2023 hat ergeben, dass die Schäden durch Naturgefahren in der Sach- und Kfz-Versicherung in diesem Jahr bei beeindruckenden 5,6 Milliarden Euro liegen. Laut Jörg Asmussen, dem Hauptgeschäftsführer des GDV, sind mutige Maßnahmen zur Anpassung an die neuen klimatischen Bedingungen drängend notwendig. Die Gesellschaft ist nicht ausreichend auf die Häufung solcher Ereignisse vorbereitet. Wer weiß, was uns in den kommenden Jahren noch blüht, wenn die Prognosen stimmen, die einen Anstieg der Schäden durch Klimawandelfolgen bis 2050 vorhersagen?

Es bleibt abzuwarten, wie die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Schleswig ausgehen wird und welche Lehren wir aus der Sturmflut von 2023 ziehen können – sowohl für die Betroffenen als auch für die Versicherungsunternehmen. Ein klarer Blick auf die Herausforderungen, die uns der Klimawandel bringt, ist unerlässlich, denn die Natur hat ihre eigenen Gesetze, und die müssen wir ernst nehmen.