Teneriffa im Abwasser-Chaos: Eine Insel im Kampf gegen Umwelt- und Gesundheitsgefahren
Heute ist der 4.10.2026, und wir müssen über ein ernsthaftes Problem sprechen, das die Kanarischen Inseln, insbesondere Teneriffa, betrifft. Es geht um Abwasser – ja, genau das. Über 62,5 Millionen Kubikmeter Abwasser fließen jährlich ins Meer, und das entspricht einer Menge, die fast 9.260 olympischen Schwimmbecken füllt! Unglaublich, oder? Viele Haushalte sind nicht einmal an die Kanalisation angeschlossen, was die Situation nur noch verschärft. Dieses ungeklärte Abwasser hat nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf die Gesundheit der Menschen, die dort leben oder die Strände besuchen.
Das Abwasser wird seit Jahrhunderten von den Dörfern an der Küste ins Meer geleitet. Ein 1.000 Meter langes Rohr mit einem Gefälle von 45 Grad sorgt dafür, dass Abwasser in 707 Metern Tiefe an die Oberfläche gelangt. In Kiel war das bis in die 1950er Jahre ein ähnliches Problem, als ungeklärtes Abwasser ins Meer gepumpt wurde und die Oberfläche braun färbte. Auf Teneriffa sind Möwen Indikatoren für Abwassereinleitungen – sie versammeln sich oft in der Nähe dieser Einlässe. Vor dem Hotel „Playa Sur“ in El Médano etwa gibt es einen Betonkasten, der Abwasser, vermutlich ungeklärt, ins Meer pumpt.
Die Infrastruktur und ihre Mängel
Die Abwasserinfrastruktur auf Teneriffa ist spärlich und nicht gut ausgebaut. Kläranlagen sind rar gesät, und die EU hat bereits Geldstrafen wegen des mangelhaften Systems verhängt. Die Regionalregierung hat zwischen 2019 und 2023 8,2 Millionen Euro an Strafen gezahlt. Aktuell plant der Inselrat (Cabildo) Maßnahmen, um die Situation zu verbessern, und investiert über 70 Millionen Euro in den Ausbau der Kanalisation bis 2031. Aber die Frage bleibt: Wird das ausreichen, um die Probleme wirklich zu lösen?
Es gibt Berichte über bakterielle Lungenentzündungen bei Personen, die im Meer schwammen. Zwei gesunde Menschen zeigten Symptome nach einem Bad in El Médano – möglicherweise durch das kontaminierte Wasser. Eine genaue Bakterienanalyse bei Erkrankten ist auf Teneriffa nicht möglich, was die Situation zusätzlich kompliziert. Und das ist nicht alles: Schwimmer berichten von Augen- und Ohrenentzündungen sowie Durchfällen. Vor allem für Kinder und immungeschwächte Personen besteht hier ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.
Illegale Abwassereinleitungen
Eine Karte der kanarischen Regierung zeigt, dass viele Strände auf Teneriffa von nicht genehmigten Abwassereinleitungen betroffen sind. Über 300 illegale Abwasserrohre und -kanäle leiten unbehandelte Abwässer ins Meer. Schätzungen zufolge gelangen täglich etwa 100 Millionen Liter unbehandeltes oder unzureichend gereinigtes Abwasser in die Küstengewässer. Das hat natürlich Folgen: Strandsperrungen wegen gefährlicher bakterieller Belastung sind an der Tagesordnung, und Playa Jardín in Puerto de la Cruz war sogar 349 Tage lang wegen Fäkalwassereinleitungen gesperrt.
Die Justiz hat bereits Ermittlungen gegen mehrere Bürgermeister und ehemalige Bürgermeister wegen Umweltdelikten und Amtsmissbrauch eingeleitet. Die Situation ist einfach nicht mehr tragbar. Die touristische Wahrnehmung der Insel leidet, und es gibt bereits Protestbewegungen, die eine Sanierung der Infrastruktur fordern, bevor neue Hotelprojekte genehmigt werden. Das Image von Teneriffa als „Eco-Insel“ ist gefährdet, was zu einem Rückgang der Tourismusbuchungen führen könnte. Und das ist etwas, das wir alle nicht wollen.
Die Gesundheitsgefahren, die von dieser Abwassersituation ausgehen, sind alarmierend: Magen-Darm-Erkrankungen, Hautinfektionen und andere Krankheiten sind nur einige der möglichen Risiken. Die Ökosysteme im Meer leiden ebenfalls unter Überdüngung, Algenblüten und Sauerstoffmangel. Es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen handeln und die Abwasserinfrastruktur ernsthaft verbessern, bevor es zu spät ist.
