BADEN. Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef, drängt auf eine europäisch-arabische Freihandelszone. Europa und Deutschland müssten sich dafür einsetzen, sagte Söder während seines Besuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für mögliche Investitionen brauche es weitere Freihandelszonen.

Nach Söders Angaben zeigen neben den Vereinigten Arabischen Emiraten auch andere arabische Länder Interesse. Seine nächste Reisestation ist am Dienstag Katar. Der Vorstoß fällt in eine Zeit, in der in Deutschland Investitionen fehlen und die Handelshemmnisse mit den USA und China zunehmen. Unternehmen und Politik richten ihren Blick deshalb stärker auf andere Staaten – darunter Indien und mehrere Länder im Nahen Osten.

40 Milliarden Euro aus den Emiraten

Die VAE wollen 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Die Ankündigung erfolgte während des zweitägigen Staatsbesuchs ihres Präsidenten Scheich Mohammed bin Zayid Al Nahyan durch die emiratische Seite und die Bundesregierung. Ein Teil des Geldes soll in neue Rechenzentren fließen.

In Berlin wurde Scheich Mohammed von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren empfangen. Am Nachmittag traf er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU); dabei sollten mehrere Abkommen unterzeichnet werden. Beide Regierungen wollen die bilateralen Beziehungen weiter vertiefen.

Der emiratische Industrie- und Hochtechnologieminister Sultan Al Jaber bezeichnete Deutschland als wichtigen strategischen und wirtschaftlichen Partner. Die geplanten Investitionen sollen Industriezweige, Technologien und qualifizierte Arbeitsplätze fördern. Für Deutschland gehe es zudem um stärkere industrielle Kapazitäten, mehr Innovation und qualifizierte Beschäftigung, um bessere Energiesicherheit und stabilere Lieferketten. Deutsche Unternehmen sollen bei internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum unterstützt werden.

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Nach Angaben Al Jabers haben die VAE bereits 34 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Die neuen Zusagen sollen gemeinsame Projekte mit führenden deutschen Industrie- und Technologieunternehmen ermöglichen. Damit wollen die Emirate ihre Kompetenzen in strategischen Sektoren ausbauen und Unternehmen für Wachstumsmärkte in der Golfregion, in Asien und Afrika entwickeln.

Für Bayern sind von den angekündigten Investitionen zehn Milliarden Euro vorgesehen. Der emiratische Staatschef hatte diese Summe bei seinem Staatsbesuch in Deutschland im September angekündigt.

Handel mit Hindernissen

Die VAE sind Deutschlands wichtigster Handelspartner am Golf. Das bilaterale Handelsvolumen lag im vergangenen Jahr bei gut 13 Milliarden Euro: Deutschland exportierte Waren im Wert von rund 11 Milliarden Euro in die Emirate und importierte Waren für rund 2 Milliarden Euro. Deutsche Investitionen konzentrieren sich laut Bundesregierung vor allem auf technologie- und investitionsgüterorientierte Produkte, darunter Maschinen und chemische Erzeugnisse.

Ganz reibungslos läuft der Austausch allerdings nicht. Importzölle sowie Import- und Exportbeschränkungen bremsen den Handel teilweise. Die Bundesregierung unterstützt deshalb die laufenden Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den VAE über ein Freihandelsabkommen. Söders Idee einer europäisch-arabischen Freihandelszone würde diesen Ansatz auf weitere arabische Staaten ausdehnen.

Quelle für die Angaben zu Söders Vorstoß und den Investitionen: ntv.de/dpa sowie DER SPIEGEL.

Der Golf als unsicherer Anker

Die wirtschaftliche Annäherung findet vor einem angespannten geopolitischen Hintergrund statt. Seit dem 28. Februar 2026 führen die USA und Israel Krieg gegen den Iran. Die Kampfhandlungen betreffen auch die sechs Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrates (GCC): Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Oman, Bahrain und Kuwait.

In einer Welt zunehmender geoökonomischer Fragmentierung und geopolitischer Unordnung gewinnt ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem GCC an Bedeutung. Die Golfstaaten setzen verstärkt auf regionale und internationale Konnektivität, erneuerbare Energien und alternative Geschäftsmodelle zum Export fossiler Brennstoffe. Nach Beginn des Ukraine-Krieges waren sie wegen ihrer Energieressourcen und geografischen Nähe zunächst stärker als mögliche Stabilitätsanker wahrgenommen worden. Deutschland und die EU engagierten sich daraufhin intensiver in der Region.

Nun aber ist die Lage rauer. Der Krieg gegen den Iran belastet zentrale wirtschaftliche Grundlagen der Partnerschaft zwischen Europa und den Golfstaaten. Der Warenverkehr durch die Straße von Hormus, ein wichtiges Tor für fossile Exporte von der Arabischen Halbinsel, ist blockiert. Iranische Angriffe auf zivile Ziele stellen zudem das Bild der GCC-Staaten als sichere Standorte für internationale Geschäfte und Logistik infrage.

Der Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft spricht sich dennoch für eine vertiefte wirtschaftliche Partnerschaft zwischen EU und GCC aus. Ein umfassendes Abkommen könnte regulatorische Vorschriften angleichen, Investitionen gezielt fördern, die Zusammenarbeit bei nachhaltigen Energien stärken und gemeinsame Wertschöpfungsketten aufbauen.

Als Vergleich dient das bestehende Freihandelsabkommen zwischen den Golfstaaten und den EFTA-Ländern Norwegen, der Schweiz, Island und Liechtenstein. Nach dessen Abschluss wuchsen die EFTA-Exporte in die GCC-Staaten rund 45 Prozent stärker als die EU-Exporte. Auch bei den Importen entwickelte sich die Verflechtung zwischen EFTA und GCC stärker. Das Abkommen förderte eine kräftigere Exportdynamik der EFTA-Staaten und steigende Importe aus den Golfstaaten, besonders in rohstoffnahen und vorleistungsintensiven Bereichen.

Die Erfahrungen mit dem EFTA-Abkommen deuten allerdings darauf hin, dass ein EU-GCC-Abkommen, das sich ausschließlich auf Zölle konzentriert, der EU nur begrenzte Exportvorteile bringen würde. Für das strategische Potenzial der Partnerschaft wäre demnach ein zukunftsorientierter Rahmen nötig, der über klassische Handelsfragen hinausgeht. Und Söder ist inzwischen schon unterwegs nach Katar.