Die aktuelle Situation im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in Schleswig-Holstein sorgt für besorgte Gesichter. Am 29. April 2026 beantragte die SPD-Fraktion im Landtag eine Aktuelle Stunde, um auf die gravierenden Finanzierungsprobleme im Busverkehr aufmerksam zu machen. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Niclas Dürbrook, bezeichnete die Lage als „extrem ernst“. Trotz gestiegener Kosten hat das Land die Zuschüsse für den Busverkehr eingefroren, was immer mehr Kreise dazu zwingt, Kürzungen im Busverkehr in Betracht zu ziehen oder diese bereits umzusetzen. Für viele Menschen ist der Busverkehr die einzige Form des öffentlichen Nahverkehrs, was die Problematik umso dringlicher macht.
Die SPD fordert ein Ende des Einfrierens der Landesmittel für den Busverkehr. Auch der Schleswig-Holsteinische Landkreistag hat in einer Resolution mehr Unterstützung vom Land gefordert. Es wird erwartet, dass sich Schleswig-Holstein stärker an den Kosten des kommunalen ÖPNV beteiligt, um die zunehmende Diskrepanz in der strukturellen Finanzierung zu verringern. Die Verantwortlichen führen diese Probleme auf steigende Kosten für Personal und Energie sowie neue gesetzliche Anforderungen zurück, wie den Einsatz von Elektrobusse ohne entsprechenden Mehrbelastungsausgleich. Kommunen kämpfen zurzeit mit der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten, und das geplante Defizit von über 300 Millionen Euro in den nördlichen Kreisen ist alarmierend.
ÖPNV-Gesetz und Herausforderungen
Schleswig-Holstein verfügt über ein ÖPNV-Gesetz, das eine ausreichende Anbindung an den Nahverkehr in allen Teilen des Landes festlegt. Das Land ist für den Schienenpersonennahverkehr zuständig, der durch den Bund finanziert wird. Die NAH.SH (Nahverkehr Schleswig-Holstein) übernimmt wichtige Aufgaben wie Ausschreibungen und das Management von Verkehrsverträgen mit Bahnunternehmen. Allerdings werden Bus- und Straßenbahnverkehre von Kreisen und kreisfreien Städten organisiert, die dafür finanzielle Unterstützung vom Land erhalten.
Mit dem SH-Tarif können Fahrgäste alle Verkehrsmittel der aktiven Verkehrsunternehmen im Land mit nur einem Fahrschein nutzen, was die Mobilität in Schleswig-Holstein erleichtert. Über 6.200 Menschen sind in Bahn- und Busunternehmen beschäftigt, wobei ehrenamtliche Bürgerbusse ebenfalls eine Rolle im öffentlichen Nahverkehr spielen. Der Nahverkehr in Schleswig-Holstein leistet zudem einen positiven Beitrag zur Umwelt, da er jährlich etwa 255.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) einspart, was den Emissionen einer Stadt der Größe Flensburg entspricht.
Die Zukunft des Busverkehrs
Die Situation im Nahverkehr ist angespannt, und es drohen ab 2025 Einschnitte auch im Busverkehr. Das Land plant, Zugverbindungen zu streichen, und die Stagnation der Mittel für den Busverkehr bei rund 82 Millionen Euro bedeutet de facto eine Kürzung für die Kommunen. Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) äußerte Bedauern über die Einschnitte, die durch Geldmangel bedingt sind. Im Kreis Stormarn etwa stiegen die Kosten im Busverkehr von 24 Millionen Euro (2022) auf 32 Millionen Euro (2023), was zu Warnungen vor möglichen Leistungskürzungen im Busverkehr führte.
Die Befürchtung wächst, dass im ländlichen Raum ganze Buslinien eingestellt werden könnten. Besonders betroffen von den geplanten Streichungen sind Nacht- und Wochenendverbindungen. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt zudem die geplanten Preiserhöhungen ab, was besonders bei jüngeren und städtischen Bürgern auf Widerstand stößt. Die Situation bleibt herausfordernd, und es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen die Probleme im Busverkehr angehen werden.